Documentation Den Betrieb übernehmen. Einstieg in Transformation?

«Besetzen, Widerstand leisten, produzieren» / «Occupy, Resist, Produce». Worker Cooperatives – Potential for Transformation?

Information

Date

03.11.2011 - 05.11.2011

Organizer

Christina Kaindl,

Themes

Inequality / Social Struggles, Analysis of Capitalism, Economic / Social Policy, Globalization

Das Eigentum an Produktionsmitteln ist eine zentrale gesellschaftliche Machtachse, um die in gesellschaftlichen Transformationsprozessen – innerhalb des Kapitalismus und erst recht über ihn hinaus – gerungen wird. Die Privatförmigkeit der Unternehmen vermittelt alltäglich die Erfahrung, dass demokratische Entscheidungen dem Privateigentum untergeordnet sind. Die Veränderung von Kräfteverhältnissen hängt wesentlich davon ab, wie und ob es gelingt, diese Macht einzudämmen und umzugestalten, die systematische Herstellung von Ungleichheiten zu mindern und Mittel für die freie Entwicklung Aller und eines/r Jeden zu entwickeln.

Die Frage von Vergesellschaftung/Verstaatlichung, Forderungen nach Belegschaftseigentum und Selbstverwaltung sind mit der gegenwärtigen Krise mit neuer Vehemenz gestellt worden. Die Linke hat sie – umstritten – in ihren Programmentwurf aufgenommen, in den Krisenprotesten werden diese Forderungen erhoben - ohne dass konzeptionelle Klarheit zu bestehen scheint, etwa: wie sich Vergesellschaftung und Verstaatlichung unterscheiden könnten, wie lokale und auf einzelne Unternehmen bezogene Demokratisierungsprozesse mit allgemein-gesellschaftlichen und globalen zu vermitteln sind, wie selbst verwaltete oder eigene Betriebe den Zwängen von globaler Produktion und Konkurrenz begegnen können. Auf der Konferenz wurden historische und aktuelle Erfahrungen und Konzepte ausgewertet.

Fragen rund um die Themen Belegschaftseigentum und selbstverwaltete Betriebe standen im Zentrum der Konferenz: welche Potenziale sind mit der Verstaatlichung oder der Vergesellschaftung von Produktionsmitteln verbunden, welche Gefahren? Sind Genossenschaftsbetriebe und Kooperativen ein Weg zur Beförderung von Demokratie am Arbeitsplatz? Sind Betriebsübernahmen und Gründungen von Betrieben in Belegschaftshand ein Weg, ökonomischen Krisen zu begegnen? Welche Rolle spielen Gewerkschaften, wie werden die Ansätze in Gewerkschaften diskutiert, gibt es neue Konzepte? Welchen Stellenwert haben diese Fragen für linke, auf Transformation gerichtete Politik? 

Videodokumentation

«The idea of workers self directed enterprises is that the workers displace and replace the capitalists with themselves. This has to be the next step in the process of transformation.» (Richard D. Wolff)
Eine neue sozialistische Bewegung hat in den USA nur eine Chance, wenn sie sich auf die Transformation der Betriebe konzentriert. Die Selbstverwaltung der Betriebe stellt eine nicht vollendete bisher vernachlässigte Dimension der radikalen Transformationsversuche in der Vergangenheit dar. Nur so können wir auf den Errungenschaften früherer sozialer Kämpfe aufbauen und müssen nicht noch mal von vorne anfangen. Die Selbstverwaltung der Betriebe durch die ArbeiterInnen muss also für uns Linke im zentralen politischen, ökonomischen, analytischen und programmatischen Fokus stehen, so Wolff im Panel «Von Krisenbearbeitung zu gesellschaftlicher Transformation»

Bernd Röttger widerspricht an dieser Stelle vehement. Er erläutert in seinem Beitrag, warum eine sozialistische Umgestaltung der Organisation antikapitalistischer Übergänge nicht durch eine sogenannte gradualistische Transformation innerhalb des kapitalistischen Systems funktioneren kann.

Weitere Beiträge als Videoclips

Interview mit Richard Wolff auf kontext.tv

Programm

Donnerstag, 3.11.

18 Uhr - Eröffnungspodium:
«Den Betrieb übernehmen» – Von Krisenbearbeitung zu gesellschaftlicher Transformation

  • Elmar Altvater, Freie Universität Berlin
  • Ulla Lötzer, MdB Die Linke
  • Rick Wolff, Universität Massachusetts
  • Gisela Notz, freie Autorin, ehemals Friedrich Ebert Stiftung
  • Moderation und Einleitung: Christina Kaindl, RLS

Freitag, 4.11.

10 - 12:30 Uhr:
Wirtschaftsdemokratie lokal, regional, international – Konzepte und Herausforderungen

  • Alex Demirović, Institut für Gesellschaftsanalyse, RLS
  • Heinz Bierbaum, MdL Saarland, DIE LINKE
  • Sonia Buglione, freie Autorin, RLS-Büro Brüssel
  • Ulla Plener, Leibniz-Sozietät, Berlin
  • Moderation: Michael Popp (angefragt), wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Fraktion DIE LINKE im Bundestag

14 - 17 Uhr:
Gewerkschaften und Betriebsübernahmen / Genossenschaften

18 - 20:30 Uhr:
Transformation nach der Transformation: DDR, Kollektiv-Bewegung, Jugoslawien, Kuba

  • Jörg Roesler, Wirtschaftshistoriker, Universität der Künste Berlin (angefragt)
  • Birgit Daiber, RLS-Büro Brüssel
  • Goran Music, Universität Bologna
  • Camila Piñeiro Harnecker, Universität Havanna, Cuba
  • Moderation: Boris Kanzleiter, RLS-Büro Belgrad

Im Anschluss: «Wir wählen unseren Weg.» Film (30 min. ) über eine Betriebsübernahme in Zrenjanin, Serbien. Diskussion mit den Markus Branislav und Robert Fai, beide aktiv bei «Ravnopravnost» (Gleichheit).

Samstag, 5.11.

10 - 12:30 Uhr:
Fit für den Markt oder den Markt überwinden? Widersprüche von Genossenschaften & Belegschaftsbetrieben und ihre Bearbeitung

  • Tim Hunt, red pepper, UK
  • Bernd Röttger, freier Autor und Politikwissenschaftler
  • Dario Azzellini, Universität Linz
  • Marina Sitrin, City University of New York
  • Moderation: Catharina Schmalstieg, Universität Jena / Redaktion «LUXEMBURG»

13:30 - 16 Uhr:
Solidarische Ökonomie im Aufbruch

16:30 - 18 Uhr:
Abschlussplenum: Eigentum transformieren

Mit Jessica Gordon Nembhard, Camila Piñeiro Harnecker, Heinz Bierbaum
Moderation: Alex Demirović, RLS

«Luxemburg»: Den Betrieb übernehmen

Neu erschienen: LUXEMBURG 3/2011 untersucht Erfahrungen, Konzepte und Grenzen von Belegschaftseigentum und Wirtschaftsdemokratie in Großbritannien, Jugoslawien, Italien, USA – und Ansätze zu einer Internationalisierung.