Publication International / Transnational - Migration / Flucht - Europa - Europa / EU - Nordafrika Gescheiterte Rückübernahme

Wenn die Rücksendung von MigrantInnen nicht funktioniert. Eine Fallstudie aus Italien und Tunesien.

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David L. Suber,

Published

September 2017

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In den vergangenen Jahren haben die Regierungen von Tunesien und Italien nach eigenen Angaben eines der effektivsten Rückübernahmeabkommen für MigrantInnen ohne Papiere in der EU entwickelt. Die offiziellen Zahlen sprechen für sich. Der Anteil tunesischer StaatsbürgerInnen an den in 2015 von den italienischen Behörden durchgeführten 2.850 Abschiebungen betrug 35 Prozent. Im Jahr 2016 stieg dieser Anteil auf 43 Prozent.[1] Es ist ein recht komplexes Unterfangen, Erkundungen über Abschiebungen und Rückübernahmen anzustellen. Denn obgleich die landesweiten Medien breit über die Existenz der Rückübernahmeabkommen berichten, wird über die konkrete Rückübernahmepraxis selten etwas geschrieben.[2] In dieser Fallstudie soll die Funktionsweise der Rückübernahmeabkommen zwischen Italien und Tunesien in den letzten Jahren unter die Lupe genommen werden. Auf Grundlage der verfügbaren Daten zum Thema sowie eines eigenen dreimonatigen Forschungsaufenthalts und Interviews mit direkt betroffenen Personen in Tunesien soll es in diesem Beitrag um die Unzulänglichkeiten des italienischen Rückführungssystems gehen. Außerdem soll der weit verbreiteten Annahme entgegengewirkt werden, wonach Italien und Tunesien ein Modell vorzuweisen haben, das zur Grundlage eines europäischen Rückführungssystems werden könnte.