Publication Alternatives to Society - Socio-ecological Transformation «Energiekämpfe»

Wie sozial, demokratisch und ökologisch ist die Energiewende - LuXemburg 1/2012 fragt nach

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March 2012

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Die ausgerufene «Energiewende» setzt auf Grünen Kapitalismus. Wie die Dampf- und Webmaschinen für den Beginn der industriellen Revolution standen, wie Taylorisierung und Fließband die technische Basis für den Fordismus und die IT-Revolution für die Globalisierung bereitstellte, soll die globale Energiewende die Grundlage für einen ökologischen Umbau der Produktionsweise und neue Wertschöpfungsstrategien liefern. Nicht nur in der Bundesrepublik kämpfen dabei gerade jene um eine führende Rolle, die bislang eine Energiewende mit Macht blockiert haben: die fossilistischen Kapitalgruppen und die Oligopolisten der Stromversorgung. Favorisiert werden marktförmige Lösungen, die der Struktur und Macht der Konzerne entsprechen und das dezentralisierende Potenzial der neuen Technologien konterkarieren: großtechnische Projekte wie Desertec, riesige offshore-Windparks, monopolisierte transkontinentale Supergrid-Netze für den großräumigen Stromexport und – die Atomkraft; wenn nicht hierzulande, dann als Exportgut in die aufstrebenden kapitalistischen Zentren China, Indien oder Brasilien.

Einigkeit besteht bei Linken über die Notwendigkeit eines «Energiesystemwechsels» (Herrmann Scheer). Umstritten sind die Schritte dorthin, nicht zuletzt innerhalb linker Bewegungen: wie können soziale und ökologische Politiken zusammengebracht werden? Die Frage stellt sich in Lateinamerika wie in Brandenburg – je unterschiedlich. Der Extraktivismus verspricht im globalen Süden Wohlstandsgewinne und ermöglicht im globalen Norden die Fortführung einer konsumistischen Lebensweise – beide haben zerstörerische ökologische Folgen. Energiekämpfe sind auch Kämpfe ums Ganze.

Was sind gerechte Übergänge, die auch für die von der Klima- und Energiekrise am stärksten Betroffenen wie für die vom Umbau bedrohten Beschäftigten, Gemeinden und Länder eine Perspektive bieten (vgl. Luxemburg 1/2011)? Welche Begriffe können diese fassen, um welche Konzepte können sie sich organisieren?

«Energiekämpfe» von unten setzen bei denen an, die nicht gefragt wurden, aber allerorten die Kosten der Energiewende tragen. Meist sind die Widerstände lokal, partikular, kaum vernetzt, die Bedingungen und worum gekämpft wird, oft kaum vergleichbar: gegen Ölkonzerne in Nigeria, den Bau des weltweit größten Atomkraftwerkes in Südindien, das Abtragen ganzer Dörfer durch Staudammprojekte oder – anders – den Braunkohleabbau; auch gegen die «Verspargelung der Landschaft» mit Windrädern und Gasverpressung in Brandenburg. Lassen sich die Widerstände verbinden, nicht nur äußerlich, sondern als Teil eines gemeinsamen, auf (soziale) Demokratisierung gerichteten Kampfes verstehen?

Inhalt

Fossiles

  • Michael T. Klare 30-jähriger Krieg? Geopolitik und Energie
  • Marcel Hänggi Powerlinks: Megaprojekte vs. demokratische Dezentralisierung
  • Uwe Witt Produktive Zentralisierung? Kommentar zu Marcel Hänggi
  • Christa Wichterich und Ewa Charkiewicz Landnahme und Geschlechterverhältnisse. Zwischen sozialer Reproduktion und In-Wert-Setzung der Natur
  • Memorandum der Versammlung der Landfrauen
  • Lucio Cuenca Berger Wessen Energiekrise in Chile?
  • Melina Laboucan-Massimo Konflikte um Ölsandförderung

Umkämpft

  • Ercan Ayboga Wasserkraft ist keine erneuerbare Energie. Bewegungen gegen Staudämme
  • Olaf Bernau Landgrabbing im Zeichen der Vielfachkrise
  • Ursula Schönberger Atomkraft, nein danke!
  • Hannah Schuster, Selana Tzschiesche, Michelle Wenderlich Vergesellschaftung von Energie
  • Sokari Ekine Die nigerianische Revolution hat begonnen
  • Uli Brand Und noch ein Gipfel. Rio+20 – Mögliche Neuorientierungen und falsche Versprechen

Umstritten

  • Jörn Krüger Fuck Fracking. Gegen Gasbohren
  • Dieter Klein Die Linke in Brandenburger Energiekämpfen
  • Hardy Feldmann Contra CCS: Kein Co2-Endlager – weder hier noch anderswo!
  • Dagmar Enkelmann Links schlägt noch kein grünes Herz
  • Luismi Uharte Wandel und Grenzen des venezolanischen Entwicklungsmodells

Vorgeschlagen

  • Bodo Ramelow Energierevolution statt grüner Kapitalismus
  • Andrea Ypsilanti Erfahrungen einer Niederlage. Projekt eines Richtungswechsels und die Energiefrage in Hessen
  • Rainer Land und Mario Neukirch (Bio-)Energiedörfer als sozio-ökonomische Innovation
  • Jan Latza Demokratischer Strom? Das Beispiel Sacramento
  • Alberto Acosta Energiesouveränität für Ecuador

Class and Care

  • Peter Schmidt Putzmunter
  • The Free Association Feenstaub und historische Brüche

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