Publication Soziale Bewegungen / Organisierung - Stadt / Kommune / Region Das andere Brandenburg

Antifa, weltoffene Orte, solidarische Alternativen

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Hendrik Sander,

Published

December 2021

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Der kirchliche Träger ESTAruppin, der sich in Neuruppin für Geflüchtete einsetzt und den Rechtsradikalen die Stirn bietet; der Słubice-Frankfurt-Pride, der queere Begehren von beiden Seiten der Oder auf die Straße bringt; der Falken-Jugendtreff KLAB in Luckenwalde, der mit seiner emanzipatorischen Bildungsarbeit an die rote Tradition der Stadt anschließt – das sind nur drei Beispiele einer vielfältigen und heterogenen Zivilgesellschaft, die es in fast allen Orten in Brandenburg gibt. Überall finden sich Akteure, die sich für Weltoffenheit, für solidarische Alternativen und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit engagieren. Nur ein Teil davon versteht sich explizit als links. Sie sind eher implizit als Mosaiklinke zu begreifen, deren unterschiedliche Puzzleteile ein bereicherndes Ganzes darstellen. 

Diese Perspektive auf Brandenburg ist nicht selbstverständlich. Verbreitet ist der Blick auf abgehängte ländliche Räume, auf politikverdrossene Bürger*innen und die Machenschaften der rechtsradikalen AfD. Die genannten Phänomene sind tatsächlich ein Problem. Das Berliner Umland und die peripheren Gegenden entwickeln sich zunehmend auseinander. Zwar hat die Brandenburger Wirtschaft nach der krisenhaften Wendezeit in den letzten Jahren einen Aufschwung und Aufholprozess erfahren. Doch die Löhne sind weiterhin niedrig und die Tarifbindung ist gering.

Hendrik Sander ist Politikwissenschaftler und politischer Aktivist, Fellow am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung und arbeitet zu Fragen sozial-ökologischer Transformation. Er hat in Bremen und Oldenburg studiert und in Kassel zum Thema «grüner Kapitalismus» und deutsche Energiepolitik promoviert. Heute lebt er in Potsdam und tritt demnächst eine Stelle an der Bauhaus-Universität in Weimar an.