News | Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Rassismus / Neonazismus - Migration / Flucht - Europa - Europa / EU - Europa solidarisch - Globale Solidarität 701 Tonnen Solidarität

Für das Recht zu bleiben, für das Recht zu gehen. Sonderbeilage von Sea-Watch e.V. – #DefendSolidarity

Achuil am 7. Januar 2019 auf der Sea-Watch 3 mit Blick auf die maltesische Küste. Seit 16 Tagen ist er bereits auf dem Schiff.
Geflohen, gerettet und scheinbar angekommen: Achuil hat es aus Libyen heraus und nach Malta geschafft. Aber in einem katholischen Jugendheim träumt er weiter von Europa.
  Achuil am 7. Januar 2019 auf der Sea-Watch 3 mit Blick auf die maltesische Küste. Seit 16 Tagen ist er bereits auf dem Schiff., Foto: Chris Grodotzki / Sea-Watch

Sichere und legale Fluchtwege nach Europa. Das war die Hauptforderung, als Sea-Watch 2015 gegründet wurde. Die Idee: Ein Auge auf dem Mittelmeer. Ein Auge, das die unmenschliche Situation der Flüchtenden dokumentiert und Rettungskräfte alarmiert. Seitdem hat die EU ihre Mauern immer höher gezogen. Sea-Watch reagierte mit einer der ersten zivilen Seenotrettungsmissionen. Doch mit zunehmender Kriminalisierung geriet die Forderung nach einer sicheren Reiseroute in der Öffentlichkeit mehr und mehr in den Hintergrund. Seenotretter*innen mussten sich stattdessen für ihr solidarisches Handeln verteidigen.

Seit Carola Rackete im Juni 2019 mit der Sea-Watch 3 gegen den Willen der italienischen Regierung in den Hafen eingelaufen ist, um endlich die Tortur der Geretteten an Bord zu beenden, gibt es eine riesige Welle der Solidarität. Hunderttausende demonstrierten in den Straßen europäischer Städte für sichere Häfen. Seenotrettung ist kein Verbrechen lautet die neue Parole – wie konnte es soweit kommen?

Die Sonderbeilage von Sea-Watch e.V. in der taz lässt Retter*innen und Gerette zu Wort kommen. In einer anschaulichen Grafik werden die Einsätze und die Beschlagnahmungen der Sea-Watch 3 im Jahr 2019 dokumentiert.

Die Ausgabe wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert.

It's Racism, stupid!

Kommentar von Carola Rackete

Diesen Sommer habe ich viel ungewollte Aufmerksamkeit bekommen – weil wir Menschen in einen sicheren Hafen gebracht haben. Seit unserer Mission ist die Sea-Watch 3 in Italien beschlagnahmt, die Ermittlungen gegen mich laufen weiter. Es ist Rassismus, dass wir überhaupt darüber diskutieren, ob man Menschen aus Seenot rettet und wohin man sie dann bringt. Schwarze Menschen – denn hätte ich Urlauber*innen vor dem Ertrinken gerettet, wären wir mit einem Feuerwerk im Hafen empfangen worden. Die Medien haben mich zu einer Heldin gemacht, weil ich mich gegen die europäische Abschottungspolitik gestellt habe. Aber es geht nicht um mich. Es geht darum, ob die Menschenrechte für alle gelten oder nur für eine Elite.

Was viel zu selten Gehör findet, sind Schicksale wie das von Nour Al-Sameh aus Syrien, der in Griechenland im Gefängnis sitzt, weil er auf seinem eigenen Fluchtboot einen Notruf gesendet hat. Die Geschichte von Rita, deren Ermordung in einem brandenburgischen Flüchtlingslager bis heute nicht aufgeklärt ist. Das Unrecht, das die drei Jungs erfahren, die im El Hiblu 3-Verfahren auf Malta vor Gericht stehen.

Wir brauchen ein Europa, das Menschenleben schützt, statt Migration als Verbrechen zu brandmarken. Das sage ich vor allem mit Blick auf die Zukunft. Wir zerstören unsere Ökosysteme, verschwenden Ressourcen, das Klimasystem ist aus den Fugen geraten. Schützen wir in einer solchen Welt nicht die Rechte anderer, gefährden wir auch unsere eigenen. Wenn wir wollen, dass die Menschenrechte die Klimakrise überleben, dann müssen wir jetzt aktiv werden, und zwar alle.

Gegen Rassismus, für Klimagerechtigkeit weltweit.
 

Mehr Informationen: sea-watch.org