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Dokumentation : Regionalgeld, Tauschringe, Schwundgeld

... und die gefährlichen Lehren des Silvio Gesell. Audiodokumentation.

Wichtige Fakten

Datum
20.10.2009
Veranstalter
Friedrich Burschel,
Mit
Peter Bierl, Journalist und Politologe, München
Themenbereiche
Geschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Rassismus / Neonazismus

Details

Inmitten wirtschaftlicher Krisen neigen die Menschen leicht dazu, nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen zu suchen und geraten dabei häufig in die Fänge obskurer Heilslehren, spiritueller Spinner und antisemitischer Verschwörungstheorien.

Kein Wunder also, dass auch die umstrittene Freiwirtschaftslehre des Kaufmanns Silvio Gesell (1862-1930) in den herrschenden Zeiten der Krise reges Interesse erfährt. Dieser behauptete, alle Übel dieser Welt, insbesondere ökonomische und soziale, seien darauf zurückzuführen, dass Geldbesitzer Zinsen „hecken“. Gesells Vorschlag lautete, den Zins abzuschaffen und statt dessen so genanntes rostendes Geld, Freigeld oder Schwundgeld auszugeben, also Geld, das in regelmäßigen Abständen an Wert verliert, so dass es sich nicht lohnt, Geld zu horten. Die Utopie Gesells war – so ist in seinem Hauptwerk mit dem Titel „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ nachzulesen – ein ungehemmter „Manchesterkapitalismus“, in dem Frauen als Gebärmaschinen und reiche Männer als Samenspender fungieren sollten. Frauen sollten sich in einer Art seriellen Monogamie mit wirtschaftlich erfolgreichen Männern paaren, deren ökonomischen Erfolg er als Ausweis hervorragenden biologischen Erbguts deutete – und mit diesen möglichst viele Kinder zeugen. Die von ihm als minderwertig angesehenen Menschen würden verschmäht, ihr Erbgut im Lauf der Zeit ausgemerzt und dadurch eine „Hochzucht der Menschheit“ erreicht werden. Gesell pflegte also eine rassenhygienische und sozialdarwinistische, frauenfeindliche und antidemokratische Horrorutopie.

Zusammenfassend hat der Berliner Politik-Professor Elmar Altvater seine Lehre folgendermaßen charakterisiert: „Die Gesellsche Lehre von der ‚natürlichen Wirtschaftsordnung’ hat sich in der Geschichte als anschlussfähig für nationalsozialistisches und antisemitisches Denken erwiesen. Freilich haben der extreme Individualismus, die Vergötzung von natürlicher Auslese, Wettbewerb und Marktwirtschaft dazu beigetragen, dass sich Gesellianer nach dem Zweiten Weltkrieg zum Neoliberalismus bekannten.“ Es ist in Zeiten der neoliberalen Krise deshalb besonders wichtig sich mit der Lehre Gesells auseinanderzusetzen und auf ihre Gefährlichkeit hinzuweisen.

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