Dokumentation UmCARE

Strategiekonferenz Pflege und Gesundheit

Information

Zeit

16.10.2015 - 18.10.2015

Veranstalter

Hannah Schurian,

Mit

Alexis Benos, Gisela Notz, Dörthe Krohn, Susanne Hallermann, Katja Kipping, Sarah Schilliger, Nadja Rakowitz, Katharina Schwabedissen, Erica Smiley, Harald Weinberg, Pia Zimmermann u.v.a.

Themenbereiche

Ungleichheit / Soziale Kämpfe, Geschlechterverhältnisse, Soziale Bewegungen / Organisierung, Arbeit / Gewerkschaften

Zugehörige Dateien

Rund 400 TeilnehmerInnen kamen vom 15. bis zum 18. Oktober zusammen, um nach gemeinsamen Strategien für Gesundheitsarbeit, Pflege und Assistenz zu suchen – in rund 30 Workshops, Arbeitstreffen und Podien sowie bei einer öffentlichen Aktion auf dem Alexanderplatz.

Veranstaltet wurde die Konferenz von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und dem Netzwerk Care Revolution. Zum Vorbereitungs- und UnterstützerInnenkreis zählte eine Vielzahl von Initiativen und Einzelorganisationen sowie Aktive aus Gewerkschaften, Verbänden, Selbsthilfeorganisationen und sozialen Bewegungen.

Barbara Fried aus der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mit-Organisatorin der Konferenz, betonte: «Wir freuen uns sehr über die vielen TeilnehmerInnen, die selbst in den aktuellen Auseinandersetzungen um Pflege und Gesundheit aktiv sind. In den Workshops gab es Gelegenheit für sie, sich innerhalb der einzelnen Tätigkeitsfelder und Bereiche, aber auch darüber hinaus auszutauschen und zu vernetzen. Dabei ist deutlich geworden: es gibt keine Standardstrategie, sondern jeweils spezifische Herausforderungen in den Feldern, an denen wir im nächsten Schritt weiterdiskutieren müssen. Um gesellschaftlich wirkmächtig zu werden, müssen wir die unterschiedlichen Initiativen allerdings auch praktisch verbinden.»

Wie erfolgreich organisieren?

Zentrale Fragen, die sich durch die Konferenz zogen, waren: Wie können sich Beschäftigte auch unter prekären Bedingungen, etwa in der ambulanten oder häuslichen Pflege erfolgreich organisieren? Wie können die neuen betrieblichen Arbeitskämpfe in der Pflege- und Gesundheitsarbeit verbreitert werden – wie sehen (Bündnis-)Strategien aus, um diese Kämpfe auch als gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzungen zu führen? Was braucht eine öffentliche Infrastruktur, die Beschäftigten, Angehörigen und Menschen mit Pflege- und Assistenzbedarf gleichermaßen gerecht wird?

Immer wieder wurde diskutiert, wie die vermeintliche Privatheit und Privatisierung von (unbezahlter) Care-Arbeit überwunden werden kann. Gerade pflegende Angehörige und Menschen mit Pflegebedarf forderten in den Workshops nicht nur (materielle) Anerkennung, sondern das Recht, konkret über ihre Belange mit zu entscheiden. Wie hier politische (Bündnis-)strategien und Druckpotentiale aussehen können, so Fried, ist eine drängende Frage und Herausforderung an die gesellschaftliche Linke.

Care-Arbeit aufwerten - für eine bedürfnisgerechte Infrastruktur

Dass der gemeinsame Fluchtpunkt der Konferenz – eine bedürfnisgerechte, demokratische und solidarisch finanzierte öffentliche Infrastruktur – den Nerv der Zeit trifft, betonte Katja Kipping, Vorsitzende der Partei DIE LINKE, auf dem Auftaktpodium: «Gerade die skandalösen Mängel in der Versorgung der Geflüchteten zeigen die Defizite in der öffentlichen Daseinsvorsorge. Es wird ein Wettbewerb um knappe Ressourcen inszeniert – anstatt gute Bedingungen für alle zu schaffen. Wir brauchen eine Umverteilung von gesellschaftlichem Reichtum und einen radikalen Perspektivwechsel – ohne (Care-) Revolution wird es also leider nicht gehen.»

Am Samstagnachmittag traten die TeilnehmerInnen der Konferenz gemeinsam in Aktion. Auf dem Alexanderplatz knüpften sie ein symbolisches Netz, drückten in kämpferischen Redebeiträgen und selbstgebastelten Schildern ihre Wut über den alltäglichen Zeit- und Gelddruck im Gesundheits- und Pflegebereich aus – und sammelten in einer Befragung auch Statements von PassantInnen ein. So wurde ein kleiner Beitrag dazu geleistet, Care-Arbeit sichtbar zu machen.

Kinderzeitung auf der Konferenz
Auch KinderreporterInnen waren auf der Konferenz unterwegs und haben mit Unterstützung von Kids-Courage eine Zeitung erstellt.

Publikation zur Konferenz
Um-Care
Gesundheit und Pflege neu organisieren. Materialien 13/2015

Flickr-Album mit Fotos

UmCare

Strategiekonferenz Pflege und Gesundheit. Berlin, 16. bis 18.10.

PreCAREty überwinden: Gute Daseinsvorsorge für alle!

Mitwirkende

Werner Hesse, Erica Smiley,
Details
Begrüßung und Auftaktpodium der UmCARE. Katja Kipping, Werner Hesse und Erica Smiley sprechen über die Krise der Daseinsvorsorge im Kontext sozialer Ungleichheit und neoliberaler Entsicherung.

Austerität. Macht. Krank

Details
Mit Alexis Benos (Solidarische Klinik & Universität Thessaloniki, Griechenland), Luis Daniel Martin (Marea Blanca, Spanien), Sofie Blanke (Médecine pour le Peuple, Workers' Party of Belgium – PTB, Belgien) und Nadja Rakowitz (VDÄÄ – Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte und express).

Pflege und Gesundheit organisieren – für das Gemeinsame kämpfen

Details
Abschlusspodium der Konferenz: Sarah Schilliger, Cornelia Möhring und Kalle Kunkel diskutieren gemeinsame Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten.

Pressestimmen

  • Nach der Care-Revolution
    Prager frühling sprach mit Barbara Fried und Hannah Schurian über die Konferenz «UmCare», Widersprüche im Kapitalismus, Daseinsvorsorge- und Flüchtlingspolitik und linke Strategien für ein populares Projekt in Zeiten der Care-Krise.
  • «Es ist uns keine Ehre» 
    Konferenz kritisiert Freiwilligenarbeit als Lückenbüßer beim Abbau des Sozialstaates (Ulrike Henning im nd vom 19.10.2015)
  • Der Weg der Charité 
    Auf der »UmCare«-Konferenz wurde diskutiert, wie sich Verbesserungen in der Pflegebranche erreichen lassen. Die häufigste Antwort: Durch mehr Streiks (Johannes Supe in junge Welt vom 20.10.2015)
  • Versorgung solidarisch gestalten - Care-Arbeit radikal aufwerten!
    Die dreitägige Strategiekonferenz “UmCare“ in Berlin suchte nach konkreten Schritten in eine andere Pflege- und Gesundheitsversorgung (Sonja Kemnitz am 21.10.2015 für DIE LINKE. im Bundestag)
  • Für einen grundlegenden Perspektivwechsel: UmCARE! 
    Pflege und Gesundheitsversorgung sind vom neoliberalen Umbau des Sozialstaates massiv betroffen. Auf einer Konferenz in Berlin wollen sich Betroffene austauschen und sich gegen die Prekarisierung von Lebens- und Arbeitsbedingungen organisieren: Die Care-Revolution geht weiter. (Barbara Fried und Hannah Schurian im nd vom 14.10.2015)
  • «Wir wollen die Patienten ermächtigen»
    In Belgien ist der Arztbesuch für viele zu teuer. Eine Initiative der dortigen Arbeiterpartei behandelt sie kostenlos. Ein Gespräch mit Sofie Blancke. (Johannes Supe in junge Welt vom 15.10.2015)
  • Care for the Revolution 
    Die Organisatorinnen der Konferenz »Für neue Strategien in Gesundheit und Pflege« fordern, die prekären Verhältnisse im Pflegesektor zu verändern. (Milan Ziebula in Jungle World vom 1.10.2015)
  • Vereinzelt und prekär
    Rosa-Luxemburg-Stiftung lädt zur Strategiekonferenz über Gesundheit und Pflege (Ulrike Henning im nd vom 16.10.2015)
  • Radikale Reform der Krankenhausfinanzierung
    (Nadja Rakowitz am 06.10.2015 für DIE LINKE. im Bundestag)
  • Konferenz «UmCARE» - Für neue Strategien in Gesundheit und Pflege
    Pia Zimmermann, pflegepolitische Sprecherin und Harald Weinberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag im Interview. (Harald Weinberg am 10.09.2015 für DIE LINKE. im Bundestag)
  • Einstieg in den Ausstieg aus dem ökonomisierten Gesundheitswesen
    Über den Charakter und die Ziele der Konferenz sprach Ulrike Hempel mit den Mitorganisatorinnen Barbara Fried und Hannah Schurian von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

 

Statements von Unterstützer*innen

Warum brauchen wir eine UmCARE?

«Ich engagiere mich in der Vorbereitung der Konferenz, weil ich möchte, dass die Themen von Eltern, die ein behindertes Kind pflegen, gehört werden: u.a. zermürbendes Behörden-Hopping, zwangsweise Hartz IV, schlechte Altersvorsorge, Dauerbelastung, fehlende Anerkennung und Hilfen. Ich liebe meine Kinder und tue fast alles für sie, aber die Alltagsorganisation von Erwerbsjob und Pflegearbeit fiele mir deutlich leichter, wenn ich die Unterstützung bekäme, die ich brauche - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Zu einem guten Leben gehört für mich neben bezahlbarem, barrierefreiem Wohnraum auch mobil sein zu können. Am Leben teilhaben heißt raus gehen, unter Menschen sein, Bildung, Kultur, Sport, Natur genießen. Wie anders soll ‹Inklusion› möglich sein?! Öffentliche Verkehrsmittel und Fahrdienste sind nicht immer nutzbar. Gegenwärtig müssen überwiegend Stiftungen und private Förder_innen einspringen, wenn eine Familie ein in der Regel sehr teures, behindertengerecht umgebautes Auto benötigt.» Dörthe Krohn vom Verein Mobil mit Behinderung e.V.

«Ich erhoffe mir von der Konferenz eine Fortsetzung und Intensivierung des bundesweiten Austausches der Pflegegruppen. Weil im Wort Strategie etwas Kraftvolles und Zukunftweisendes steckt und wir von ‹Pflege am Boden› daran glauben, dass sich Veränderungen für eine bessere Pflege nur gemeinsam erreichen lassen. Denn trotz unterschiedlicher Wege und Sichtweisen geht es hier um gemeinsame Ziele! Ich bin sicher, nach der Konferenz fahren einige TeilnehmerInnen mit Denkanstößen und neuen Sichtweisen zurück nach Hause und machen motiviert weiter!»
Roger Konrad, aktiv bei Pflege am Boden

«Ich fahre zur Konferenz, weil ich beim erfolgreichen Tarifkampf im Assistenzbetrieb CeBeeF e.V. Frankfurt (seit Mai 2015 100% Tariflohn) erlebt habe, wie wichtig die vielfältige Unterstützung von Kolleg*innen anderen Betrieben ist, um nicht den Mut zu verlieren. Der Austausch mit anderen Arbeitnehmer*innen, die sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen einsetzen ist aus meiner Sicht der erste Schritt zu einer UmCare. Ich erhoffe mir spannende Diskussionen und Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Strategie der Aktiven im Bereich der Pflege und Assistenz» (Sandra Auth, Mitglied der Tarifkommission im CeBeeF e.V., Frankfurt)

«So wie die Interessen berufstätiger Menschen von Gewerkschaften wahrgenommen werden, benötigen auch Menschen, die unbezahlte Pflege verrichten, eine effektive Interessenvertretung, um Wertschätzung, Rechte und soziale und finanzielle Absicherung zu erreichen. UmCare kann zu dieser Diskussion einen wichtigen Beitrag leisten.»
Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied von wir pflegen e.V.
 
«Ein kritischer Blick auf Gesundheit, Pflege und das Gesundheitssystem im Ganzen ist mehr als notwendig! Die Entwicklung von konkreten Alternativen ist dabei zentral. Wir begrüßen, dass der Kongress UmCare hierfür einen Rahmen bietet!»
Kirsten Schubert, Ärztin, Vorstandsmitglied des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte - vdää

«Es geht mir darum, dass die Bedürfnisse der Menschen im Vordergrund stehen sollten, nicht der Profit um jeden Preis – nicht nur in der Psychiatrie. Und es geht mir darum, dass die, die Sorge für andere Menschen tragen, mehr wertgeschätzt und im beruflichen Bereich besser bezahlt werden. Die Konferenz soll möglichst viele Menschen, die mit den schlimmen Bedingungen im Care Bereich nicht einverstanden sind, zusammenbringen, damit wir uns gemeinsam wehren können.»
Dagmar Paternoga, aktiv in attac und Bündnis gegen PEPP

«Pflegende Angehörige sind ein elementarer Teil des Pflegesystems in Deutschland - als Gruppe stellen Sie den ‹größten Pflegedienst› des Landes. Darum ist es enorm wichtig, sie bei allen Bemühungen um ein anderes, besseres Pflegesystem von vornherein mitzudenken. Ein verlässliches Pflegewesen ist nur gemeinsam, unter Beteiligung aller wichtigen Gruppen, zu stemmen – vor allem durch eine bessere Verzahnung und gegenseitige Unterstützung von beruflicher und familiärer Pflege. Deshalb unterstützt die Fachstelle für pflegende Angehörige in Berlin aktiv die Konferenz UmCare.»
Frank Schuhmann von der Fachstelle pflegende Angehörige in Berlin

«Ich pflege seit zwanzig Jahren innerhalb meiner Familie. Dadurch musste ich meinen Beruf im Gesundheitswesen aufgeben und bin ungewollt in Hartz IV gelandet. Die Verarmung, die desolate soziale Absicherung und gesellschaftliche Isolierung sind diskriminierend für viele pflegende Angehörige. Es ist wichtig, dass Betroffene zu Wort kommen, sich für Verbesserungen einsetzen und ihre Interessen vertreten – wie etwa in der bundesweiten Interessenvertretung für pflegende Angehörige (wir pflegen e.V.), von der unsere Initiative ausgeht. Ich selbst bin in einer Situation wie Tausende andere, vor allem Frauen, die trotz großer Pflegeleistung in Armut und Isolation landen und habe Ihre Erfahrungen und Forderungen ‹im Rucksack›. Die UmCare-Konferenz gibt uns ein Forum dieses immer noch tabuisierte Thema in die Öffentlichkeit zu bringen und uns noch weiter zu vernetzen.»
Susanne Hallermann von der Initiative gegen Armut durch Pflege

«Für eine Vergesellschaftung der Gesundheitsversorgung, die sich am Bedarf und den Bedürfnissen der Menschen orientiert! Mit dieser Perspektive unterstützen wir die Kämpfe der Pflegekräfte für mehr Personal, etwa an der Charité in Berlin. Die Forderung nach einer Personalquote ist ein erster Schritt gegen die Profitlogik im Krankenhaus. Sie schafft mehr Zeit und Ressourcen für die Arbeit der Pflegenden und ist damit auch gut für die Genesungsbedingungen der Patient_innen.» 
Statement der IL Berlin Gesundheits-AG