Dokumentation Influencing against the System?

Linker Medienaktivismus im Plattformkapitalismus

Information

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Straße der Pariser Kommune 8A
10243 Berlin

Zeit

13.05.2022 - 15.05.2022

Veranstalter

Henning Obens,

Themenbereiche

Digitaler Wandel, Influencer, Digitalisierung und Demokratie

Özge şımözge, Paula Irmschler, Sebastian Hotz (El Hotzo) , Thomas Ebermann, Berena Yogarajah und Ferat Kocak waren einige der Referent*innen bei der Konferenz.

Die digitale Kommunikation hat den Modus des Politischen gravierend verändert. Neben den etablierten Medien mit ihrer Informationsmacht sind längst vielfältige weitere digitale Öffentlichkeiten entstanden. In den letzten Jahren wurde viel über rechte Echokammern und die Bedeutung von Fake News und Meinungsmanipulation gesprochen. Tatsächlich hat diese rechte Öffentlichkeit den gesellschaftlichen Diskurs verschoben, aber auch eine zunehmende Bereitschaft zu Widerspruch und Positionierung erzeugt. Ein Teil der Linken verfolgt die Entwicklung dieser gesellschaftlichen Polarisierung aus dem Zuschauer*innenraum, ein anderer wird aktiv und durch rechte Shitstorms mit der digitalen Gewalt der Medien der Neuen Rechten konfrontiert.

Wirksame digitale Kommunikationsstrategien auf derzeit angesagten sozialen Plattformen sind in ihrer Bedeutung für soziale Bewegungen und Wahlkämpfe zentrale Mittel geworden. Doch wie kann die Linke hier wirksamer werden und auch im digitalen Raum die Vision/Ansätze/Ideen einer solidarischen Gesellschaft verwirklichen/entwickeln? Wie kann die Meinungsbildung auch auf den neueren Plattformen wie TikTok und mit Messengerkommunikation gestaltet werden? Wo begibt sich die Linke in eine zu starke Abhängigkeit von den Big Tech Firmen und welche Alternativen gibt es?

Auf der Konferenz wollen wir die veränderten Arenen der digitalen Öffentlichkeit diskutieren und analysieren. Wir wollen das Potential von Spielarten politischer Kritik, wie etwa Humor als Subversion diskutieren und Wege aus der linken Bubble heraus erkunden. Wie lässt sich auf Shitstorm-Wellen surfen und welche neuen Praxen der Solidarität sich eröffnen. Welche Rolle spielen linke Podcasts als Medium zur Information und Organisierung? Viele Fragen, auf die wir im Rahmen der Konferenz gemeinsame Antworten suchen wollen.

Influencing Against The System

Alle Livestreams der Influencer-Konferenz

Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit?

Wie hat sich der Modus des Politischen durch die digitale Kommunikation verändert und wie kann die Linke kommunikativ aufholen?

- Wolfgang M. Schmitt (YouTuber, Autor «Influencer: Die Ideologie der Werbekörper»)
- Anne Roth (Referentin für Netzpolitik, Bundestagsfraktion DIE LINKE)
- Tanja Maier (Medienforscherin, Autorin, Dozentin. Verfasserin der Studie «Visueller Aktivismus mit Instagram»)

WarTok – Krieg im Selfiemodus

Die Videos von russischen Panzern, die von ukrainischen Traktorfahrern abgeschleppt werden sind bereits jetzt prägend für den Krieg in der Ukraine. Handyvideos von Kriegssituationen und Bilder von Kriegsverbrechen kommen über TikTok in Windeseile um den Globus. Die berühmt-berüchtigten russischen «Kreml-Bots» sind zig-tausendfach auf YouTube, Facebook und Instagram gesperrt worden, bemühen sich aber auch eine propagandistische Sichtweise des Angriffskriegs auf die Ukraine zu verbreiten. Die Aufrufe der mit #Ukraine getaggten Videos ist auf ca. 1,3 Milliarden pro Tag gestiegen. TikTok ist einer der bedeutendsten Orte für die Verbreitung dieser Videos, die Distanz zum Geschehen wird hier aufgehoben und vermittelt vermeintlich authentische Emotionen. Doch welche Probleme entstehen durch die Vermittlung? Wie wird TikTok für Propaganda genutzt? Welche kritischen Potentiale bestehen für eine Anti-Kriegsbewegung?

Marcus Bösch veröffentlicht den wöchentlichen Newsletter «Understanding TikTok», ist Journalist arbeitet an der HAW Hamburg.

Wie kommt die Linke aus ihrer Bubble?

Die Algorithmen der Plattformen mögen Emotionen, Polarisierungen und plakative Memes. Die politische Linke vermag es selten, ihre Ideen pointiert zuzuspitzen und verliert häufig an digitalem Boden. Sich exponierende Linke – besonders Frauen – werden auf den Plattformen mit Gewaltandrohungen versucht zum Schweigen zu bringen. Wie kann das Verhältnis von «digitalen Safespaces» und «Kritik im Handgemenge» (Karl Marx) im digitalen Raum aussehen? Was können wir Linke tun, um unsere Ideen wirksam zu verbreiten und wie können wir uns dabei besser gegenseitig unterstützen?

- Amina Aziz (Journalistin und Autorin) 
- Julia Schramm (DIE LINKE, Netzaktivistin und Autorin) 
- Ferat Kocak (DIE LINKE, MdA, Netzaktivist)
- Rayk Anders (Journalist und YouTuber)
- Berena Yogarajah (Moderation)

Humor und politische Kritik

Humor ruht oft in der Veranlagung von Menschen, die kalt bleiben, wo die Masse tobt, und die dort erregt sind, wo die meisten «nichts dabei finden» schreibt Tucholsky. Humor und Satire waren Seufzer der Unterdrückten und manchmal auch Werkzeug der Befreiung. Auch digital findet die verbliebende sichtbare Gesellschaftskritik heute häufig mittels Humor statt. Einige beklagen, die Linke habe das Lachen verlernt und würde sich in formaler Korrektheit einigeln. Was bleibt also von subversivem Humor und satirischer Gesellschaftskritik? 

- Thomas Ebermann (Autor, Satiriker)
- Özge şımözge (Autorin, Streamerin)
- Sebastian Hotz (El Hotzo) (Autor)
- Paula Irmschler (Autorin, Redaktion Titanic)