Nachricht | Sichtbare Zeichen. Die neue deutsche Geschichtspolitik - von der Tätergeschichte zur Opfererinnerung. Köln 2009

Eine Kurzbesprechung des Bandes

Jan Korte, Gerd Wiegel (Hg): Sichtbare Zeichen. Die neue deutsche Geschichtspolitik - von der Tätergeschichte zur Opfererinnerung. PapyRossa, Köln 2009. 170 Seiten, 12,90 EUR

hat externer Link in neuem Fenster folgtak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 547 / 19.2.2010 veröffentlicht.


Deutsche Geschichtspolitik
Um die Vergangenheit für das "nationale Selbstbewusstsein" nutzbar zu
machen, bedarf es Bearbeitungsformen, Gedenkrahmen, Erinnerungsorte
oder: sichtbarer Zeichen. Jan Korte und Gerd Wiegel, Herausgeber eines
Sammelbandes zu "neuer deutscher Geschichtspolitik", sehen im
dazugehörigen Diskurs zwei Tendenzen: zum einen die verstärkte Wendung
weg von deutscher Tätergeschichte hin zu deutscher Opfererinnerung, zum
anderen die totalitarismustheorethische Parallelisierung von
Nationalsozialismus und Realsozialismus. Die verschiedenen Beiträge
folgen dieser Einschätzung, so dass sich ein roter Faden durch den Band
zieht. Mit der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wird nicht nur
das Leid der Deutschen ins kollektive Gedächtnis zurückgeholt, sondern
zugleich eine positive Identifikation mit der eigenen Nationalgeschichte
ermöglicht. In diesem Sinne versucht auch das Gedenkstättenkonzept des
Bundes den Weg hin zu einem Geschichtsbild zu ebnen, in dem das heutige
Deutschland als Happy End erscheint. Folgerichtig wird diesem Happy End
ein Einheits- und Freiheitsdenkmal gewidmet. Verteidiger dieser
kostbaren Freiheit sind nicht zuletzt deutsche Soldaten, denen (als
Investition in die Zukunft) ein Ehrenmal gesetzt wird. "Sichtbare
Zeichen" setzt sich mit diesen und weiteren Aspekten deutscher
Geschichtspolitik kritisch auseinander und gibt einen kurzen aber
fundierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen deutscher
Geschichtspolitik.