Nachricht | Theodor Bergmann-Lectures 2024

Sozialismus als Alternative: Ökologischer und demokratischer Sozialismus als Leitbild gegen Rechts

Nach der Diskussion über «Zeitenwende wohin» im letzten Jahr soll 2024 demokratischer Sozialismus als Leitbild linker Politik diskutiert werden. Die Kritik an Aufrüstung und Umweltzerstörung, autoritärer Formierung und Klassenspaltung der Gesellschaft wird nur mit einem solchen Leitbild in Transformation münden können. Doch wie kann es gelingen, Sozialismus als demokratisch-nachhaltigen wieder zu beleben, fragt Klaus Dörre in seinem Buch «Die Utopie des Sozialismus». Einer Antwort wollen wir uns bei dieser Tagung nähern.

An die Vorträge schließt sich jeweils eine Rückfrage- und Diskussionsrunde an.

09:30 Uhr | Einlass - Kaffee & Brezeln

10:00 Uhr | Begrüßung und Einführung - Renate Angstmann-Koch, Erhard Korn (Rosa-Luxemburg-Stiftung BW)

10:15 Uhr | Blockierte Transformation, autoritäre Formierung und linke Alternativen - Richard Detje (Sozialwissenschaftler, Redakteur Zeitschrift «Sozialismus», Vorstandsmitglied der RLS)
Die gesellschaftliche Entwicklung scheint derzeit auf autoritäre Kipppunkte hinzusteuern. Das grün-kapitalistische Modernisierungsprojekt als dominante Antwort auf die Krisen wird durch Austeritätspolitik blockiert. Autoritär-populistische Kampagnen verschieben das politische Kräfteverhältnis nach rechts. Große Teile der Bevölkerung fühlen sich durch die Ampel-Regierung nicht mehr vertreten und sehen bei den Parteien keine Lösungen für die gesellschaftlichen Krisen und Verwerfungen. Für die gesellschaftliche Linke stellt sich die Frage: an welchem Punkt gesellschaftlicher Entwicklung stehen wir? Droht eine dauerhafte politische Krise, ein autoritäre Transformation oder mittelfristig gar eine Dynamik der Faschisierung? Welche Gegen-Strategien braucht es, um die gesellschaftlichen Ursachen autoritärer Entwicklungen anzugehen?

11:15 Uhr | Demokratischer Sozialismus als Perspektive - Dieter Klein (Gesellschaftswissenschaftler, Autor «Das Morgen tanzt im Heute. Transformation im Kapitalismus und über ihn hinaus»; Fellow bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ehemaliges Vorstandsmitglied)
Dieter Klein versucht angesichts der Krisen des Kapitalismus Leitideen einer modernen linken Erzählung zu entwickeln. Er hebt das Verbindende in den verschiedenen Konzeptionen für eine solidarische und demokratische Gesellschaft hervor, die in strategischen Diskursen und implizit in vielen sozialen Bewegungen vertreten werden, auch in den breiten Protesten gegen Rechts.
Ein demokratischer grüner Sozialismus wird im Prozess «doppelter Transformation» im Kapitalismus und über ihn hinaus erwachsen - aus der Selbstermächtigung der Bürgerinnen und Bürger in vielen konkreten Projekten des sozial-ökologischen Umbaus im Rahmen eines zusammenführenden linken Narrativs.

12:30 Uhr | Mittagspause - Essen

13:30 Uhr | Ökosozialismus statt Barbarei - Klaus Dörre (Professor für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie in Jena)
Gegenwärtig sind glaubwürdige Alternativen zur sozial-ökologischen Zangenkrise kaum erkennbar. Klaus Dörre plädiert für die Neuformulierung einer «Utopie des Sozialismus als Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution», für eine Überwindung von «Apokalypse-Blindheit» durch die Entwicklung von z.B. gewerkschaftlicher Handlungsfähigkeit.

15:00 Uhr | Kaffeepause

15:30 Uhr | Im Gespräch mit den Teilnehmenden über Einstiegsprojekte für die Wiedergewinnung sozialistischer Handlungsfähigkeit
PROJEKT I: «Kämpfe um Zeit» mit Philipp Frey (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe)
Angesichts von Vielfachkrise und Abwehrkämpfen mangelt es der Linken an Hoffnungsstiftendem – dabei gäbe es breite Zustimmung für eine Arbeitszeitverkürzung und konkrete Praxisbeispiele, von denen sich lernen ließe.

PROJEKT II: «Kämpfe für leistbares und anderes Wohnen» mit Julia Hartmann und Axel Burkhardt (Beauftragte für Wohnraum und barrierefreies Bauen der Universitätsstadt Tübingen) sowie Vertreter:in der Mieterinitiativen Stuttgart
Welche konkreten Ansätze gibt es, um leistbares Wohnen, aber auch andere Wohn- und Lebensformen zu ermöglichen?
Welche Möglichkeiten gibt es, sich Formen des Zusammenwohnens und -lebens zu erschließen jenseits marktlicher (und staatlich-bürokratischer) Logiken? Wie können solidarische Wohnformen zu einer inklusiven Wohnungspolitik für Geflüchtete und bereits länger Ansäßiger führen, um der von rechts betriebenen Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken. 

Organisatorisches

Die Zahl der Teilnehmenden ist aus Platzgründen beschränkt. Daher bitten wir um verbindliche Anmeldung unter bawue@rosalux.org oder unter obigem Anmeldelink. Für Getränke, Snacks und Mittagessen bitten wir um eine Kostenbeteiligung in Höhe von 10 Euro.
Anfahrt mit ÖPNV: von Stuttgart Hbf mit U9 bis Schwab-/Bebelstraße.

Die Theodor Bergmann Lectures
Mit den jährlichen «Theodor Bergmann-Lectures» erinnern wir an unseren im Juni 2017 in Stuttgart verstorbenen Genossen und Wissenschaftler und unseren Ehrenvorsitzenden Theodor Bergmann. In diesem Jahr wollen wir auch an unsere im Dezember 2023 verstorbene Freundin, Ratgeberin und Gewerkschafterin Sybille Stamm erinnern. Die Lectures richten sich an einen Personenkreis, der an vertiefter Diskussion linker Zukunftsperspektiven interessiert ist, insbesondere an all jene Menschen, die frisch in linken Zusammenhängen aktiv geworden sind, in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, aber auch in Parteistrukturen und Vorständen.

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