Nachricht | Federici: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation, Wien 2012

Das Buch über die Zusammenhänge von ursprünglicher Akkumulation und der Kriminalisierung und Naturalisierung des „weiblichen Körpers“ stellt einen zentralen Beitrag zur materialistisch-feministischen Geschichtsschreibung dar.

Mariana Schütt rezensiert für www.kritisch-lesen.de

Silvia Federici:Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation (Mandelbaum Verlag, Wien 2012, ISBN: 978385476-615-5, 316 Seiten. 24,90 EUR.

Sie schreibt: "Silvia Federicis Buch „Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation“ gehört für mich zu jenen Büchern, welche sich tief in mein Gewebe einschreiben, mich an sich binden und nicht mehr loslassen. Es ist ein Buch, das die Jahrhunderte der Disziplinierung, der Zurichtung und der Vernichtung von Frauen nachzeichnet und diese in den Kontext kapitalistischer Vergesellschaftung stellt. Der Titel des Buches verweist auf William Shakespeare Theaterstück „Der Sturm“, in dem der Kolonisator Prospero auf den rebellischen Native Caliban trifft. Caliban verbündet sich mit zwei europäischen Proletariern gegen Prospero. Der Aufstand scheitert jedoch. Nichtsdestotrotz steht die Figur des Calibans für den Widerstand der amerikanischen Natives gegen die Kolonisierung und wurde in der Geschichte von südamerikanischen Revolutionären zum Symbol für ihren Kampf. In Federicis Interpretation steht Caliban „jedoch nicht nur für den antikolonialen Rebellen [...] sondern er ist Symbol des Weltproletariats, genauer: des proletarischen Körpers als Terrain und Mittel des Widerstands gegen die Logik des Kapitalismus“ (S. 12). Der proletarische Körper, den es zu erobern und zu disziplinieren galt und gilt. Die Hexe Sycorax, die Mutter Calibans, der Shakespeare nur eine unbedeutende Rolle zuschreibt, steht bei Federici im Mittelpunkt: „Sie verkörpert einen Kosmos weiblicher Subjekte, den der Kapitalismus zerstören musste: die Ketzerin, die Heilerin, die ungehorsame Ehefrau, die Frau, die alleine zu leben wagte, die Obeah-Frau, die die Speisen des Herren vergifte und die SklavInnen zum Aufstand anstifte“ (ebd.). Die Hexe wird somit zum Symbol für den weiblichen Widerstand als Ganzes. Der Titel des Buches verweist somit auf Federicis zentrales Anliegen: eine Neuschreibung der Geschichte der Frauen unter den Vorzeichen der Hexenverfolgungen, die den Übergang zwischen Feudalismus zum Kapitalismus markieren. Dabei begreift sie die „Marxsche Gleichsetzung des Kapitalismus mit dem Aufstieg der Lohnarbeit und des ‚freien' Arbeiters“ (S. 9) als unzureichend und verschiebt den Fokus auf die Sphäre der Reproduktion."

Die vollständige Rezension ist über den folgenden Link einsehbar.