Nachricht | GK Geschichte Eurokommunismus als Teil der historischen Kommunismusforschung

Ein neuer Text von Nikolas R. Dörr in der docupedia Zeitgeschichte

Die Geburtsstunde des Begriffs „Eurokommunismus” lässt sich auf das Jahr 1975 datieren. In jenem Jahr publizierte der jugoslawische Journalist Frane Barbieri am 26. Juni einen Artikel für die Mailänder Tageszeitung „Il Giornale Nuovo” mit dem Titel „Le scadenze di Breznev” („Breschnews Fälligkeiten”). In diesem Beitrag bezeichnete Barbieri die moskaukritischen Reformansätze einiger westeuropäischer kommunistischer Parteien als „Eurokommunismus”.[1] Der Begriff brachte zwar zahlreiche definitorische Probleme mit sich,[2] erlebte jedoch eine rasante Entwicklung. Innerhalb weniger Monate etablierte er sich nicht nur als Oberbegriff für Reformansätze kommunistischer Parteien in westlichen Staaten. „Eurokommunismus” wurde vielmehr zu einem hochpolitisierten Kampfbegriff, der auf der einen Seite Ängste vor einem kommunistischen Täuschungsmanöver evozierte, auf der anderen Seite in der Post-68er-Phase Hoffnungen auf einen demokratisierten Kommunismus weckte.[3]
Die Faszination für das Thema hielt sich zwar nur wenige Jahre, führte in dieser Zeit jedoch zu einer massenhaften Auseinandersetzung mit dem Eurokommunismus in Wissenschaft, Politik und Medien. Selbst Teilaspekte der Thematik wurden aufgegriffen und diskutiert.[4] Insbesondere in den Jahren 1976 bis 1979, als mit der Abhängigkeit der italienischen Regierung vom Stimmverhalten der Kommunistischen Partei die Publikationswelle zum Thema ihren Höhepunkt erreichte, kam kaum eine überregionale Zeitung eine Woche ohne Berichte über die neuesten Entwicklungen der eurokommunistischen Parteien aus. Selbst Bücher wie der von Heinz Timmermann 1978 herausgegebene Interviewband „Eurokommunismus – Fakten, Analysen, Interviews” erreichten eine für wissenschaftliche Publikationen selten erreichte Massenauflage von knapp 20.000 verkauften Exemplaren.[5]

Der komplette Artikel ist über Link ganz unten erreichbar.

Nikolas R. Dörr, Assoziierter Doktorand an der Abteilung I, Kommunismus und Gesellschaft, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

Seine Homepage: http://www.zzf-pdm.de/site/621/default.aspx