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Die Offensive der Anti-IS-Kräfte auf Raqqa ist seit dem 20. Mai in Gange.

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Al-Wadi Street - Ar Raqqa, 2012 (Foto: Beshr Abdulhadi, Flickr, CC BY 2.0)

 

Der sogenannte «Islamische Staat» (IS), der durch zahlreiche Offensiven in Syrien und Irak große Gebiete erobern konnte, hat seit der Niederlage in Kobane im Herbst 2014 den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Seitdem wurde der IS inbesondere durch kurdische Kräfte an vielen Fronten zurückgedrängt und hat große Gebiete verloren. Insbesondere die Befreiung des Sindschar-Gebirges im Irak hat diese Entwicklung sichtbar gemacht.

Diese militärischen Erfolge ermutigten die kurdischen Kräfte in Syrien darin, von der Abwehr der IS-Angriffe zu eigenen Offensiven gegen den IS überzugehen. Es folgte eine Reihe von kleineren Offensiven in Nordsyrien, bei der Teile von Rojava, die zwischenzeitlich unter IS-Kontrolle standen, befreit wurden. Aber die IS-Angriffe hörten nicht auf und eine Koexistenz zwischen dem IS und Rojava in Syrien ist nicht denkbar. Daraus ergaben sich Planungen für eine größere Offensive auf Raqqa, der de facto IS-Hauptstadt in Syrien. Die Gründung der «Syrischen Demokratischen Kräfte» (SDF), einer Allianz zwischen den kurdischen Milizen YPG und YPJ und syrisch-arabischen Kräften, diente ebenfalls dazu, diese Offensive zu ermöglichen. Ebenso wie die militärische Kooperation zwischen SDF und der US-geführten Anti-IS-Koalition, die ein entscheidender Faktor für den militärischen Erfolg sein dürfte.

Die Offensive auf Raqqa begann am 20. Mai 2016 und nach einer Reihe von kleineren militärischen Siegen verlangsamte sich die weitere Entwicklung. Die Bedeutung von Raqqa und die symbolische Wirkung dessen, falls der IS Raqqa verlieren würde, ist der Führung des «Islamischen Staats» bewusst. Dementsprechend verteidigt der IS die Region um Raqqa mit allen Kräften. Damit der IS nicht Kräfte aus Nordsyrien nach Raqqa mobilisieren kann und die Verbindung zur Außenwelt über das Transitland Türkei für den IS wegfällt, begann die SDF eine zweite Offensive, diesmal um die Stadt Manbij in Nordsyrien. Die SDF hat mit Unterstützung der Anti-IS-Koalition die Gebiete um die Stadt erobert und Manbij umzingelt. Die Offensiven sind für beide Seiten sehr verlustreich, aber militärisch scheint die SDF erfolgreich zu sein. Die entscheidende Frage dürfte indes sein, ob sich ein militärischer Erfolg auch in einen politischen Erfolg ummünzen lassen wird. Dabei wird es wichtig sein, wie die SDF von der syrisch-arabischen Bevölkerung in Raqqa, Manbij und den anderen Städten wahrgenommen wird: Als Befreier oder als Besatzer.