Publikation Deutsche / Europäische Geschichte - Wirtschafts- / Sozialpolitik Karl Mai: Rückblick auf die 80er Jahre der DDR-Wirtschaft. Daten, Klarstellungen und Bewertungen.

Diskurs Heft 29. Streitschriften zu Geschichte und Politik des Sozialismus.

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Erschienen

Januar 2008

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Enthält:

  • Vorbemerkung. (S. 5f)
  • 1. Zur DDR-Wirtschaftsdynamik in den 80er Jahren. S. (7-34)
  • 2. Zur Staatsverschuldung der DDR 1989/90. (S. 35-44)
  • 3. Einige historische Besonderheiten der DDR-Geschichte. (S. 45-55)
  • 4. Ein Blick zur BRD vor 1990. (S. 56-58)
  • 5. Fazit und Sichtweisen zur Endlage der DDR-Wirtschaft. (S. 59-68)
  • Anhang. (S. 69-72)
    • Abkürzungsverzeichnis
    • Ausgewählte Literatur
    • Zum Autor.


Vorbemerkung
»Der in Bundesdiensten tätige Historiker Stefan Wolle verkündete noch 1998 in vermeint-licher Klarsicht: ›Das Ende der DDR trug alle Züge eines betrügerischen Bankrotts. Jahrelang hatte man über seine Verhältnisse gelebt, Bilanzen gefälscht, Geldgeber hintergangen, den Scheinwohlstand mit immer neuen Schulden bezahlt‹. ›Über seine Verhältnisse gelebt‹ und ›Scheinwohlstand mit immer neuen Schulden bezahlt‹ erinnern inzwischen an das verteufelte Verschuldungsszenario der Protagonisten eines verschärften ›Sparkurses‹ im gegenwärtigen Deutschland - die Dimension der Staatsverschuldung hat sich jetzt gegenüber der DDR-Endlage in Gesamtdeutschland drastisch erhöht, besonders auch bezüglich des Anteils ausländischer Geldgeber des hoch kreditierten Fiskus der BRD.
Der ›Bankrott der DDR‹ indessen ist fester Bestandteil der in den Medien verbreiteten Version des ›öffentlichen Bewusstseins‹ über das Ende der DDR. Auffälliges Beispiel hierfür bildet die Ausschlachtung des dramatisierten ›Staatsbankrotts der DDR‹ in der Neuauflage des Buches von Uwe Müller ›Supergau Deutsche Einheit‹. Um die DDR wirksamer in sozialpolitischer Sicht zu delegitimieren, wird die öffentliche und die über die Schulbildung vermittelte Sicht auf die ökonomische Lage der DDR extrem ›schwarz gemalt‹ und von ihrem historischen Umfeld und erzwungenen Entwicklungsweg oft isoliert bewertet. So kann man z. B. bei Klaus Schröder ohne Angabe von Fakten abwertend nachlesen, die DDR befand sich ›auf dem Niveau eines europäischen Schwellenlandes, etwa Portugal oder Griechenland‹. Gleichzeitig erfolgt damit eine Art ›Rechtfertigung‹ für die von vielen als gescheitert erkannte Vereinigungsökonomie, die mit dem ökonomischen Rückstand und Zustand der DDR-Wirtschaft kausal verknüpft wird.
Der Mythos des DDR-Staatsbankrotts verstellte auch die Sicht Richard Schröders, der unkritisch anführte, Schürer habe 1989 zugegeben, ›der Westimport des Jahres übersteige den Westexport um 14 Mrd.‹ Bei Dieter Grosser kann man dagegen nachlesen, dass die gesamten DDR-Westimporte 1989 13,9 Mrd. DM erreichten, die Exporte dorthin jedoch 12,9 Mrd. DM betrugen.
Noch bis 1988 war in Westdeutschland die von der dortigen Forschung gestützte Auffassung verbreitet, dass die Wirtschaftsleistung je Einwohner der DDR vor derjenigen von England und Italien rangiere. Tatsächlich rangierte die DDR zuletzt nach England und vor Spanien, wie Siegfried Wenzel schon 1998 richtig stellte. In enger Verbindung mit der Korrektur dieser Bewertung seit der Vereinigung steht auch die Legende von der ›total maroden DDR‹. Nach der Deindustrialisierung durch die Treuhandanstalt (THA) und ihrer nachgelassenen Verschuldung wurde diese Legende von der ›total maroden DDR‹ im öffentlichen Bewusstsein verbreitet. Sie diente schon immer auch dem Ziel, die DDR nachträglich in den Augen der Ostdeutschen herabzusetzen sowie ein ideelles ›Trostpflaster‹ auf die sozialen Wunden der Transformationskrise Ost und der hohen Arbeitslosigkeit in den östlichen Bundesländern zu drücken.
Achtzehn Jahre nach der Vereinigung ist das Bild der DDR rückwirkend aus ökonomischer Sicht im Ost-West-Vergleich zu präzisieren. Die Schwarz-Malerei ist zu relativieren und die Bewertungen sind enger an den nachprüfbaren Fakten zu orientieren. Die nachfolgenden Ausführungen zur ›total maroden DDR‹ und zum ›Staatsbankrott‹ stützen sich insgesamt auf eine Reihe von Angaben und Veröffentlichungen bis in die jüngste Zeit (...).«

Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V., Leipzig, 2008, 72 S.

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