Kunst kann es gelingen, als vereinigende und aufrüttelnde Kraft zu ermutigen und das Bestehende infrage zu stellen. Sie hat die Möglichkeit, radikal und emanzipatorisch zu sein, kraftvoll und erhellend. Ihr Mobilisierungspotenzial steht außer Frage. Das macht sie für jene wichtig, die gesellschaftliche Verhältnisse verändern wollen – hin zu einer besseren Welt. Nicht jede Kunst ist politisch, und nicht jede politische Kunst macht sich mit einer guten Sache gemein. Denn alle bisherigen Herrschaftsordnungen wussten um das Attraktive, Symbolhafte und Verstärkende, das Kunst verkörpern kann. Sich ihrer Kraft und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten zu bedienen, ist kein Privileg linker, fortschrittlicher Kräfte. Umso mehr deren Aufgabe. Denn Kunst ist geschmeidigen Angeboten zur Kollaboration mit Herrschenden genauso ausgesetzt wie Versuchen, sie zu unterdrücken, zu verbieten, zu zensieren, wenn sie der Herrschaft gefährlich wird. Die Fähigkeit der Kunst, Menschen die Augen zu öffnen und zu sehen, zu verstehen und zu handeln, zieht sich durch die Geschichte. Auch dem Kapitalismus ist es nicht gelungen, der Kunst, den Künstlerinnen und Künstlern das Widerständige auszutreiben. Er muss sie fürchten. Und wir brauchen sie.
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