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Publikation : Don't shoot the Messenger!

Telegram als Instrument für linken Aktivismus

Wichtige Fakten

Reihe
Studien
Erschienen
Oktober 2022
Bestellhinweis
Nur online verfügbar
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Details

Keine App wurde im Januar 2021 häufiger heruntergeladen als Telegram. Der Messengerdienst bietet mit seiner Vielfalt und Menge an Funktionen und seinen hohen Sicherheitsstandards nicht nur eine ernst zu nehmende Alternative zu WhatsApp, sondern ist auch eine interessante Schnittstelle zwischen klassischen sozialen Medien wie Instagram oder TikTok und digitalen Kommunikationsmitteln. Über Telegram-Kanäle können dank diverser Tools Protestbewegungen und Demonstrationen koordiniert und bildungspolitische Inhalte sowie aktuelle Nachrichten schnell verbreitet werden. Neben Textnachrichten und verschiedenen Medienformaten können Administrator*innen auch Live-Standorte, Demoticker und Umfragen mit Nutzer*innen teilen. Telegram stellt somit ein wichtiges Werkzeug zur Vernetzung, zum Empowerment und zur politischen Mobilisierung im digitalen Kontext dar. Die App hebt sich aufgrund einer fehlenden algorithmischen Filterung, ihrer Kanal- und ihrer Bot-Funktion sowie einer dezentralen und verschlüsselten Datenspeicherung von anderen sozialen Medien ab.

Hier spielt das Konzept „Dark Social“ eine zentrale Rolle, da es digitale Räume beschreibt, die nicht durch Dritte einsehbar sind. Charakteristisch für diese Räume ist außerdem, dass Nutzer*innen nicht zufällig auf sie stoßen, sondern ein Zugangslink geteilt werden muss. Bisherige Veröffentlichungen zu Telegram gingen vor allem auf die Nutzung solcher geschützten Räume durch rechte Gruppierungen und die damit verbundenen Probleme ein. Was fehlt, ist die Betrachtung von Dark Social als Schutzraum für vulnerable Gruppen und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten für linken Aktivismus.

In dieser Studie wird das Mobilisierungspotenzial linker Kanäle auf Telegram erörtert. Ferner wird untersucht, wie linke Akteur*innen den Messengerdienst für sich nutzen, welche Themen sie ansprechen und auf welche Funktionen und Strategien sie dabei zurückgreifen. Dabei wird ein dreistufiges System der Mobilisierung erarbeitet, das von niedrigschwelligen Angeboten in Form von Informationsmöglichkeiten und Aufklärungsposts über zusätzliche Inhalte wie Veranstaltungshinweise und Handlungsaufrufe bis hin zur Koordinierung von politischem Aktivismus im realen Raum reicht. Schließlich wird ein Leitfaden zur Orientierung bei der Planung von Telegram-Kanälen entwickelt. Er schließt Überlegungen zur Namens- und Themenwahl, zur Entwicklung von Dynamiken, zur Partizipation und Interaktion, zum Posting-Verhalten, zur Wahrung der Aktualität, Glaubwürdigkeit und Kohärenz eines Kanals und zu Möglichkeiten der Vernetzung ein.

Die Autorinnen

Sophia Jendrzejewski und Celine Strufe beenden aktuell ihr Masterstudium der globalen Nachhaltigkeitswissenschaften
an der Leuphana Universität Lüneburg sowie an der Arizona State University (USA).

Celine Strufe beschäftigt sich in ihrer Abschlussarbeit mit intentional communities und deren Transformationspotenzial für die human-nature connection bei den Mitgliedern. Zudem arbeitet sie seit Anfang 2021 an der Leuphana Universität für das Forschungsprojekt „Polis, Polizei, Politik“, bei dem die Bedeutung des lokalen Kontexts für den Umgang der Polizei mit Geflüchteten untersucht wird. Ihre Forschungsschwerpunkte sind soziale sowie Umweltgerechtigkeit und Popkultur.

Sophia Jendrzejewski erforscht derzeit Fürsorgesysteme innerhalb queerer Subkulturen und begleitet zu diesem Zweck Drag Queens mit der Kamera. Außerdem beschäftigt sie sich mit dem Transformationspotenzial von sozialen Medien für sozioökologische Systeme. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Queer und Gender Studies, soziale Gerechtigkeit, Popkultur, soziale Medien sowie sozioökonomische Systeme.

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