Lebensdaten

Rosa Luxemburg wird am 5. März 1871 in der Kleinstadt Zamość im russisch besetzten Polen als Tochter eines Holzhändlers geboren. Ihre Schulbildung erhält sie in Warschau. Von 1880 bis 1887 besucht sie dort das Gymnasium mit ausgezeichneten Leistungen in einer Umgebung, die eigentlich den Töchtern der russischen Beamten vorbehalten war. Sie lernt vier Sprachen perfekt, entwickelt früh ihre Lust am gesprochenen und geschriebenen Wort und – wird für linke polnische Gruppierungen politisch aktiv.

1889 droht ihr wegen dieser Aktivitäten Verhaftung, und sie flieht über Deutschland in die Schweiz. An der Universität in Zürich –einer der wenigen höheren Bildungsstätten, zu denen Frauen gleichberechtigten Zugang haben – studiert sie zunächst Naturwissenschaften, dann Staatswissenschaften und Nationalökonomie. 1897 erwirbt sie den Doktorgrad – bestaunt und bewundert als einzige Frau zwischen Söhnen von Gutsherren, Fabrikbesitzern und Staatsverwaltern. Sie hat eine enge, spannungsreiche Liebesbeziehung mit dem polnischen Revolutionär Leo Jogiches.

1893 wird Rosa Luxemburg Mitbegründerin einer Partei: der »Sozialdemokratie des Königreiches Polen« (SDKP), die sich 1900 in Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauen (SDKPiL) umbenennen wird. Im August des gleichen Jahres – gerade 22 Jahre alt – hat sie ihren ersten großen Auftritt in der internationalen Arbeiterbewegung. Auf dem III. Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongress in Zürich kämpft sie mit einer mutigen Rede um ein Mandat für sich und ihre junge Partei. Das wird ihr zu diesem Zeitpunkt noch verweigert.

1898 siedelt Rosa Luxemburg nach Deutschland über. Eine Scheinehe verschafft ihr die deutsche Staatsbürgerschaft. Fortan ficht sie für die deutsche Sozialdemokratie auf Parteitagen, internationalen Kongressen und mit ihrer publizistischen Tätigkeit. Auf dem Internationalen Sozialistenkongress 1900 begründet sie die Notwendigkeit internationaler Aktionen gegen Imperialismus, Militarismus und Kolonialpolitik.

Von 1904 bis 1914 vertritt sie die SDKPiL im Internationalen Sozialistischen Büro (ISB). Von Ende Dezember 1905 bis März 1906 nimmt sie im russisch besetzten Polen an der Revolution teil, wird verhaftet und im Juni 1906 gegen Kaution freigelassen. Aus den Erfahrungen der russischen Revolution 1905–1907 zieht sie in Berlin Schlussfolgerungen für die deutsche Arbeiterklasse, verteidigt den politischen Massenstreik als revolutionäres Kampfmittel und profiliert sich als Führerin der linken Strömung in der deutschen Sozialdemokratie.

1907 entwickelt sie auf dem Internationalen Sozialistenkongress gemeinsam mit Lenin und Martow ein Antikriegsprogramm der internationalen Arbeiterbewegung. Von 1907 bis 1914 arbeitet sie als Lehrerin an der sozialdemokratischen Parteischule in Berlin. Sie hat eine mehrjährige Liebesbeziehung mit Kostja Zetkin, dem Sohn ihrer engen Mitstreiterin Clara Zetkin.

Im Frühjahr 1914 wird sie wegen ihrer Antikriegsreden zu Gefängnishaft verurteilt. Paul Levi ist ihr Prozessverteidiger – und wird ihre neue Liebe. 1915 verfasst sie unter dem Pseudonym »Junius« eine Schrift gegen den seit dem 1. August 1914 tobenden Weltkrieg – die berühmt gewordene »Junius-Broschüre«. Ende 1915 schließt sie sich mit Karl Liebknecht und anderen Kriegsgegnern in der Sozialdemokratie zur Gruppe »Internationale« zusammen, aus der 1916 die Spartakusgruppe hervorgeht.

Von Juli 1916 bis November 1918 ist Rosa Luxemburg in Berlin, Wronke und Breslau inhaftiert. 1917 unterstützt sie mit Artikeln vom Gefängnis aus die Februar- und die Oktoberrevolution in Russland. Sie begrüßt die Umbrüche – und warnt zugleich vor einer Diktatur der Bolschewiki. Erst 1922 gelangt die Schrift »Zur russischen Revolution«, in der diese Warnung enthalten ist, an die Öffentlichkeit. »Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presseund Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf« – heißt es darin – »erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben ...«.

Am 9. November 1918 aus der Haft entlassen, engagiert sie sich mit ganzer Kraft in der Novemberrevolution. Gemeinsam mit Karl Liebknecht gibt sie die »Rote Fahne« heraus, arbeitet für einen umfassenden gesellschaftlichen Umbruch und gehört an der Jahreswende 1918/1919 zu den Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Am 15. Januar 1919 werden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Offizieren und Soldaten konterrevolutionärer Reichswehreinheiten in Berlin ermordet.