12. September 2018 Diskussion/Vortrag Ahoi Arbeitskämpfe

Internationale Arbeitsrechte auf hoher See

Information

Veranstaltungsort

Berlin Global Village
Am Sudhaus 2
12053 Berlin

Zeit

12.09.2018, 18:00 - 20:00 Uhr

Themenbereiche

Ungleichheit / Soziale Kämpfe, International / Transnational

Zugeordnete Dateien

Am 12. September findet mit «Ahoi Arbeitsrechte» die zweite Veranstaltung der Reihe «Recht haben. Internationale Bewegungen für soziale Gerechtigkeit» – ein Kooperationsprojekt zwischen der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag, statt.

In der maritimen Handelsschifffahrt und der Hafenwirtschaft gibt es ein besonders erfolgreiches Beispiel für Kämpfe um Globale Soziale Rechte und Solidarität: Die Internationale Transportarbeiter Föderation (ITF) rief 1948 die Kampagne gegen Billigflaggen ins Leben, um die internationale Konkurrenz unter Seeleuten zu verringern und das Sozialdumping auf hoher See zu bekämpfen. Seit dem Jahr 2000 ist ein Tarifvertrag zwischen der ITF und dem internationalen Arbeitgeberverband der Schifffahrt (IMEC), in Kraft, dem rund 12.000 Schiffe angehören. Es ist der erste international gültige Tarifvertrag. Er legt einen Mindestlohn sowie Standards bezüglich etwa Verpflegung, Unterbringung und medizinische Versorgung für Seefahrer fest und schließt auch die Belegschaften von Schiffen ein, die unter Billigflaggen fahren. Die Kontrolle der Einhaltung des Tarifvertrags ist jedoch schwierig. Sie wird von so genannten Hafeninspektoren der ITF in vielen Häfen der Welt durchgeführt und auch von Hafenarbeiter*innen unterstützt.

Das Nachhaltigkeitsziel Acht* zielt darauf, menschenwürdige Arbeit zu schaffen. Arbeitsrechte im transnationalen Raum spielen dabei aber nur eine untergeordnete Rolle. Auch die entwicklungspolitische Zivilgesellschaft fokussiert auf Fairen Handel, kritischen Konsum und Unternehmensverantwortung. Sie vernachlässigt bestehende Arbeitskämpfe und sucht selten die Kooperation mit Organisationen, die sich für Arbeitsrechte einsetzen.
Mit Gewerkschaftsvertreter*innen, Wissenschaftler*innen und Journalist*innen diskutieren wir am Beispiel der Billigflaggenkampagne und des internationalen Tarifvertrags für Seeleute die Möglichkeiten und Herausforderungen transnationaler Organisierung für menschenwürdige Arbeit:

  • Heide Gerstenberger (Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin, Bremen) schildert transnationale Arbeitskämpfe in der Seeschifffahrt und berichtet über ihre Forschungen zu Arbeitsbedingungen an Bord.
  • Hamani Amadou (ITF Port-Inspector, Rostock) beschreibt beispielhaft den Arbeitsalltag bei der Kontrolle eines internationalen Tarifvertrags.
  • Jörn Boewe (Journalist, Berlin) stellt die Diskussionen um Arbeitskämpfe in transnationalen Transport- und Logistikketten vor.
  • Moderation: Stefanie Kron (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Mehr Informationen finden sich in der Webdoku «The Playstation Guys».

 

*2015 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der UN die so genannte 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Die Agenda legt 17 so genannte Sustainable Development Goals (SDG; Ziele für nachhaltige Entwicklung) fest. Zu diesen Zielen gehören unter anderem die Beendigung der Armut, die Verringerung der Ungleichheit, Ernährungssicherung, Bildung und Gesundheit für Alle, nachhaltige Produktionsweisen und menschenwürdige Arbeit.

Standort

Kontakt

Dr. Stefanie Kron

Referentin für Internationale Politik und Soziale Bewegungen, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: (030) 44310-526