11. November 2022 Film Ukrainischer Tag auf dem FilmFestival Cottbus

Mit 13 Filmen aus und drei Filmen über die Ukraine

Information

Veranstaltungsort

Cottbus
Berliner Platz 6
03046 Cottbus

Zeit

11.11.2022, 10:00 - 23:30 Uhr

Themenbereiche

Krieg / Frieden, Osteuropa

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Ukrainischer Tag auf dem FilmFestival Cottbus

Mit 13 Filmen aus und drei Filmen über die Ukraine ist das von Russland angegriffene Land dieses Jahr in allen Sektionen des FilmFestival Cottbus stark vertreten, darunter mit drei Wettbewerbsbeiträgen. Das Spektrum reicht vom Eröffnungsfilm «Luxembourg, Luxembourg» über das Musical «Kings of Rap» bis zu Reflexionen traumatischen Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Das 32. FilmFestival Cottbus findet vom 8.bis 13. November an verschiedenen Spielstätten in Cottbus statt. Der 11.11. steht unter dem Motto «Ukrainischer Tag». Neben Filmvorführungen mit anschließenden Publikumsgesprächen mit den Regisseuren gibt es an diesem Tag zwei Podiumsgespräche. Im Fokus stehen die augenblickliche Situation Filmschaffender in der Ukraine und die Rolle des Kinos bei der Verarbeitung des vom Angriffskrieg geprägten Alltags und der Diskussion der politischen Kultur. An diesem Tag erhalten ukrainische Geflüchtete gegen Vorlage ihres Reisepasses freien Eintritt in alle Filme des FilmFestival Cottbus.

«Wir haben in den letzten Jahren kontinuierlich mit ukrainischen Filmschaffenden, Filmfestivals und Medienvertretern zusammengearbeitet und damit einen kleinen Beitrag für die Entwicklung dieser außerordentlichen Filmlandschaft geleistet und werden das auch weiterhin tun», sagt Andreas Stein, Geschäftsführer des FilmFestival Cottbus. Programmdirektor Bernd Buder ergänzt: «Ukrainisches Kino ist integraler Bestandteil des europäischen Filmschaffens. Fast jährlich premieren auf den für internationale Filmstarts besonders einflussreichen A-Festivals wie Berlin, Venedig und Cannes Filme aus der Ukraine. Die Mischung aus präziser Beobachtung und poetischen Motiven und einem Hang zur Groteske macht das ukrainische Kino heute so interessant wie unberechenbar. Wir zeigen beim FFC in diesem Jahr die ganze Bandbreite des ukrainischen Films.»

Die furiose Tragikomödie «Luxembourg, Luxembourg» beschreibt mit nachdenklicher Situationskomik die Spurensuche zweier vollkommen unterschiedlicher Zwillingssöhne aus ukrainisch-serbischer Mischehe nach ihrem Vater. Regisseur Antonio Lukich ist damit nach «My thoughts are silent» (2019) zum zweiten Mal im Wettbewerb des FilmFestival Cottbus vertreten. «Luxembourg, Luxembourg» eröffnet am 8.11. das Festival im repräsentativen Saal des Cottbuser Staatstheaters. Im U18-Wettbewerb Jugendfilm feiert Iryna Tsyliks nostalgischer Coming-of-Age-Film «Rock, Paper, Grenade» seine deutsche Premiere, im Kurzfilmwettbewerb Arkadiii Nepitalyuks «Golden Leggings».

Als Deutschland-Premieren laufen auch das Kleinstadt-Rapper-Musical «Kings of Rap» (Regie: Myroslav Latyk) und Taras Tomenkos «‹Slovo House›. Unifished Novel», ein Film Noir mit Musical-Einlagen über Schriftsteller, die im Stalinismus unter Druck greaten und sich in eine Mischung aus Anpassung, Eskapismus und Zynismus flüchten. Tomenkos aktueller Dokumentarfilm «Boney Piles» lief dieses Jahr auf der Berlinale und ist auch in Cottbus zu sehen. Volodymyr Tykhy filmte für seinen neuen Dokumentarfilm «One Day in Ukraine» am 14. März, dem «Tag der Kriegsfreiwilligen», mit zwölf Kameramännern den Alltag in seinem angegriffenen Land. Die verstörenden Momentaufnahmen zeigen Schutzsuchende in den Stationen der Kyiver U-Bahn, Passanten, die verzweifelt versuchen, trotz Raketenbeschuss ein geregeltes Alltagsleben aufzubauen, und zwiespältige Strafmaßnahmen gegen Plünderer. Tykhy gehört als Mitbegründer des Dokumentarfilmemacherkollektivs «Babylon #13» zu den Chronisten der Euromaidan-Proteste, die 2013/14 die Demokratisierung in der Ukraine einleiteten. «One Day In Ukraine» läuft ebenso wie zwei neue Dokumentarfilme von Kornii Hritsyuk als deutsche Erstaufführung in Cottbus. Hritsyuk ist Teil der DIALOG-Jury für interkulturelle Verständigung. In «Train Kyiv-War» befragt er Menschen in dem Nachtzug, der bis Februar 2022 seine Fahrgäste an die Demarkationslinie zu den von pro-russischen Rebellen besetzten Gebieten im Osten des Landes brachte, nach den Gründen ihrer Reise und ihren Einstellungen zum damals in der Ostukraine schwelenden Konflikt. In «Eurodonbas» zeichnet er die Frühgeschichte der Industrialisierung in der rohstoffreichen Donbas-Region nach, deren Industrie maßgeblich von belgischen, französischen, walisischen und deutschen Unternehmern aufgebaut wurde. Der Fokus liegt u.a. auf dem heute stetig umkämpften Lyssytschansk.

«Pamfir», Dmytro Sukholytky-Sobchuks mitreißendes, mit folkloristischen Motiven angereichertes Kleinschmuggler-Drama an der ukrainisch-rumänischen Grenze, Maksym Nakonechnyis «Butterfly Vision» über eine Soldatin, die mit den Folgen der während ihrer Gefangenschaft durch die prorussischen Separatisten in der Ostukraine erlittenen Folter kämpft, und Taras Drons «Blindfold» über eine Mixed Martial Arts-Kämpferin, die in schwierigen Zeiten um Selbstbestimmung ringt, runden die ukrainische Spielfilmpräsenz beim FilmFestival Cottbus ab. Die letzten beiden Titel laufen in der Sonderreihe «Frauenrollen im Sozialismus und danach», die sich mit Frauenbildern im Sozialismus und Postsozialismus beschäftigt.Zahlreiche ukrainische Filmschaffende werden zu Gast in Cottbus sein, darunter neben Lukich und Hritsyuk auch Taras Dron, der zur Zeit als Nipkow-Stipendiant in Berlin lebt, sowie Stanislav Bytiutskyi und Nikon Romanchenko, die ihre aktuellen Filmprojekte bei connecting cottbus, dem Koproduktionsmarkt des FilmFestival Cottbus, vorstellen. In zwei Podiumsgesprächen am 11.11. diskutieren ukrainische Filmschaffende die Situation und Rolle des ukrainischen Kinos im vom Angriffskrieg gegen ihr Land geprägten Alltag.

Bei Vorlage eines gültigen ukrainischen Reisepasses gibt es freien Eintritt zu allen Filmen, die am Festival-Freitag gezeigt werden. Zusätzlich zu den Filmen gibt es an diesem Tag zwei Panel-Diskussionen mit Schwerpunkten zu ukrainischen Themen:

  • Fr, 11.11., 10:00
    3187 Tage Krieg gegen die Ukraine – wie gehen Filmschaffende damit um?
  • Fr, 11.11., 17:00
    Aktuelles ukrainisches Kino zwischen Kriegsreflexion und Demokratisierungsprozessen

Der Ukrainische Tag wird gefördert von der Rosa-Luxemburg Stiftung.

Tickets, Programm und weitere Informationen unter: www.filmfestivalcottbus.de

Standort

Kontakt

Dorit Riethmüller

Projektmanagerin Südosteuropa, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310414