16. April 2021 Buchvorstellung Rudolf Hilferding

What do we still have to learn from his legacy?

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Veranstaltungsort

Online

Zeit

16.04.2021, 18:00 - 19:30 Uhr

Themenbereiche

Gesellschaftstheorie, Kapitalismusanalyse

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With:

  • Patrick Bond (Professor of Political Economy at the University of the Western Cape School of Government)

  • Radhika Desai (Professor at the Department of Political Studies and Director of the Geopolitical Political Economy Research Group at the University of Manitoba)

  • Michael Krätke (Professor Emeritus of Sociology at Lancaster University, lives in Amsterdam) 

  • Jan Toporowski (Professor of Economics and Finance, SOAS, London)

  • Chaired by: Judith Dellheim (Rosa-Luxemburg-Stiftung Fellow) and Frieder Otto Wolf (Honorary Professor of Philosophy at the Freie Universität Berlin).

  • It is now the third time that Judith Dellheim and Frieder Otto Wolf to present a new volume in the Luxemburg International Studies in Political Economy series on the website of the Rosa-Luxemburg-Stiftung. This is not simply because of the unifying theme of “Luxemburg” in the title, but also because of the Rosa-Luxemburg-Stiftung’s sponsorship of the books themselves. Edited by Jan Toporowski and Frieder Otto Wolf, the series is based on three elementary and foundational ideas:

    • The term “political economy” is used in an inflationary manner in contemporary public debates, whether academic or political. In light of this reality, we refer back to Karl Marx’s concern to radically criticize the relations of domination both theoretically and practically—as he particularly elaborated with regard to the relations of capital, the capitalist mode of production and its effects on people and their natural living conditions, and especially by systematically elaborating a critique of bourgeois political economy.
    • The capitalist mode of production with its social and ecological consequences, capital relations within their context, as well as other relations of domination in modern bourgeois societies arise and develop in reciprocal connection with finance. Finances in turn is evidently based on money—as an expression of existing power relations in the processes of reproduction of modern societies, which in turn are based on the established system of the social division of labour in the processes of metabolism with nature and which shape the social sphere of circulation. There, social actors/agencies also and especially move, concentrate, and centralize money signs and finance. Circulation has its own dynamics, which have an effect on the reproduction of society, capital, and power relations, as well as on people’s social and ecological living conditions.
    • In her examination of Marx’s critique of political economy, Rosa Luxemburg demonstrated in an inspiring way what a Marxian criticism of Marx can mean. In doing so, she again paid special attention to matters of finance. The question arises as to what extent a Luxemburgian criticism of Marx can again be taken up critically, further elaborated, and thus utilized in a productive manner.

    This is why the first two volumes of Luxemburg International Studies in Political Economy dealt with Luxemburg’s Accumulation of Capital and Marx’s Third Volume of Capital. It is also why the present, third volume, Rudolf Hilferding: What Do We Still Have to Learn from His Legacy?, is particularly interested in the economic writings of Rudolf Hilferding, who sought to continue what Marx had begun in his manuscripts and working materials for the Third Volume of Capital, as had been rendered accessible by Friedrich Engels. In doing so, Hilferding focused on the development and use of the money function of means of payment or credit by the most powerful owners of capital.

    The question has to be raised and discussed as to how Hilferding critically dealt with Marx’s writings that were accessible to him, to what extent and how he understood Marx’s method, and how far he was able to continue the theoretical and practical critique of the capitalist mode of production and the critique of political economy. A major disagreement between Luxemburg and Hilferding is particularly evident with regard to their understanding of society, their understanding of politics, and their conception of “critically continuing Marx”.

    Please register here to participate in the discussion. Registrants will be sent a link to participate on the day prior to the event. The discussion will be conducted in English.


    Mit:

    • Patrick Bond (Professor für politische Ökonomie an der Universität der Western Cape Schule für Verwaltung in Südafrika)
    • Radhika Desai (Professor im Bereich politische Studien und Direktor der Arbeitsgruppe für geopolitische Ökonomie an der Universität Manitoba, Winnipeg in Kanada)
    • Michael Krätke (emeritierter Professor für Soziologie und Leiter des Bereichs politische Ökonomie an der Universität Lancaster, lebt in Amsterdam) 
    • Jan Toporowski (Professor für Ökonomie und Finanzen an der Schule für orientalische und afrikanische Studien an der Universität London)
    • Moderation: Judith Dellheim (Fellow an der RLS)/Frieder Otto Wolf (Honorarprofessor für Philosophie an der Freien Universität Berlin).

    Auf der Website der Rosa-Luxemburg-Stiftung sind bereits zwei Bücher vorgestellt, die in der Reihe Luxemburg International Studies in Political Economy erschienen sind: Rosa Luxemburg: A Permanent Challenge for Political Economy (2016) und The Unfinished System of Karl Marx. Critically Reading Capital as a Challenge for our Times (2018). Nunmehr geht es um die kürzlich erschienene Publikation Rudolf Hilferding. What do we still have to learn from his legacy in der Reihe, die von Jan Toporowski und Frieder Otto Wolf herausgegeben wird. Wiederum sind Judith Dellheim und Frieder Otto Wolf Autor*in und Herausgeber*in und wiederum hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung das Projekt gefördert. Die Reihe geht von drei Grundgedanken aus:

    • Der Begriff «politische Ökonomie» wird in der wissenschaftlichen und politischen Debatte inflationär gebraucht. Wir erinnern daher an das Anliegen von Karl Marx, theoretisch und praktisch die Herrschaftsverhältnisse und insbesondere die Kapitalverhältnisse, die kapitalistische Produktionsweise mit ihren Auswirkungen auf die Menschen und ihre natürlichen Lebensbedingungen radikal zu kritisieren, deshalb und dabei systematisch eine Kritik der bürgerlichen politischen Ökonomie zu erarbeiten.
    • Die kapitalistische Produktionsweise mit ihren sozialen und ökologischen Folgen, die Kapitalverhältnisse in ihrem Kontext mit den Herrschaftsverhältnissen insgesamt entstehen und entwickeln sich in wechselseitiger Verknüpfung mit Finanzen. Die Finanzen wiederum basieren auf Geld als Ausdruck von Machtverhältnissen in den Vergesellschaftungsprozessen, die sich ihrerseits auf das System der gesellschaftlichen Arbeitsteilung in den Stoffwechselprozessen mit der Natur stützen und die gesellschaftliche Zirkulationssphäre prägen. Dort werden von gesellschaftlichen Akteuren auch und insbesondere Geldzeichen und Finanzen bewegt, konzentriert und zentralisiert. Die Zirkulation hat eigene Dynamiken, die auf die Reproduktion der Gesellschaft, der Kapital- und Herrschaftsverhältnisse, der sozialen und ökologischen Lebensbedingungen der Menschen zurückwirken.
    • Rosa Luxemburg hat mit ihrer Auseinandersetzung mit Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie in inspirierender Weise gezeigt, was Marx-Kritik im Marxschen Sinne bedeutet. Dabei richtet sie wiederum besondere Aufmerksamkeit auf Finanzfragen. Es stellt sich die Frage, inwiefern Luxemburgsche Marx-Kritik kritisch aufgenommen, weitergeführt und somit produktiv genutzt werden kann.

    Rudolf Hilferding – geb. 1877 in Wien, gest. 1941 in Paris/GESTAPO – war ein österreichisch-deutscher Wissenschaftler, Publizist, Politiker der SPÖ und SPD; zweimal Reichsminister der Finanzen (SPD) in der Weimarer Republik. Sein 1909/1910 veröffentlichtes Buch «Das Finanzkapital» gilt zum einen als ein Standardwerk der politischen Ökonomie zur Erklärung der Funktionsweise von Kapitalgesellschaften. Zum anderen wird sein theoretisches Werk als Begründung der Theorie des organisierten Kapitalismus oder auch des staatsmonopolistischen Kapitalismus gesehen. Rosa Luxemburg hat Hilferdings Ablehnung sozialdemokratischer Unterstützung für Kriegskredite sehr gewürdigt. Sie vermutete jedoch, dass Hilferding die Kampagne gegen ihre «Akkumulation des Kapitals» initiierte. In ihren Auffassungen von Gesellschaft, der Dialektik von Vergesellschaftung der Produktion und Zirkulation, von linker Politik mit ihren Zielen und Wegen divergieren Rosa Luxemburg und Rudolf Hilferding.

    Das zu präsentierende Buch besteht aus 14 Kapiteln von ebenfalls 14 Autor*innen. Die Beiträge der Redner*innen in unserer Veranstaltung können wie folgt kurz vorgesellt werden:

    Patrick Bond zu Widersprüchen in Hilferdings Finanzkapital: Geld, Bankwesen und Krisentendenzen – Wichtiger denn je ist es, Hilferdings Theorie des Geldes, des Kredits und der kapitalistischen Krisentendenzen zu überdenken. Wie zu Hilferdings Zeit verbindet die heutige Konjunktur finanzielle Macht und Verwundbarkeit der gesellschaftlichen Reproduktion. Um die Bewegungsgesetze des Finanzkapitals aufzudecken, muss jedoch «tiefer gegraben» werden als es Hilferding vermocht hat. Obwohl dieser dazu beigetragen hat, zu erklären, wie und warum sich das kapitalistische Kreditsystem und die Unternehmensfinanzierung über den von Marx' behandelten Zustand hinaus entwickelt haben, ist seine Kritik aus theoretischen und politisch-praktische Gründen unerlässlich.

    Radhika Desai zu Finanzapital und moderner Finanzialisierung –Hilferding hat die Entwicklung des Finanzsektors im «Freihandelsland England» der in den «protektionistischen Ländern» Deutschland und USA gegenübergestellt. In England bzw. Großbritannien konzentrierte sich das kurzfristig agierende, marktbasierte, geldhandelnde Kapital auf den Handel mit fiktivem Kapital in seiner parasitären Beziehung zum industriellen Kapital. In Deutschland und in den USA waren die Verhältnisse zwischen den Banken und der Industrie dergestalt, dass die Banken zwar dominierten, aber ihre Dominanz dazu nutzten, die produktive Expansion des industriellen Kapitals zu steuern. Der nach dem Zweiten Weltkrieg nur teilweise erfüllte Wunsch der USA, der britischen Finanzdominanz nachzueifern, gab dem britischen Muster eine längere Lebenszeit.

    Michael Krätke zur Kritik des Hilferdingschen «Finanzkapital» – das Kapitel bietet einen klaren Überblick über die Geschichte des theoretischen Hauptwerkes von Hilferding, listet dessen wichtigste theoretische Errungenschaften auf und korrigiert die Auffassung von der propagierten letzten Phase der kapitalistischen Entwicklung. Der Beitrag erklärt Hilferdings Werk als Versuch, Marx' «Kapital» fortzusetzen und präsentiert eine vollständige Liste der wichtigsten Ergänzungen und konzeptionellen Veränderungen, die es ermöglichen könnten, die Phänomene des modernen Finanzmarktkapitalismus zu verstehen.

    Jan Toporowski zu Hilferding and Kalecki – Der Autor identifiziert den Ursprung von Kaleckis Theorie des Konjunkturzyklus in Hilferdings Darstellung des Monopolkapitals, in der Veränderung im Konjunkturzyklus, in der spezifischen Verteilung der Gewinne zwischen monopolkapitalistischen Firmen, Kartellen und nicht kartellierten Unternehmen. Kalecki folgte unbewusst dem Austromarxisten Emil Lederer und argumentierte, dass die Kartellbildung die Konjunkturzyklen eher zuspitze statt abflache. Kalecki war in der Lage, den Sprung von Marx' Reproduktionsschemata, die den Rahmen für Hilferdings und Lederers Analyse bildeten, hin zu einer modernen Volkseinkommensrechnung zu vollziehen.

    Anmeldung

    Anmeldung erforderlich.
    Den Angemeldeten wird am Vortag der Zoom-Link zugeschickt.
    Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

    Kontakt

    Dr. Judith Dellheim

    Judith Dellheim ist promovierte Politökonomin, war als Referentin am Institut für…