18. Juni 2021 Workshop «Monolog mit meinem ‹asozialen› Großvater - Ein Häftling in Buchenwald»

Theaterpädagogischer Workshop und Theaterstück mit Harald Hahn

Information

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Münzenbergsaal
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Zeit

18.06.2021, 19:00 - 21:30 Uhr

Themenbereiche

Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Kunst / Performance

Zugeordnete Dateien

«Monolog mit meinem ‹asozialen› Großvater - Ein Häftling in Buchenwald»
Foto: Peter Steudtner

Das Stück:

Arme, Obdachlose, Suchtkranke – in der NS-Diktatur wurden Menschen wie sie als «Asoziale» verfolgt und ermordet. Bis heute erfahren sie weder angemessenes Gedenken noch Gerechtigkeit. Dieses Theaterstück will das ändern.
Das Theaterstück handelt von der vergessenen Opfergruppe der sogenannten «Asozialen» während der NS-Zeit. Als «asozial» galten den Nationalsozialisten diejenigen, die durch ihre Lebensführung vermeintlich dem «Volkskörper» schadeten. Gemeint waren damit meist: Menschen aus der «Unterschicht». Arme, Obdachlose, Suchtkranke, Prostituierte, Arbeitslose- wer nicht ins System passte, wurde aussortiert.

Weil diese Bevölkerungsgruppen auch im Nachkriegsdeutschland an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden und werden, ist die Schuld an ihnen bis heute praktisch nicht aufgearbeitet. Erst seit 2020 wurden auch die «Asozialen» vom Bundestag offiziell als Opfer der NS-Diktatur anerkannt. Persönliche Zeugnisse gibt es von ihnen kaum und das Erinnern an sie kann herausfordernd sein: dem saufenden Großonkel gedenken, der mitunter gewalttätig wurde? Der obdachlosen Großmutter, die sich prostituierte? Nur zögerlich beginnt unsere Gesellschaft, sich mit den unbequemen Opfern auseinanderzusetzen.

Auch der Theatermacher und Pädagoge Harald Hahn wusste lange wenig über die Geschichte seiner Familie: Der Großvater war als «Asozialer» im KZ. In Form eines Erzähltheaters will er sich nun diesem Familiengeheimnis annähern – und dabei aufzeigen, was Schuld, Scham und Schweigen über Generationen in Familien anrichten, wie Klasse und Herkunft unsere Gesellschaft heute noch strukturieren und was das mit dem Wert eines Lebens macht. Im Anschluss an das Stück findet ein Publikumsgespräch statt.

In einem sehr persönlichen Erzähltheater spricht der Autor in einfühlsamen Monologen mit seinem verstorbenen Großvater Anton Knödler, der als Häftling in Buchenwald inhaftiert war. Er spricht über das Familiengeheimnis, die Scham und die Zeit in Buchenwald. Ausgehend von den Monologen schlüpft Harald Hahn in die Rolle eines SS Mannes und verwandelt sich zurück in das Kind, das er einst war. Ein schwäbischer Hausmeister kommentiert das Geschehen und schafft so die Verbindung zwischen Geschichte, Schauspieler und vermeintlich unbeteiligten Zuschauer*innen. Denn die aufgeworfenen Fragen verweigern sich dem rein passiven Konsum – sie wollen und sollen alle Anwesenden mit einbeziehen.

Das Stück dauert ca. 60 Minuten, anschließend gibt es ein Publikumsgespräch.

www.asozialer-grossvater.de

Zur Person:
Harald Hahn: Diplom- und Theaterpädagoge, systemischer Berater und Kulturschaffender
Hg. der «Berliner Schriften zum «Theater der Unterdrückten»
www.harald-hahn.de.

Der Workshop:
Ausgehend von dem Erzähltheater von Harald Hahn Monolog mit meinem «asozialen» Großvater wird sich in einem partizipativen Theaterworkshop der Frage angenähert werden: Was können wir als Gesellschaft aktiv gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung tun?
Fragestellungen sind

  • Welche Personengruppen werden heute als «asoziale» Menschen stigmatisiert?
  • Welche Strategien gibt es dagegen?

Mit theaterpädagogischen Methoden aus dem «Theater der Unterdrückten» werden wir mit «Bildertheater» und «Forumtheater» das Thema im Dialog bearbeiten. Theatervorkenntnisse sind nicht notwendig!  Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt.

Wann:
18.Juni 2021 ab 19 Uhr Theaterstück mit anschließendem Publikumsgespräch
19. Juni 2021 von 10 Uhr bis 17/18 Uhr Workshop

Wo:
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, im Münzenbergsaal (1.Etage).

Anmeldung: 
Bis zum 15. Mai 2021 ist die Anmeldung per Mail an Lucie Matting – Koordinatorin Jugendbildung und Organizing (lucie.matting@rosalux.org) möglich.

Hinweis zur Präsenzveranstaltung:

Die Veranstaltung wird auf der Grundlage der zum Veranstaltungstermin gültigen Infektionsschutzverordnung des Berliner Senats durchgeführt. Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Wir gewährleisten die Einhaltung der geltenden Abstands-, Masken- und Hygienevorschriften. Einzelheiten teilen wir vor Veranstaltungsbeginn mit.

Standort

Kontakt

Lucie Matting

Bildungskoordinatorin für Jugendbildung und Organizing, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310 491