18. April 2017 Diskussion/Vortrag Was heißt denn hier »Armutszuwanderung«?

Antiziganismus als Problem der ganzen Gesellschaft - Ressentiments in der Freizügigkeitsdebatte

Information

Veranstaltungsort

W3 - Werkstatt für internationale Kultur und Politik
Nernstweg 32-34
22765 Hamburg

Zeit

18.04.2017, 19:30 - 21:30 Uhr

Themenbereiche

International / Transnational

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Mit Markus End, Politikwissenschaftler u. Lehrbeauftragter, Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung

„Armutsmigration“ als aktuell prominentestes Bild des Antiziganismus innerhalb der deutschen Öffentlichkeitsdebatte verdeutlicht, wie einfach altherkömmliche „Zigeuner“-Feindbilder in den unserem gesellschaftlichen Diskurs, in den Diskussionen in Medien wie im Alltag wiederbelebt werden können. Antiziganismus, das Projizieren von vorgefertigten Vorstellungen und Konstruktionen völlig unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt auf Sinti und Roma, wird von der Wissenschaft als Problem der  Mehrheitsgesellschaft gedeutet. So erhalten nicht erst durch PEGIDA und AfD diskriminierende Vorurteile Aufwind, viel mehr findet bei Polizei und Justiz die Praxis der Minderheitenkennzeichnung Anwendung. Dies verdeutlicht der Generalverdacht nach dem Mord  der „NSU“-Terrorzelle an der Heilbronner Polizisten, die Täter seien im „Zigeunermilieu“ zu finden.

Ebenso bestimmen negative Bilder die Darstellung von Sinti und Roma in den Medien, wie auch die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) in Wien in einer Untersuchung über Rassismus in den Massenmedien bereits 2002 feststellte. Wie ist es möglich, dass in einer scheinbar aufgeklärten Gesellschaft die strukturellen Vorurteile und Feindbilder nicht kritisch hinterfragt werden? Wie kann es gelingen, den tief verankerten Antiziganismus gesellschaftlich ebenso zu ächten wie den Antisemitismus? Und welche Möglichkeiten haben wir, Argumente gegen Ressentiments in der Freizügigkeitsdebatte durchzusetzen?

In Kooperation mit dem Flüchtlingsrat Hamburg und Minerva Consulting&Research
Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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