28. November 2017 Diskussion/Vortrag 100 Jahre Oktoberrevolution

Lenins Parteikonzeption und Staatstheorie und deren Bedeutung für die Etablierung und Entwicklung der Sowjetunion

Information

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg
Ludwigstr. 73a
70176 Stuttgart

Zeit

28.11.2017, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Revolutionen100

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Lenins in «Was tun?» entwickeltes Parteikonzept, taktische Antwort auf die Probleme der revolutionären Bewegung unter den spezifischen Bedigungen der zaristischen Herrschaft in Russland, sowie seine in «Staat und Revolution» formulierte Staatstheorie und seine Vorstellungen von bürgerlich-demokratischer und proletarischer Herrschaft hatten eine prägende Wirkung auf die Organisationsentwicklungen und Theoriedebatten in der kommunistischen Arbeiterbewegung bis zum Epochenbruch 1989/91.

Michael Brie, Mitarbeiter am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung, analysiert Lenins taktische und strategische Überlegungen als einen dreifachen Suchprozess - zum einen als einen Suchprozess in Vorbereitung des Kampfes um die Macht unter den besonderen historischen Bedingungen der russischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts; zum anderen als einen Suchprozess unter den Bedingungen der errungen Macht in der Oktoberrevolution, der vor dem Hinterrund von Lenins konzeptionellen Vorstellungen von Revolution und sozialistischer Staatsmacht schließlich zur Auflösung der Verfassungsgebenden Versammlung im Januar 1918 führte. 1921 beginnt Lenin schließlich einen neuen strategischen Suchprozess. Es ging ihm darum, Wege zu finden, die Verkehrung von Zielen der Revolution und ihren Resultaten aufzulösen. Dieser Suchprozess bleibt unvollendet.

Michael Brie zeigt: Wer vom Stalinismus redet, darf nicht vom Leninismus schweigen. Leninismus ist der Versuch, in unmenschlichen Zeiten mit ahumanen Mitteln humane, zutiefst sozialistische Ziele zu verfolgen. Dies ist ein Erbe, das die Linke weder uneingeschränkt annehmen, noch einfach ablehnen kann, sondern aus dem sie lernen muss.

Michael Brie arbeitet im Institut für Gesellschaftsanalyse (IfG) der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Referent für «Theorie und Geschichte des Sozialismus». Von ihm erschien 2017 im VSA-Verlag das Buch «LENIN neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Dialektik der Revolution & Metaphysik der Herrschaft»; er gibt zudem bei VSA: die Reihe «Beiträge zur kritischen Transformationsforschung» heraus.

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