11. September 2022 Diskussion/Vortrag Ist im "Krieg gegen den Terror" alles erlaubt?

Film und Gespräch zu Murat Kurnaz, Guantanamo, Afghanistankrieg und Menschenrechten. Reihe: Politik im Gespräch

Information

Veranstaltungsort

hofkino.berlin – Freiluftkino im FMP1
Franz-Mehring-Platz 1
10243Berlin

Zeit

11.09.2022, 19:00 - 23:00 Uhr

Mit

John Goetz, Laila Stieler, Moderation: Elif Eralp

Themenbereiche

Partizipation / Bürgerrechte

Kosten

Zugeordnete Dateien

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 riefen die USA den „Krieg gegen den Terror“ aus, dem sich viele Staaten anschlossen. Er umfasste die Bekämpfung von terroristischen Gruppen im Inland, aber auch im Ausland, sowie militärische Interventionen in und gegen Staaten, die der Unterstützung terroristischer Gruppen verdächtigt wurden. Für alle westliche Gesellschaften bedeutete dies im Inland: Gesetzesverschärfungen, Ausbau von Überwachungsmethoden und Einschränkungen von Bürger- und Freiheitsrechten, wenn dies dem Ziel dienen sollte, Terrorismus zu unterbinden oder zu verfolgen.

Für Afghanistan, in dem mit Al-Qaida die Drahtzieher der Anschläge vom 11. September vermutet wurden, bedeutete der „Krieg gegen den Terror“ eine zwanzigjährige Militärintervention, die 2021 mit der erneuten Übernahme der Macht durch die Taliban endete. Diese waren von den USA und ihren Alliierten im Jahr 2001 von der Macht vertrieben worden. Auch in einem halben Dutzend anderer Länder wurde mit Militär ein- und angegriffen, um (vermeintliche) Terroristen zu töten oder festzusetzen. Mit dem Gefangenenlager Guantanamo Bay wurde auf Kuba ein Ort der institutionalisierten Rechtlosigkeit geschaffen, in dem Verhaftete ohne Gerichtsprozesse interniert werden konnten.

Nach einer Studie der IPPNW belaufen sich die Opferzahlen des „War on Terror“ von 2001 bis 2014 in Irak, Afghanistan und Pakistan auf weit über 1 Million Tote.

Im Schicksal des damals jungen Bremers Murat Kurnazkommen die verschiedenen Dimensionen des „Krieges gegen den Terror“ zusammen. Er wurde von Januar 2002 bis August 2006 ohne Anklage in Guantanamo festgehalten und gefoltert, nachdem er im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gegen ein Kopfgeld US-amerikanischen Sicherheitskräften übergeben wurde.

In Verhören von deutschen und amerikanischen Beamten kamen diese schnell zu dem Schluss, jemanden festgenommen zu haben, der „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen sei. Trotzdem dauerte es noch Jahre, bis er Guantanamo in Richtung Bremen verlassen durfte. Dies lag vor allem daran, dass politisch Verantwortliche, wie der damalige Außenminister und derzeitige Bundespräsident, den türkischen Staatsbürger lieber an die Türkei überstellen wollten, um nicht in den Verdacht zu geraten, sie hätten einen Terroristen zurückkehren lassen.

Mut machend ist, dass es stets Menschen gab, die sich trotz gesellschaftlichen Gegenwinds mit politischen und vor allem juristischen Mitteln für die Menschen- und Bürgerrechte eines Terrorverdächtigen eingesetzt oder als Journalisten über die Methoden des "Krieges gegen den Terror" aufgeklärt haben.

Über das  Resümee des "Krieges gegen den Terror" und darüber, wie sich trotz aller Widrigkeiten von einzelnen für die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt wurde, sprechen wir am Abend des 11. September und zeigen den prämierten Kinofilm „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“.

Auf dem Podium nehmen Platz: Laila Stieler (sie schrieb das Drehbuch für „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“) und der Journalist John Goetz, der zum Gefangenenlager Guantanamo Bay, dem Drohnen- sowie dem Afghanistankrieg Dokumentationen erstellt hat.
Den Abend moderiert die Juristin Elif Eralp (MdA)

Bei gutem Wetter im Hofkino des FMP1; bei schlechten Wetter drinnen.

hofkino.berlin Freiluftkino im FMP1, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Kosten: 4,00 Euro

Standort

Kontakt

Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

Telefon: 030 47538724