Nachricht | Westasien - Libanon / Syrien / Irak - Westasien im Fokus Das Dasein in Echtzeit und jenseits der Realität

Von Alltag und Sehnsüchten der libanesischen Diaspora. Eine Fotoreportage von Dayna Ash und Lilian Mauthofer.

Information

Beirut

Die Grenzen unseres Bewusstseins verlaufen anders als die von Menschenhand gezogenen. Dieselben Hände, die schon so vielen zuvor gereicht worden waren, lösten die Explosion aus, die unsere Existenz um 18:08 Uhr erschüttern – Gefühle, die diesem endlosen Tag noch lange nachhallen sollten. Denn egal, wo wir gerade sind, wo wir uns befinden – jeder Tropfen Blut, der in unserem Land vergossen wird, berührt uns in unseren Herzen, verletzt uns.

Dayna Ash engagiert sich als Aktivistin zu kulturellen und sozialpolitischen Themen. Sie ist Dramatikerin, Performance-Poetin sowie Gründerin und Geschäftsführerin der gemeinnützigen Künstler*innenorganisation Haven for Artists mit Sitz in Beirut, Libanon.
«Was ich tue, wurzelt zutiefst in dem, was ich bin. Ich kann mir deswegen auch gar nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen. Ich bin eine Frau und eine Schriftstellerin. Ich bin eine Araberin und ich bin queer. Ich bin im Westen und im Osten aufgewachsen. Ich bin nicht einfach nur eine Aktivistin; was ich bin, hängt davon ab, was meine Stadt, meine Community, meine Geschlechtsidentität und meine Schwestern und Brüder gerade brauchen.»

Die Explosionskatastrophe in Beirut vom 4. August 2020 ereignet sich im Hier und Jetzt, in Berlin, in Genf, in New York, in den Herzen, in den Köpfen, sie ist das kollektive Trauma der Menschen, deren Leben wesentlich oder auch nur geringfügig von der Stadt geprägt wurde, die sowohl für unser Leiden als auch für unsere Hoffnungen steht. Wir können die Tragweite dieser Katastrophe nicht abschätzen, denn unser Trauma legt auch jahrzehntelange Korruption frei, die so viele Libanes*innen dazu veranlasst hat, aus ihrem Land zu fliehen, ohne sich je endgültig lösen zu können. Wie soll man auch von einem Triumph sprechen, wenn man das geliebte Zuhause vergessen und gegen den Schutz eines sicheren Hafens eintauschen muss.

Wir tauschen Liebe gegen Sicherheit ein, Familie gegen Stabilität, Freunde gegen Strom, Traurigkeit gegen die bloße Hoffnung auf eine Perspektive, ständig tauschen wir das eine gegen das andere ein, weil uns nichts gegeben und alles genommen wird.

Die Trauer kommt in Abstufungen von Rot, Weiß, Grün und Gleichgültigkeit.

Während einige von uns geweint haben, fanden viele einen Ausweg im Schweigen, und noch vielen mehr blieb gar keine Wahl, außer weiter zu machen, nur um dem Unvermeidlichen nicht ins Auge zu sehen, der Angst, den Mustern und den Möglichkeiten von Ausreise und Rückkehr, die immer mit schwerem Herzen und leeren Händen geschehen.

Weder hier noch dort fühlen wir uns wohl, unser Dasein ist weder hier noch dort. Wir schweben über unserem eigenen Alltag und der Echtzeit unserer alten Heimat. Wir schlafen, aber nicht alle gleichzeitig. Wir singen, aber nur, wenn wir allein sind. Wir haben keinem Land Treue geschworen, doch haben dort viele Hände unser Herz berührt.

Lilian Mauthofer lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Neben ihrer Forschungstätigkeit als Politikwissenschaftlerin beschäftigt sie sich mit der Fotografie als Repräsentationsfläche für den gegenwärtigen Zeitgeist. In ihren Fotografien verhandelt sie Fragen der Selbst- und Fremdwahrnehmung, der sozialen Gerechtigkeit und der Ermächtigung.

An jenem Tag war ich in Beirut, wie an den meisten Tagen der Krise in unserem Land. Sie haben die letzten 15 Jahre meines Lebens geprägt.

Beirut

Du musstest nicht immer in der Stadt sein, damit sie dich schlagen, verletzen, niederstechen oder verbrennen konnten. Sie fanden auch so einen Weg, egal, wie gut du dich versteckt hast, wie viel du von dir gabst oder sie dir nahmen.

Eines Tages wachst du auf und stellst fest, dass die Straßen, auf denen du dich früher herumgetrieben hast, zerstört sind. Du hast es irgendwie geschafft, ohne Schaden davonzukommen, diesen Schaden durch Sicherheit zu ersetzen. Jetzt aber gibt es keine Straßen mehr, nur Erinnerungen, zu denen nur noch du Zugang hast. Nur du kannst an diesen Erinnerungen festhalten, an einem immer dünner werdenden Faden. Und nur noch du kannst dich daran erinnern, was sie versucht haben zu vergessen, zu löschen und auszumerzen. Dann kommt das Schuldgefühl und überwältigt alle Sinne, erstickt die darauffolgenden Tage, schlägt Wurzeln in der Vergangenheit.

Du hast noch eine Frist.

Die Welt bewegt sich weiter.

Doch nicht auf deinen Straßen. 

Diese Straßen gibt es nicht mehr.

Text: Dayna Ash – Fotos: Lilian Mauthofer
Bei Interesse einer Nutzung der Bilder oder Texte wenden Sie sich bitte mit einer Beschreibung des Zwecks an die beiden Künstlerinnen unter berbei@posteo.de.

Cynthia

Im Ausland zu leben wirft eine endlose Reihe von Fragen auf. Wie ist es dort? Wer war ich dort? Wie kann meine Stadt überleben? Ständig muss ich Fremden erklären, dass dort keine Massaker stattfinden, dass sie mit dem Bürgerkrieg 1990 aufgehört haben. Leider hat Libanon nichts, im Libanon passiert nichts, es ist ein kalter Krieg, ein stiller und betäubender Krieg. Wir warten also, bis wir wieder eine Verbindung zu dem Land aufbauen können, das wir verlassen haben, ohne, dass dort etwas passiert. Vielleicht ändert sich ja was, wenn doch etwas passiert. Diese Hoffnung wurde für mich durch die Explosion zerstört. Denn es ist was passiert und es hat sich rein gar nichts geändert. Niemand hat die Verantwortung übernommen, niemand hat die Menschen unterstützt. Es war nur ein weiterer Grund, sich abzuwenden und sich hintergangen zu fühlen. Wir machen weiter und warten wieder einmal darauf, dass etwas passiert, nur um an dem Wunsch nach Veränderung festhalten zu können.

Amal

Amal

Wir waren bei dem Feuer live dabei, aber die Arbeit als Journalistin kann auch zum Verhängnis werden.

Als ich auf dem Weg zur Arbeit in Berlin Sirenen hörte, fühlte ich mich sofort auf die Straßen von Beirut teleportiert, blieb stehen und dachte, dass die Straße für die Überlebenden im Hafen frei gemacht werden sollten.

Neben der Berichterstattung über unsere Wahrheit und unsere Realität auf den Straßen unserer Stadt, organisierte ich Spendensammelaktionen und tat, was ich konnte, um auf die Korruption libanesischer Behörden aufmerksam zu machen, damit die Gelder der Zivilgesellschaft statt dem Staat zugutekommen. Es gelang mir irgendwie, meine Arbeit von meinen Gefühlen zu trennen und auf diese Art besser mit der Situation fertig zu werden. Meine Menschen waren in Not, und ich musste alles tun, was in meiner Macht stand, um ihnen die verdienten Stimmen zu geben. Meine Schuldgefühle haben ihren Ursprung nicht nur darin, dass ich die Explosion nicht miterlebt habe; sie bestanden schon lange vor dem 4. August. Ich fühle mich schuldig, weil ich Strom habe und fließendes Wasser, einen Job und mir Dinge leisten kann, die für die meisten nicht in Frage kommen. Keine*r von uns ist freiwillig gegangen, wir alle sind Migrant*innen, nicht Expats. Wir wollen alle nur Sicherheit und eine Zuflucht finden, auch wenn das nicht immer so wirkt.

Abir

Ich stehe völlig neben mir. Es ist, als ob ich weit weg bin von meinem Herzen, während es im selben Takt mit Emotionen schlägt, die ich nicht empfinden kann. Ich muss mich zwingen, die Emotionen zu verstehen, die ich nicht mehr fühlen kann, aber von denen ich sicher weiß, dass ich sie habe. Schuld ist hartnäckig: Hätten wir da sein sollen? Ich bin in Sicherheit, und muss daher diesen Schmerz länger tragen, für diejenigen, die ich liebe und für die es noch keine Entwarnung gibt. Die Entfernung und die Schuld der Überlebenden vermischen sich und hüllen das Wenige, was ich verstehen kann, in Dunkelheit. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre da gewesen, und dass meine Wohnung und Dinge genauso entstellt wären wie die Erinnerungen, die ich auf neue Kontinente mitgenommen habe. Sie hatten uns alles genommen und uns gezwungen zu gehen, um leben zu können. Und jetzt haben sie uns das Vertraute genommen. Sie haben uns den Trost genommen, den wir trotz der Entfernung finden konnten, den Trost, den uns Orte spendeten, die wir zurückließen. Aber diese Orte gibt es nicht mehr. Es ist nicht mir passiert, aber all dem, was ich kenne und all denjenigen, die ich kenne. Meine Gedanken sind von Konflikten und Dilemmata geprägt: Ich habe Angst zurückzugehen, doch ich muss meinen Beitrag leisten. Früher fehlten mir die Menschen und die Orte, aber jetzt klafft da nur noch eine Leere, wo einst meine Sehnsucht nach meinem Zuhause war.

Maria

Maria

Wie so viele andere Künstler*innen, wollte auch ich immer schon weg, um neue Welten und Perspektiven, Orte und Kulturen zu entdecken, zu erleben. Ich wollte etwas Neues ausprobieren, aber Beirut war immer der Ort, der mich inspiriert hat, besonders die letzten Jahre. Und so schob ich Jahr um Jahr meine Abreise immer wieder hinaus, und obwohl diese Sehnsucht wie eine Welle zu wachsen schien, war mir auch bewusst, dass die Blase kurz davor war zu platzen. Ich nutzte den Moment, obwohl ich mir dabei wie eine Abtrünnige vorkam. Wir hatten uns immer wieder eine Chance gegeben, die Woge der Hoffnung schwemmte immer wieder über uns hinweg, und für kurze Augenblicke nahm sie uns die Sicht, aber stets klärte sie sich wieder und wir sahen den Tatsachen ins Gesicht. Ein Schritt vorwärts, tausend zurück, es war erschöpfend. Schließlich wagte ich den Sprung und ging, alles wäre besser als weitere 10 Jahre damit zu verlieren, auf Veränderungen zu warten. Beirut zu verlassen war ein heftiger und abrupter Bruch. Aber ich hatte keine Wahl. Ich wurde am Flughafen festgehalten, als hätte mein libanesischer Pass für die libanesischen Behörden keinerlei Bedeutung. Ohne meinen kanadischen Pass hätte ich nicht ausreisen dürfen – bis heute weiß ich nicht, warum. Selbst beim Verlassen bereitete mir Libanon noch Kummer, aber ich habe es geschafft. Es ist traurig und frustrierend, aber ich werde zurückkommen, um dann wieder zu gehen.

Beirut

Nancy

Die Schlaflosigkeit kriecht zu mir ins Bett, wenn ich am wenigsten damit umzugehen weiss. Es ist 7:40 Uhr morgens, ich muss zu einem Dreh, bei dem ich assistiere. Bei dem Versuch einzuschlafen suchen mich heftige Alpträume heim. Sie begleiten mich, seitdem ich das letzte Mal in Beirut war, unmittelbar nach der Explosion. Ich scheine davon nicht loszukommen. Ich scheine es nicht abzuschalten zu können. Ich dusche und kotze meine Ängste aus, ich reiße mich zusammen und gehe zum Drehort. Das Set befindet sich an einem ruhigen, sonnigen See. Diese Idylle steht im krassen Widerspruch zu meinen Angstgefühlen. Ich versuche, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich es verdiene, in Sicherheit zu sein, was für mich ein Privileg und für andere ein Recht ist.

Beirut

Henri

Seit eineinhalb Jahren habe ich auf diesen 5. August gewartet, nachdem ich mich zuvor auf ein deutsches Visum beworben hatte, um reisen und meine Kunst machen zu können. 18 Monate lang hatte die Angst mein Leben bestimmt, aber ich war geduldig. Dann ist der 4. August über uns hereingebrochen und hat unsere Hoffnungen sinnlos zunichtegemacht. Das Leben geht weiter, wir haben keine Kontrolle und keine Macht darüber. Wir konnten nichts tun, außer loszulassen; die eigene Hilflosigkeit zu erkennen war die einzige Möglichkeit, sich endlich frei zu fühlen. All die Dinge, die vorher so wichtig waren, verloren am 4. August 2020 jede Bedeutung. Wir wären fast umgekommen, viele sind es, und noch viel mehr wurden verletzt. Ich half bei den Aufräumarbeiten und entfernte Glassplitter aus unseren Ambitionen und unseren Häusern, trotz allem. Zwei Wochen später kam endlich das Visum. Ich verließ Beirut, ohne es aber wirklich hinter mir lassen zu können. Auch wenn ich immer schon meine Schwierigkeiten hatte, die Stadt als mein Zuhause zu sehen, nach dem 4. August wurde es schwer, sie überhaupt noch zu sehen.

Beirut

«Sehnsucht ist das Abwesende, das mit dem Abwesenden plaudert. Die Ferne wendet sich der Ferne zu. Sehnsucht ist der Durst der Quelle nach den Krug tragenden Frauen und umgekehrt. Die Sehnsucht lässt die Ferne schwinden, als wäre das Vorausblicken, auch wenn es Hoffnung genannt werden könnte, ein Abenteuer und ein poetischer Gedanke. Die Gegenwart ist zögerlich und ratlos, die Vergangenheit hängt von einer Zypresse herab, die auf ihrem verwurzelten Bein hinter einem Hügel steht, eingehüllt in ihr dunkles Grün nur einem Geräusch aufmerksam lauschend: dem Geräusch des Windes. Sehnsucht ist das Geräusch des Windes» – Mahmoud Darwish, Fī Hadrat al-Ghiyāb (dt. «In Gegenwart von Abwesenheit»)

Bachar zu Abir

Angesichts der Situation hier im Libanon bin ich froh, dass sie in Berlin ist. Abirs Abwesenheit ist schwierig und wir als Familie vermissen sie, zumal sie und ich uns sehr nahestehen. Trotzdem sind wir froh, dass sie in Sicherheit ist und ihren Weg gehen kann.  

Die politische und wirtschaftliche Krise, die diejenigen, die geblieben sind, zu Geiseln gemacht hat, steht ihr nicht länger im Weg. Auch wir sind darauf angewiesen, dass Abir, die Aktivistin, im Ausland ist und dort ihre Stimme erhebt, um Bewusstsein zu schärfen, Spenden zu sammeln und uns so zu unterstützen. Das tut sie, indem sie ihr Netzwerk in ganz Europa und insbesondere in Deutschland nutzt.

Das System, das wir bekämpfen, gleicht dem Ungeheuer von Loch Ness, das im Inneren alles kontrolliert. Es ist einfach für sie, Aktivist*innen hier zu unterdrücken. Stimmen, die außerhalb ihrer Reichweite erhoben werden, können sie dagegen nicht so leicht ersticken. Wenn der Druck sowohl von innen als auch von außen anhält, kann Abir vielleicht ihren Traum von einem gerechten und freien Libanon verwirklichen.

Carole zu Henri

In Wirklichkeit leben wir in der Abwesenheit von zwei Kindern, von Henri und seiner Schwester Chloe. Beide leben im Ausland.Chloes Gründe wegzugehen waren andere als Henris. Er konnte die endlose, quälende Angst nicht länger ertragen – sei es der chaotische Verkehr, das Verhalten der Menschen oder der Mangel an Zukunftsperspektiven. Was mich über ihre Abwesenheit hinwegtröstet, ist vielleicht der Glaube, dass die Welt klein ist.

Ich vermisse sie beide ebenso wie ich mich für sie freue, da sie dort glücklicher sind und sich wohler fühlen, als sie es hier täten. Sie wurden mit Werten wie Autonomie, offenem Dialog und Kommunikation erzogen, es war also immer mein Wunsch, dass sie ihre Flügel ausbreiten und losfliegen.

Es macht mir so viel Freude, sie glücklich zu sehen. Sie mögen den Libanon lieben, aber die Realität verweigert ihnen den Raum, den sie brauchen, um hier zu bleiben.

Beirut

Joe zu Cynthia

Sie hat hier keine Zukunft. Also bin ich lieber ohne sie, damit sie aufblühen kann, als sie bei mir zu behalten, wo es nur ums Überleben geht. Ich beobachtete den Hafen von meinem Balkon aus, so wie sie und ich gemeinsam beobachtet hatten, wie Israel die Elektrofirma in Bsalim bombardierte. Ich erzählte ihr damals, was  auf uns zukommt, als wir den Hubschraubern beim Schwebeflug zusahen. Dann warfen sie die Bombe ab.

Am 4. August schickte ich ihr ein Video vom Hafen, kurz nachdem mir die Möbel auf meinem Balkon um die Ohren geflogen sind. Im Libanon haben wir bewiesen, dass Reinkarnation existiert, weil wir uns innerhalb eines Lebenszyklus immerzu wiederholen. Wieder und wieder habe ich in den Zeitungen Berichte von Explosionen, Bomben, Kriegen und Attentaten mit demselben Wortlaut gelesen. So wie ich mir wünsche, dass Cynthia aufblüht, so wünsche ich mir das auch für den Libanon.

Ziad zu Nancy

Die Leere und die Farbe Schwarz haben etwas an sich. Es ist ein eigenartiger Zufall, dass Nancy, wie ich weiß, immer Schwarz trägt, und auch der Raum des Theaters den schwarz drapierten Überresten der Stadt nach der Explosion gleicht. Ich spreche vom Material, vom Physischen, vom Klang und von der Erinnerung an die Explosion in Beirut. Der Theaterraum spiegelt die Situation drei Sekunden nach der Explosion wider, als die Überlebenden sich gegenseitig in die Augen starrten, schweigend und schockiert. Ich traf Nancy vor kurzem, als sie Beirut besuchte. Beide beklagten wir irgendwie ein Gefühl der Verlegenheit – die Explosion fühlte sich gewissermaßen wie eine Invasion in unsere geheiligten, geschützten Räume und Häuser an. Die Explosion hat ein Trauma ausgelöst und beeinflusst unseren Zustand des Seins und unseren Zustand des Nicht-Seins, da sie alle Aspekte unseres Lebens, unseres Geistes und unseres Körpers berührte.

Gelegentlich bin ich dankbar, dass ich hier war, um die Explosion zu erleben. So zu denken fühlt sich komisch an, aber es kommt daher, dass ich gesehen habe, wie all diejenigen, die nicht hier waren, mit dem lähmenden Gefühl der Schuld fertig werden müssen. Obwohl ich verletzt wurde und zwei große Narben auf dem Rücken habe, die mich daran erinnern, bin ich dankbar. Die Narben ähneln passenderweise den abgeschnittenen Flügeln eines Engels.

Beirut

Dayna

Dayna

Ich verliere Dich im Jetzt, so wie damals, nur, um dich wiederzufinden und dann gehen zu lassen. Lebe wohl, Beirut.

Über uns

Beirut, September 2020
Beirut, September 2020

«Wir lernten uns in Beirut kennen, wo jede von uns einen großen Teil von sich zurückgelassen hat. Die meisten unserer Gespräche fanden in Straßen statt, die jetzt zerstört sind, deren Läden nicht mehr wiederzuerkennen sind und jede Erinnerung an glückliche Tage von grauen Wolken überschattet wird.»

Dayna Ash und Lilian Mauthofer


[Übersetzungen von Camilla Elle & Tabea Magyar für Gegensatz Translation Collective]