Nachricht | Sozialökologischer Umbau Fukushima: Sinnbild der atomaren Bedrohung

Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima: Sicher ist nur die Unbeherrschbarkeit. RLS-Spezial zu Atomkraft.

Die Katastrophe in Japan fiel genau in die Zeit, als überall Vorbereitungen zum Gedenken an den 25. Jahrestag von Tschernobyl im Gange waren. Tagelang bestimmte die atomare Bedrohung, die nach einem gewaltigen Erdbeben und dem folgenden Tsunami von explodierten Reaktorgehäusen ausging, die Schlagzeilen. Noch immer ist der Ausgang offen, die Folgen unabsehbar. Aber eines dürfte jetzt schon klar sein: Fukushima wird weltweit Sinnbild werden für die Unbeherrschbarkeit der Risikotechnologie Atomkraft: «Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima», diese T-Shirts sah man schon am Tag drei nach der Explosion im Nordosten Japans.

Die Bundesregierung nahm den Schock zum Anlass, die eigene Atompolitik zur Disposition zu stellen. Kanzlerin Merkel rief ein Moratorium aus: drei Monate solle inne gehalten werden – bis nach den Landtagswahlen. Sieben Altmeiler wurden vorübergehend abgeschaltet, bei allen Atomkraftwerken in Deutschland sollen «Stresstests» und Sicherheitsüberprüfungen vorgenommen werden. Merkel gab eindringlich zu verstehen, dass sie verstanden habe. All das, was zumindest sie und ihre Atomkraftfreunde niemals für möglich gehalten hätten, sei in Japan Wirklichkeit geworden. Dies habe zum Umdenken gezwungen, so Frau Merkel im Bundestag. Wie weit her es mit dem Umdenken ist – auch das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen.

Es ist zu hoffen, dass die lebensgefährlichen Bemühungen der japanischen ArbeiterInnen im Atomkraftwerk von Fukushima die Kernschmelze verhindern und dass der GAU nicht doch noch zum Super-GAU wird. Diese Hoffnung geht in eins mit dem Gedenken an die Opfer von Tschernobyl und in eins mit Überlegungen, wie aus der Nutzung einer lebensgefährlichen Technologie zur Gewinnung von Energie und für militärische Zwecke vollständig ausgestiegen werden kann.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung dokumentiert im folgenden ihre Arbeiten zu diesem Thema.


  • fileadmin/rls_uploads/pdfs/Themen/Sozialoekologischer_Umbau/10_Fragen_nach_Osaka.pdf10 Fragen nach Osaka
    Interview mit Kuniko Fukuda, die lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Fukuda beschreibt den gesellschaftlichen und politischen Wandel des Landes nach der kaztastrophe von Fukushima.
  • Politik und Kultur der Kernenergie Japans
    Zur Katastrophe in Fukushima und dem orientalischen Blick Deutschlands
    Julian Plenefisch, Historiker und Japanologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ostasiatischen Seminar der Freien Universität Berlin, 31.3.2011
  • Risse im Block
    Fukushima als Katalysator für einen Green New Deal (und mehr).
    Von Ulrich Schachtschneider, Mitglied im Gesprächskreis Nachhaltigkeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Oldenburg, 29.3.2011
  • China: Kernenergie auf dem Prüfstand
    China setzt weiter auf Kernenergie, hat jedoch die Überprüfung aller seiner existierenden und im Bau befindlichen Kernkraftwerke angeordnet. Die Genehmigungsverfahren für den Bau neuer Reaktoren wurden ausgesetzt. Das hat der Staatsrat der Volksrepublik am 16. März angesichts der nuklearen Katastrophe in Japan beschlossen.
    Von Lutz Pohle, Leiter des RLS-Büros in Peking (im Aufbau), 21.3.2011
  • «Nhật Bản nâng mức cảnh báo hạt nhân»
    Japan erhöht die Warnstufe vor radioaktiver Strahlung
    Die Katastrophe in Japan ist in Vietnam ein hochpräsentes Thema. Die öffentliche Diskussion um Atomenergie jedoch folgt dem Paradigma der Beruhigung und der fehlenden Optionen.
    Reaktionen aus Vietnam von Nadja Charaby, Leiterin des RLS-Büros in Hanoi, 18.3.2011
  • Fukushima liegt nicht nur in Japan
    «Von Ausstieg aus der Atomenergie kann nicht die Rede sein. Die Regierenden sehen sich weiterhin eher Energiekonzernen als den BürgerInnen verpflichtet» meint Judith Dellheim im Blog des Instituts für Gesellschaftsanalyse, 17.3.2011
  • Echo der moralphilosophisch gewendeten Wut aus einer anderen Zeit
    «Atomkraft lässt sich nicht in gut und böse trennen, zivile und militärische Nutzung sind zwei Seiten der gleichen Medaille» argumentiert Markus Euskirchen in Mehring1, 15.3.2011
  • Die Brücke zum Supergau
    Nicht erst die Tragödie in Japan zeigt: Über Atomkraft führt kein Weg ins Zeitalter erneuerbarer Energien. Von Sabine Nuss, 15.3.2011
  • Exit statt Exitus
    Das rote Projekt für den grünen Umbau in 16 Leitsätzen.
    Standpunkte 9/2011 von Hans Thie, März 2011
  • Power to the people – drei mal!
    Standpunkte 31/2010 zu alternativen Energiekonzepten von Ulrich Schachtschneider, Mitglied im Gesprächskreis Nachhaltigkeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
    Der Energieberater verfasste diesen Text für die energiepolitische Konferenz «Power to the people! Neue Energie für linke Alternativen» im September 2010.
    Schachtschneider ist Mitautor des von der RLS Niedersachsen geförderten Buches «Konzepte für gesellschaftliche Wege aus der Ökokrise»
  • Statt «pro oder contra Wachstum» den sozialökologischen Umbau einleiten!
    Standpunkte 27/2010 von Judith Dellheim, September 2010
  • «Tschernobyl - Schwarzer Staub» Risiken friedlicher Kernenergienutzung
    Broschüre der PDS anlässlich des zehnjährigen Jahrestages des Supergaus in Tschernobyl, April 1996
    Judith Dellheim und Lutz Brangsch (beide heute ReferentInnen im Institut für Gesellschaftsanalyse der RLS) kritisieren aus marxistischer Sicht die in der Systemkonkurrenz verfangenen Energie- und damit auch Gesellschaftspolitik der realsozialistischen Staaten. Schon damals forderte Peter Schott von der Ökologischen Plattform der PDS einen sofortigen Ausstieg aus der Atomtechnolgie und einen flächendeckenden Ausbau erneuerbarer, solarer Energieträger.

Alle Beiträge des IfG-Blogs Mehring1 zu diesem Thema finden Sie hier: http://ifg.rosalux.de/tag/atom/