Nachricht | Veranstaltungsreihe

zwischen Dezember 2023 und voraussichtlich Mai 2024

Warum brauchen wir 2023/2024 eine Veranstaltungsreihe, die sich mit dem autoritären Kommunismus, mit dem „Stalinismus als System“, beschäftigt?

Auch 34 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft bestehen in vielen Teilen der Linken (Partei wie Bewegung) immer noch Vorbehalte den repressiven Charakter der DDR zur Kenntnis zu nehmen und - leider auch - sich damit auseinanderzusetzen.

Wir können uns gut vorstellen, dass auch heute hier bei diesen Worten – die wir allzu oft auch von politischen Gegner*innen einer Linken zu hören bekommen – sofort Abwehrmechanismen aktiviert werden, sich Menschen getriggert fühlen. Aber eine schonungslose, kritische Aufarbeitung kann die Linke nur stärken. Wir brauchen eine historische Analyse, um den Zusammenhang zwischen Unterdrückung linker Opposition und alternativer, emanzipatorischer Bewegung einerseits und dem Untergang der DDR und des sowjetischen Blocks andererseits zu verstehen. 

Die Rekonstruktion der Geschichte von Verfolgung und Unterdrückung, der inneren Logik der Repression und ihrer Techniken, kann man nicht einfach ausblenden, in der politischen Debatte relativieren oder als unvermeidlich darstellen. Dazu gehört auch, dass Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte – auch diejenigen von linken Historiker*innen, Politikwissenschaftler*innen oder Soziolog*innen – zur Kenntnis genommen werden und man diese nicht ignoriert oder leugnet. Und das meint auch, dass man positive Bezüge auf Personen, Ereignisse, Symbole etc. aus DDR- oder Sowjetzeiten mindestens in Frage stellt. Wenn man den DDR-Forschungsstand von 1960 in einem Reel auf Instagram postet, dann bleibt es der Wissensstand von 1960. Und der ist dann bestenfalls lückenhaft, schlimmstenfalls leugnet er historische Tatsachen oder stellt sie bewusst falsch dar.

Wir als Vorbereitungsgruppe sind uns durchaus bewusst, dass die Darstellung und Fokussierung auf stalinistische Exzesse (Schauprozesse, GULAG, Massenverhaftungen, … = „terroristische Exzesse der Regime des Sowjetblocks während ihrer hochstalinistischen Phase“) zu den bevorzugten Themen antisozialistischer/antikommunistischer Wissenschaftler*innen gehören. Schließlich dienen sie dazu den heutigen gesellschaftlichen Status Quo zu verteidigen und die bundesdeutsche Demokratie als das „Ende der Geschichte“ zu definieren. Aber umso wichtiger ist es, ihnen die Geschichte des Stalinismus und antistalinistischer Opposition nicht allein zu überlassen. Solange wir zum repressiven Charakter der DDR schweigen, bieten wir antikommunistischer Geschichtsschreibung und der geschichtspolitischen Rechtfertigung des real existierenden Kapitalismus keine ernstzunehmende Gegenwehr.

Sich mit der unkritischen Identifizierung mit der DDR und der Verharmlosung ihres repressiven Charakters zu beschäftigen, heißt aber auch sich mit dem „modernen“ bürgerlichen Antikommunismus auseinanderzusetzen. Und dann zusätzlich auch noch Neuauflagen stalinistischer Geschichtsfälschungen und der Rehabilitierung, Rechtfertigung und Verharmlosung des Massenterrors der Stalin-Zeit, der repressiven Niederhaltung jeder autonomen Linken Bewegung außerhalb der Partei, der eigenständigen Bewegung von Arbeiter*innen wie anderer emanzipatorischer Bewegungen in den Blick zu nehmen.

Wer damit gerade erst anfängt, dem empfehlen wir an dieser Stelle die Broschüre der Rosa Luxemburg Stiftung „feindlich-negative Elemente". Repression gegen linke und emanzipatorische Bewegungen in der DDR, die 2019 u.a. mit einem Beitrag von Anne Seeck erschien und einen ersten Überblick auf die Repressionen in der DDR liefert.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie viel noch aufzuarbeiten ist – gerade für eine linke Bewegung – war die harte Auseinandersetzung um die Rote Hilfe Zeitung und deren zwei Ausgaben von 2016 („Siegerjustiz – Verfolgung und Delegitimierung eines sozialistischen Versuchs seit 1990“) und 2019 („‘Wenn wir brüderlich uns einen ...‘ Repression gegen linke Oppositionelle in der DDR“).

Es geht schließlich um nichts Geringeres als das Ziel linker Politik: eine wirkliche Alternative zum heutigen Kapitalismus aber eben auch zum untergegangenen „real existierenden Sozialismus“.

Wie wir genau dahin kommen und wie wir das dann nennen, darüber streiten wir heute nicht. Das eine oder andere Thema wird in den folgenden Veranstaltungen der Reihe angesprochen werden.

Veranstaltungen

Die Veranstaltungsreihe besteht aus folgenden Einzelveranstaltungen. Durch einen Klick auf den jeweilgen Termin gibt es weitere Informationen zum Vernanstaltungsinhalt und den Referent*innen.

Standortbestimmung. Autoritärer Kommunismus als Ausweg aus der (linken) Krise?

Hier geht's zur Veranstaltungsankündigung mit Hintergrundinformationen.

Der Videomitschnitt der Veranstaltung kann hier auf unserem Youtube-Kanal angeschaut werden.

KO,KA,KJ... - Wer sieht da noch durch?

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Diese Veranstaltung wurde leider nicht aufgezeichnet.

Return of the K-Gruppen

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Der Audiomitschnitt der Veranstaltung kann hier auf unserem Soundcloud-Kanal nachgehört werden.

Antiautoritärer Kommunismus in der Weimarer Republik

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Der Audiomitschnitt der Veranstaltung kann hier auf unserem Soundcloud-Kanal nachgehört werden.

Zum Verhältnis von Kommunismus und Anarchismus

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Der Audiomitschnitt der Veranstaltung kann hier auf unserem Soundcloud-Kanal nachgehört werden.

Montag, 18. März 2024: "Und der Zukunft zugewandt" - Das große Schweigen über den Stalinismus in der DDR

19.00 - 21.00 Uhr in der Cinémathèque, Karl-Liebknecht-Straße 109, 04275 Leipzig

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Weitere Termine im April und Mai sind in Planung und werden zeitnah hier ergänzt.

Wir versuchen, möglichst viele Veranstaltungen mitzuschneiden und die Aufzeichnungen zum Nachschauen und Nachhören hier bereitzustellen.