Publikation Industrieumbau Wasserstoff: Zentrales Element für den Industrieumbau

Eine Studie im Rahmen des Projekts «Sozial-ökologische Transformation der deutschen Industrie»

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Reihe

Studien

Autor

Uwe Witt,

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Wasserstoff (H2) und seine Folgeprodukte werden fraglos eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Volkswirtschaften spielen. Diese Kurzstudie gibt zunächst einen Überblick über die Debatten um die Rolle von Wasserstoff und um jene Faktoren, die den Wasserstoffeinsatz unausweichlich machen. Im Weiteren wird nachgewiesen, dass sein Einsatz sehr gezielt und sparsam erfolgen muss, da die Erzeugung in Deutschland begrenzt ist und mit Importen von «grünem» Wasserstoff» in naher Zukunft kaum zu rechnen ist. Engpässe an verfügbarem «grünen» Wasserstoff könnten zur Achillesferse des Klimaschutzes werden. Eine Verschwendung von Wasserstoff in ineffizienten Anwendungen (Automobile, Gebäudewärme etc.) könnte zulasten jener Anwendungen gehen, die im Zuge des Umbaus einen unabwendbaren Wasserstoffbedarf haben (Stahl, Chemie, später auch Luft- und Seefahrt). Beide Gruppen verhalten sich bezüglich des Wasserstoffbedarfs (bei beschränktem Angebot) wie kommunizierende Röhren.

Die Untersuchung ist Teil des von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderten und von dem gemeinnützigen Verein «Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik» unterstützten Projekts «Sozial-ökologische Transformation der deutschen Industrie», in dessen Rahmen sieben weitere Studien entstanden sind.

Auf sehr lange Sicht spricht nichts grundsätzlich dagegen, zumindest einen Teil zukünftig benötigter Power-to-X-Brenn- und Kraftstoffe1 auch aus Ländern wie Marokko, Tunesien, Saudi-Arabien oder Katar zu importieren, sollten diese tatsächlich in die Technologie einsteigen und entsprechend zusätzliche Ökostromkapazitäten zur Verfügung stehen, die nicht zulasten der nationalen Dekarbonisierungsstrategien, der heimischen Bevölkerung oder der Umwelt gehen. Dafür bedarf es sozial-ökologischer Leitplanken.

Eine Energie- und Verkehrswende hier und heute jedoch, die auf solche Brennstoffe für einen Großteil der Häuser und den Straßenverkehr setzen würde, um einem Mehr an Gebäudeeffizienz oder einer tatsächlichen Mobilitätswende aus dem Weg zu gehen, dürfte auf tönernen Füßen stehen. Denn die Bezugsoption für die Unmengen von wasserstoffbasierten Brennund Kraftstoffen, die dann benötigt würden, wäre mehr als wacklig. Man wäre abhängig von riesigen Wirtschaftszweigen im Ausland, die heute noch nicht einmal im Ansatz existieren – und teilweise in äußerst sensiblen Regionen außerhalb Europas lägen.

Inhalt

  • Zusammenfassung
  • 1 Künftige Einsatzfelder
  • 2 Effizienter Einsatz spielt Schlüsselrolle
  • 3 Wasserstoffstrategie der Bundesregierung
  • 4 Wasserstoffbedarf und Erzeugung
  • 5 Importe von Wasserstoff und Folgeprodukten
    • 5.1 Importe aus europäischen Ländern
    • 5.2 Importe aus dem globalen Süden und damit verbundene Risiken
  • 6 Kosten
  • 7 Förderung
  • Literatur
  • Abkürzungsverzeichnis

Zum Autor

Uwe Witt hat Volkswirtschaft studiert und ist Referent für Klimaschutz und Strukturwandel der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Er arbeitete zuvor viele Jahre als Mitarbeiter einer Bundestagsabgeordneten und als Referent für Klima und Energie in der Bundestagsfraktion DIE LINKE. Zudem war er längere Zeit als Journalist tätig. Er lebt in Berlin.