Publikation Soziale Bewegungen / Organisierung - Gesundheit und Pflege Unsere Motivation: Menschen vor Profit

Die Tarifauseinandersetzung in den Asklepios-Kliniken in Seesen.

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Reihe

luxemburg beiträge

Autor*innen

Jan Bruno Gerkens, Jens Havemann, Friedrich Paun, Patrick von Brandt,

Erschienen

Juli 2022

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Bundesweit organisieren sich immer mehr Kolleg*innen gewerkschaftlich, um die Bedingungen im Gesundheitssystem für die Beschäftigten und die Patient*innen zu verbessern. Mittlerweile ist der Werkzeugkasten der gewerkschaftlichen Machtmittel zur Interessendurchsetzung in Krankenhauskämpfen beeindruckend gewachsen: In vielen Krankenhäusern finden Strukturtests, Streikkonferenzen und Delegiertenstreiks statt und es etablieren sich Teamdelegiertenstrukturen.

Seesen ist ein Ort mit etwa 20.000 Einwohner*innen am Rande des Harzes in Niedersachsen. Die dort ansässigen Asklepios-Kliniken Schildautal beschäftigen rund 1.000 Personen, sie gehören einem der mächtigsten und gewerkschaftsfeindlichsten Gesundheitskonzerne der Bundesrepublik Deutschland. Die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen führten zu einem regelrechten Ausbluten des Personals. Daraufhin machten sich die Kolleg*innen im Jahr 2018 auf den Weg, gemeinsam für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und die Zukunft des Hauses zu streiten.

Im Rahmen der fast zweijährigen Auseinandersetzung bauten die Aktiven streikfähige Strukturen mithilfe der Unterstützung aus der Stadtgesellschaft auf und legten sich eindrucksvoll mit dem Asklepios-Konzern an. Am Ende konnten die Streikenden zwar deutliche Verbesserungen erreichen, viele Kolleg*innen zahlten dafür aber einen hohen Preis. Und die zentrale Forderung nach einem Tarifvertrag auf Basis des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) konnten sie nicht durchsetzen. Obwohl der Kampf nicht gänzlich gewonnen wurde, sagen fast alle Beteiligten: Wir würden es immer wieder tun und haben unglaublich viele wertvolle Erfahrungen gesammelt!

Mit dieser Broschüre wollen wir aufzeigen, dass viele der gewerkschaftlichen Methoden, die in großen Universitätskliniken funktionieren, auch in kleineren Häusern im ländlichen Raum anwendbar sind. Außerdem möchten wir auf die Hindernisse hinweisen, mit denen sich die gewerkschaftlich Aktiven konfrontiert sahen.

Eine der wesentlichen Erkenntnisse aus der Auseinandersetzung in Seesen ist: Um Konzerne wie Asklepios zu Tarifverträgen zu zwingen, brauchen wir eine bundesweite Strategie. Kernaufgabe von ver.di muss es daher sein, die unterschiedlichen Belegschaften noch besser zu vernetzen und ihre Bemühungen zu einer bundesweiten Kampagne zu synchronisieren, damit sie nicht nur handlungs- und konfliktfähig, sondern auch durchsetzungsfähig werden.

Wir möchten Kolleg*innen, die vielleicht am Anfang einer ähnlich schwierigen Auseinandersetzung bei einem privaten Krankenhauskonzern stehen, unsere Erfahrungen mit auf den Weg geben. In der Hoffnung, dass der Kampf der Aktiven in Seesen die Gewerkschaftsbewegung in den Krankenhäusern bereichert und Mut macht, auch schwierige Kämpfe zu führen.

Zu den Autoren

Friedrich Paun, Bruno Gerkens, Jens Havemann und Patrick von Brandt sind Gewerkschaftssekretäre bei ver.di in den Fachbereichen Jugend bzw. Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft. Sie waren in der Tarifauseinandersetzung in Seesen aktiv dabei und haben die Kampagne als Ehren- und Hauptamtliche eng begleitet.