Publikation Geschichte - Deutsche / Europäische Geschichte DDR an Grundschulen

Aktuelle Kinderliteratur kreativ und fächerübergreifend. Reihe Manuskripte (Neue Folge) Nr. 7.

Information

Reihe

Manuskripte

Herausgeber/ innen

Cornelia Domaschke,

Erschienen

Juli 2013

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Die Gegenwart ist häufig frustrierend; die Zukunft ungewiss! Was sollen junge Menschen von heute dann ausgerechnet mit Geschichte anfangen können? In das Heute sind sie hineingeboren. Dieses Heute war noch Zukunft, als die Weichen für den Zustand der Gegenwart gestellt worden sind. Soll die Welt, soll die Gesellschaft von morgen eine andere, bessere sein, ist Rebellion ebenso angesagt wie Mitgestaltung und schließlich Übernahme von Verantwortung. Wie soll Mitgestaltung aussehen? Was soll künftig ganz anders sein? Die Kenntnis der gewachsenen Realitäten wäre für den Anfang nicht schlecht. Vielmehr: Ohne die Kenntnis der Ursprünge und Prozesse ist keine wirkliche, bewusste Aneignung von Handlungskompetenzen zum Zwecke der nach Veränderung schreienden Realitäten zu erwarten.

Aber: Den meisten jungen Menschen fällt es schwer, sich in der Gegenwart mit Geschichte zu beschäftigen und darin einen Nutzen für die eigene Zukunft zu sehen. Auf die jüngste Zeitgeschichte trifft das in besonderem Maße zu. Da ist vor gerade mal 23 Jahren ein Staat und mit ihm ein System sang- und klanglos untergegangen, der/ das allen eine lichte Zukunft versprochen hatte. Im Geschichtsunterricht und in der außerschulischen Bildungsarbeit bleibt nur wenig Raum für die 40-jährige deutschdeutsche Nachkriegsgeschichte, zuweilen ist auch das Interesse recht begrenzt. Die Frage nach einer sinnvollen Heranführung der jüngsten SchülerInnen-Generation im Sachunterricht an die Lebenswelt ihrer Großeltern wird häufig erst gar nicht gestellt, geschweige denn in Erwägung gezogen. Dabei wird doch landesweit beklagt, dass heutige SchülerInnen-Generationen über nur wenige oder gar keine Kenntnisse zur DDR-Geschichte verfügen.

Der Gesprächskreis «Geschichte für die Zukunft» der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat sechs Jahrzehnte nach der doppelten deutschen Staatsgründung und zwei Jahrzehnte nach der Wende im Osten Europas diese Fragen thematisiert und in einem mehrtägigen Weiterbildungsseminar für MultiplikatorInnen historisch-politischer Jugendbildung und LehrerInnen zur Diskussion gestellt. Unter dem Titel «Wen interessieren schon ‹Fußnoten in der Geschichte›? Themen zur DDR-Geschichte und deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte SchülerInnen durch attraktive Bildungsformate nahebringen» haben die TeilnehmerInnen das Für und Wider bestehender Methoden und Wege bei der Wissensvermittlung zur jüngsten deutschen Geschichte auf den Prüfstand gestellt. Vorschläge für neue Bildungsformate anzusprechen und auf den Weg zu bringen war dabei ausdrücklich erwünscht. Dazu gehörte die Frage «DDR-Geschichte an Grundschulen – geht denn das?»

In einem gemeinsamen Projekt von LehramtsstudentInnen des Instituts für deutsche Sprache und Literatur an der Technischen Universität Dortmund unter Leitung ihrer Dozentin, Maria Becker, und dem Gesprächskreis «Geschichte für die Zukunft» wurde im Sommer 2010 in einer Grundschule in Berlin und einer in Hattingen (NRW) ein Projekttag zum Thema DDR erprobt. Ergebnisse und Schlussfolgerungen wurden auf einem Workshop des Gesprächskreises «Geschichte für die Zukunft» mit dem Thema «Mauerbau am 13. August 1961. Innovative Wege und Methoden der Vermittlung am Lernort Schule» in der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Sommer 2011 diskutiert. Die Ergebnisse und die verschriftlichten Beiträge der am Projekt beteiligten LehramtstudentInnen sind Gegenstand des vorliegenden Bildungsmaterials für LehrerInnen und MultiplikatorInnen historisch-politischer Jugendbildung. Das Unterrichtsprojekt der LehramtsstudentInnen zeigt einerseits, wie groß das Interesse der SchülerInnen an dem Thema DDR ist, andererseits aber auch, dass die StudentInnen leicht in Stereotypisierungen zurückfallen. Das vorliegende Material ist daher weniger als «Empfehlung» zu verstehen, es dokumentiert vielmehr den Entwicklungsstand und soll zur weiteren Ausarbeitung und Auseinandersetzung anregen.