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27. Oktober 2022: Diskussion/Vortrag : In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg.

Seismographen des Wandels: Den Schmerz der Anderen begreifen

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Bibliothek
Straße der Pariser Kommune 8A
10243 Berlin

Zeit
27.10.2022, 19:00 - 21:00 Uhr
Themenbereiche
Deutsche / Europäische Geschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Migration / Flucht
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg.
Eine niederländische Lehrerin führt eine Gruppe von geflüchteten Kindern an, die gerade aus einem Schiff in den Tilbury Docks in Essex ausgestiegen sind (1945).

Berlin ist wie viele andere westliche Metropolen von einem Patchwork aus Minderheiten geprägt. Angesichts der Zunahme von Konflikten der unterschiedlichsten Art kommen Schutzsuchende. Den umgekehrten Weg gehen wiederum Berichterstattende großer Medienhäuser. Um die Konflikte zu beschreiben, vor denen so viele fliehen, reisen sie in jene Regionen, in denen diese stattfinden.

Gabriele Riedle, selbst jahrelang als Reporterin unterwegs, beschreibt nun in ihrem neuesten Roman in sarkastisch-zupackender Sprache die Berichterstattenden, die Weltbilder, die sie dem Publikum in die Häuser liefern und die ökonomischen Voraussetzungen, unter denen sie arbeiten. Gleichzeitig erzählt Riedle davon, wie groß die Differenz der Werte und der Weltsicht in vielen Gegenden der Erde zu denen in den westlichen Zentren ist. Durch die hier Ankommenden begegnen wir diesen Vorstellungen nun jedoch auch in unserer Nachbarschaft. 

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutieren wir mit der Publizistin Charlotte Wiedemann über ihr aktuelles Buch über «Holocaust und Weltgedächtnis». Wie verhält sich die Erinnerung an die Shoah zu solchen an anderen Massenverbrechen wie jenen in Namibia 1904-1907, Armenien 1915/16 oder Ruanda 1994? Wie lässt sich z.B. Kolonialismus in ein Verhältnis zur Shoah setzen? Wie lässt sich vergleichen ohne gleichzusetzen oder zu relativieren? Und welche spezifische Situation ist für ein Erinnern in Deutschland zu berücksichtigen?

  • Gabriele Riedle, Reporterin, die Romane schreibt; sie liest aus «In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. Eine Art Abenteuerroman» (Die Andere Bibliothek) und diskutiert.
  • Charlotte Wiedemann, Reporterin, die Sachbücher publiziert; sie liest aus «Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis» (Propyläen) und diskutiert.
  • Es moderieren Achim Engelberg und Florian Weis.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Gesprächskreis «Antisemitismus / jüdisch-linke Geschichte und Gegenwart» statt.

Seismographen des Wandels

Geschichten von Fliehenden ähneln den Botenberichten des klassischen Dramas: In ihnen verdichten sich planetarische Konflikte, gestern wie heute. Bereits Bertolt Brecht, der vom sowjetischen Wladiwostok im Juni 1941 den Pazifik überquert hatte und im kalifornischen Santa Monica angekommen war, sah «auf dem letzten Boot» eine neue «Landschaft des Exils», so der Titel seines Ankunftsgedichts, in dem er sich und seinesgleichen als «Boten des Unglücks» bezeichnete. Als solche sind Flüchtlinge nicht nur Seismographen einer Epoche, die von jeher durch historische Ereignisse und Unglücke gekennzeichnet ist, sondern sie prägen zunehmend die Erinnerungskulturen in den großen Städten, die dem Turm von Babel ähneln. Oft flieht man dorthin, wohin andere zuvor ausgewandert sind.

Die bisherigen Veranstaltungen der Reihe «Seismographen des Wandels» sind auf unserer Website dokumentiert: Teil 1Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6.

Standort

Kontakt

Dr. Uwe Sonnenberg

Referent für Zeitgeschichte und Geschichtspolitik, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310 425

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