27. Januar 2021 Diskussion/Vortrag Quo Vadis Tunesien?

Der tunesische Demokratisierungsprozess unter besonderer Berücksichtigung weiblicher Repräsentation

Information

Veranstaltungsort

Online

Zeit

27.01.2021, 19:30 - 21:30 Uhr

Themenbereiche

Soziale Bewegungen / Organisierung, Nordafrika, Westasien, Online/Livestream, Westasien im Fokus

Zugeordnete Dateien

Innerhalb des westlichen Mediendiskurses wird Tunesien häufig als das «Erfolgserlebnis» der arabischen Aufstände und als  «Vorreiter  der  Frauenrechte» innerhalb der Region bezeichnet. Doch wie verhielt sich die demokratische Transition mit Blick auf die weibliche politische Repräsentation? Diese Frage basiert auf den widersprüchlichen Forschungsergebnissen der Politikwissenschaft und der  Gender Studies in post-revolutionären Gesellschaften, die demokratische Transitionsprozesse durchlaufen haben (postsozialistische Staaten vs. lateinamerikanische Staaten).

Vortrag von Domink Folger

Im Rahmen des Masterprogramms Middle Eastern Studies an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)   beschäftigte Folger sich mit der Erklärungskraft politischer Systeme und deren Regeln für genderspezifische Machtmechanismen innerhalb des politischen Gesetzgebungsprozesses. Dies griff er auch während seiner Masterarbeit auf und erforschte den divergierenden Einfluss von deskriptiver und substantieller politischer Repräsentation. Aufbauend auf den Forschungsergebnissen der Masterarbeit zielt seine anvisierte Dissertation auf die, im Forschungsdiskurs bisher wenig   untersuchte, Variable der substantiellen Repräsentation und deren prozesesshafter Erscheinung ab.

Um sich der zweiteiligen Frage nach dem   Demokratisierungsprozess und der weiblichen Repräsentation innerhalb des neuen politischen Systems zu nähern, wird der Vortrag zunächst auf die zentralen Ereignisse des demokratischen Transitionsprozesses eingehen, um diese im weiteren Verlauf  in Bezug zur politischen Repräsentation tunesischer Frauen zu stellen. Dabei kristallisierten sich Ereignisse wie die Verfassung aus 2014 als elementare Neuordnung des politischen Systems, ebenso wie der zunächst zu beobachtende Elitenkonsens als zentrale Schlaglichter der Transitionsphase heraus.

Darüber hinaus wird der Vortrag auf die zunehmende politische Polarisierung im Land eingehen und Ennahdas ambivalente Rolle innerhalb des politischen Systems herausstellen. Demnach soll ein akzentuiertes Bild der Möglichkeiten und Grenzen der Revolution gezeichnet werden, sowie ihre disruptiven Auswirkungen auf das politische System Tunesiens.

Mehr Informationen und Anmeldung


Teil der mehrsprachigen Vortragsreihe «10 Jahre sogenannter Arabischer Frühling – eine kritische Betrachtung» von der (Hochschul)Gruppe Kritische Islamwissenschaftler*innen und Arabist*innen (KIARA), unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Kontakt

Dr. Katja Hermann

Referatsleiterin Westasien / Referentin für Palästina und Israel, Rosa-Luxemburg-Stiftung

Telefon: +49 30 44310485