Mehr zum Thema «Ernährungssysteme für Menschen, nicht für Konzerne»

Grain storage bins at Ukulima in Limpopo, South Africa
Grain storage bins at Ukulima in Limpopo, South Africa, CC BY-NC-ND 2.0, Joseph King, via Flickr

Im September 2021 findet der UN-Welternährungsgipfel (UNFSS) statt. Der UNFSS ist heftig umstritten und wird von einem Großteil der kritischen internationalen Zivilgesellschaft und sozialen Bewegungen boykottiert. Sie fürchten, dass es bei dem Gipfel eine einseitige Ausrichtung auf umstrittene Technologien und nicht nachhaltige Produktionsweisen der Grünen Revolution geben wird, anstatt strukturelle Ungleichheiten und die Klimakrise in den Blick zu nehmen. Ein besonderer Kritikpunkt ist die fehlende demokratische Beteiligung. Zudem gibt es kaum eine Orientierung am Menschenrecht auf Nahrung.

Unser Essen ist eine Ware, deren Inhaltsstoffe wir oftmals genauso wenig überblicken, wie die sozialen und ökologischen Bedingungen der Herstellung. Biologische Vielfalt, produktive Böden und Wasserressourcen werden knapper. Konzernmacht setzt bäuerliche Erzeuger*innen unter Druck. Im globalen Süden werden sie ihres Landes und der Kontrolle über Saatgut beraubt. Landarbeiter*innen werden in globalen Lieferketten ausgebeutet und sind in ihrer täglichen Arbeit giftigen Pestiziden ausgesetzt. Aufgrund der zahlreichen globalen Krisen und der Dysfunktionalität der Agrar- und Ernährungssysteme (Hunger, Fehl- und Mangelernährung, Klimakrise, etc.) ist eine wirkliche Transformation dieser Systeme dringend notwendig. Sie müssen in lokale und auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Agrar- und Ernährungssysteme umgewandelt werden, die unabhängig von der Kontrolle durch Konzerne sind.

All das wird ohne Ernährungssouveränität nicht zu lösen sein. Wir verstehen «Souveränität» einerseits als politische Mitbestimmung: Viele Akteure innerhalb der Ernährungssysteme – Kleinbauern und -bäuerinnen, Landarbeiter*innen, informelle Händler*innen etc. – gehören zu den subalternen, politisch marginalisierten Klassen. Sie müssen ihre Rechte verteidigen und ihre Interessen kollektiv artikulieren können. Andererseits verstehen wir «Souveränität» als Kontrolle über Ressourcen wie Saatgut, Wasser und Land sowie als Zugangsrecht zu Märkten, Wissen und Kapital.

Ernährungssouveränität braucht einen radikalen, linken Politikwechsel: Statt auf rigorosen «Freihandel», die Verbreitung von Technologiepaketen transnationaler Agrochemiekonzerne und die Integration weniger Agrarbetriebe in die regulierten Lieferketten von Supermarkt- und Nahrungsmittelkonzernen müssen Staaten auf breitenwirksame Strategien setzen. Dazu gehören etwa die Förderung von Partnerschaften zwischen Forschung und bäuerlichen Erzeuger*innen, agrarökologische Ansätze, Infrastruktur zur Stärkung von informellen Binnenmärkten, Bereitstellung neuer Technologien als Gemeingüter sowie die Durchsetzung grundlegender sozialer Rechte, etwa von Lohnarbeiter*innen in der Landwirtschaft entlang der gesamten Lieferkette.

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Stärkung von sozialen Bewegungen und der Selbstorganisierung von Landarbeiter*innen, kleinbäuerlichen Erzeuger*innen und anderen marginalisierten Gruppen in ländlichen Räumen. 

Dossier Ernährungssouveränität

Kontakt

Rolle Persondetails
Stellvertretender Direktor Akademie für politische Bildung / Referent für sozialökologischen Umbau Steffen Kühne
E-Mail: steffen.kuehne@rosalux.org
Telefon: +49 30 44310402
Raum: 5.01
Programmleiter Ernährungssouveränität Jan Urhahn
E-Mail: jan.urhahn@rosalux.org
Telefon: +27 10 4460538