Spurwechsel

«Rain on my wind shield»
«Rain on my wind shield» «Im Stau auf der Autobahn bei München. Der 8. Stau seit ich Schweden verlassen habe.», CC BY-NC-ND 2.0, Martin Martinsson

Bekanntermaßen geht ein Fünftel des in Deutschland ausgestoßenen CO2 auf das Konto des Verkehrs. 96 Prozent stammen direkt aus den Auspuffen von PKW und LKW. Die CO2-Emissionen in diesem Bereich sind seit 1990 nicht gesunken. Angesichts des Klimanotstands wird die große Herausforderung deutlich: nur radikale Maßnahmen können die Emissionen reduzieren. 

Zugleich sind viele Mobilitätsbedürfnisse nur unzureichend erfüllt: Wer Auto fährt, steht Stunden in Staus, der öffentliche Nahverkehr ist überlastet, unterfinanziert und noch lange nicht barrierefrei, die Beschäftigten meist schlecht bezahlt und die Tickets zu teuer. In vielen ländlichen Gegenden ist der Nahverkehr ausgedünnt oder verschwunden. 

Ziel eines sozial-ökologischen Systemwechsels der Mobilität ist die Realisierung weitgehend autofreier (Innen-)Städte, eines entgeltfreien, (multimodal) gut ausgebauten und klimaneutralen öffentlichen Nahverkehrs, einem 50 Prozent billigeren Regional- und Fernverkehr der Bahn, komfortableren Radwegenetzen sowie einem Anteil des Umweltverbundes (aus Bus, Bahn, Verkehr, Rad und Mobilität zu Fuß) am Gesamtverkehrsaufkommen von 80 Prozent. Dazu gibt es bereits viele Initiativen, Ansätze und Vorbilder.

Die Forderungen nach einem Ende des Verbrennungsmotors und der Halbierung der Automobilproduktion bis 2030 ist in diesem Zusammenhang richtig und notwendig. Das wird nicht ohne gesellschaftliche Transformationskonflikte gehen. Im Sinne einer verbindenden, ökologischen Klassenpolitik gilt es für die Betroffenen gerechte Übergänge zu schaffen, Perspektiven für Beschäftigung und alternative Produktion zu entwickeln. Denn die Transformation erfordert unglaublich viel Arbeitskraft. Die Konzerne werden bei dieser Transformation nicht freiwillig mittun. Es bedarf wesentlich stärkerer öffentlicher Investitionen und wirtschaftsdemokratischer Strukturen in öffentlichem Eigentum.
 

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Direktor des Instituts für GesellschaftsanalyseDr. Mario Candeias
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