Nachricht | Geschlechterverhältnisse - Palästina / Israel - Feminismus - Naher Osten Frauenrechte sind Menschenrechte

Stimmen aus Israel zum Internationalen Frauentag

Feministische Aktivistinnen aus Israel sprechen über die Bedeutung des 8. März für ihre politischen Kämpfe und Forderungen und auch darüber, warum jeder Tag im Jahr ein Frauentag ist bzw. sein sollte.

Interview mit Reem Amer, Israel-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Reem Amer, Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv
Reem Amer, Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv Foto: Britta Nolte

Als langjährige Aktivistin, aber auch in ihrer Arbeit im Israel-Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv, beschäftigt sich Reem Amer bereits seit vielen Jahren mit politischen, Menschen- und Frauenrechtsfragen.

 
Was bedeutet der internationale Frauentag für dich?

Der internationale Frauentag ist eine gute Gelegenheit, um innezuhalten und feministische Fragen neu zu denken, die Kämpfe der Vergangenheit zu reflektieren, die aktuellen Herausforderungen zu erkennen und zu überlegen wie der Kampf um Frauenrechte, aber auch Menschenrechte allgemein, weitergehen kann.

Welche feministischen Themen, mit denen Du dich beschäftigst, sind Dir, im Zusammenhang mit dem Internationalen Frauentag, besonders wichtig hervorzuheben?

Ich denke, dass wir Feminist*innen hier im Nahen Osten uns nicht nur auf Frauenrechte konzentrieren sollten, sondern dass es wichtig ist, immer auch die Menschenrechtssituation im Auge zu behalten. Denn Frauenrechte sind Menschenrechte. So beteilige ich mich derzeit an einem Frauenprojekt zum Thema illegaler Handfeuerwaffen in den Gemeinden der palästinensischen Minderheit in Israel und den damit einhergehenden Folgen, wie Gewalt in jeglicher Form; und diese richtet sich oftmals gegen Frauen. Unser Fazit: Um dieses Problem nachhaltig anzugehen, müssen wir uns mit der politisch gewollten Benachteiligung der palästinensischen Minderheit in Israel sowie dem grassierenden Militarismus im Land befassen.

Wie verbringst Du den internationalen Frauentag in diesem Jahr?

Normalerweise schließe ich mich anderen Aktivist*innen oder Demonstrationen an, das werde ich in diesem Jahr wohl wieder so machen. Aber natürlich ist jeder Tag im Jahr auch Frauentag und es sollte uns immer ein Anliegen sein, für unsere Gleichberechtigung zu kämpfen, bis wir in einer Gesellschaft leben, die von Gerechtigkeit und Frieden getragen wird.“

 
Das Interview führte Britta Nolte.

Interview mit Shula Keshet, Achoti, Tel Aviv

Shula Keshet, Achoti
Shula Keshet, Achoti Foto: Britta Nolte

Achoti (hebr. Schwester) ist eine im Jahr 2000 gegründete feministische Mizrachi[1]-Organisation. Ihr Ansatz ist, einen Ort zu schaffen, wo Frauen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen können, um sich gemeinsam für eine gerechtere israelische Gesellschaft einzusetzen.

 
Was bedeutet der internationale Frauentag für dich und deine Organisation?

Der internationale Frauentag erinnert uns alljährlich an die Schwierigkeiten und die Unterdrückung, die Frauen, insbesondere aus weniger privilegierten Gesellschaftsschichten in Israel, aber auch weltweit, stets ausgesetzt sind. Das Augenmerk darauf zu lenken, sollte eigentlich das ganze Jahr über gelten.“

Welche eurer Anliegen sind dir besonders wichtig am internationalen Frauentag hervorzuheben?

Wir kämpfen hier für soziale und kulturelle Gleichberechtigung und gegen Rassismus und Sexismus die sowohl in den Bereichen Bildung und Wirtschaft, aber auch Kultur anzutreffen ist.

Wie verbringen Achoti den internationalen Frauentag in diesem Jahr?

In diesem Jahr haben wir während des Frauentages eine Ausstellung laufen, die unser Hauptanliegen: multiple Formen der Diskriminierung von Frauen im Land, aus künstlerischer Sicht beleuchtet. Außerdem planen wir eine Informationsveranstaltung mit dem Ziel die israelische Gesellschaft auf den Facettenreichtum der Benachteiligung von Frauen aufmerksam zu machen. Wir haben bereits einige Erfolge erzielt, dennoch bleibt viel zu tun und der internationale Frauentag ist ein geeigneter Anlass sich auf neue Themen zu konzentrieren.

 
Das Interview führte Britta Nolte.


[1] Etwa die Hälfte der jüdischen Israelis sind Mizrachim, sprich sie stammen aus arabischen und muslimischen Ländern. Die Bezeichnung Mizrachim wird in Abgrenzung zu den aus Europa stammenden jüdischen Israelis verwendet, die Aschkenasim genannt werden. Die Frage der Benachteiligung der Mizrachim ist historisch, aber auch gegenwärtig ein hoch brisantes Thema in Israel.