Publikation Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Globalisierung - Deutsche / Europäische Geschichte - Kommunalakademie Berlin: global city oder Konkursmasse?

eine Zwischenbilanz zehn Jahre nach dem Mauerfall. von Albert Scharenberg (Hrsg.) Schriften der RLS, Bd. 3

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Reihe

Schriften (Archiv)

Autor

Albert Scharenberg,

Erschienen

März 2000

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Inhalt des Buches (Arbeitsdatei) als pdf [4.925 KB]eine Zwischenbilanz zehn Jahre nach dem Mauerfall

von Albert Scharenberg (Hrsg.)

Schriften der RLS, Bd. 3

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung des Herausgebers (Albert Scharenberg)

I. Berlin im Kontext internationaler Stadtentwicklung und -politik

SASKIA SASSEN: Ausgrabungen in der „Global City“

PETER MARCUSE: Die „geteilte Stadt“

ROGER KEIL: Urbanismus nach dem Mauerfall: Berlin im Kontext eines Jahrzehnts städtischen Wandels

II. Perspektiven und Kritik der Berliner Stadtentwicklung

HANS G HELMS: Geschichte der industriellen Entwicklung Berlins und deren Perspektiven

CARL WECHSELBERG: Transformation und Peripherisierung – Die alte und neue Ökonomie Berlins

KATRIN LOMPSCHER: Stadtidee Dienstleistungen. Zum Zusammenhang von Stadtentwicklungsdiskurs und Dienstleistungsentwicklung in Berlin seit 1990

UTE LEHRER: Zitadelle Innenstadt: Bilderproduktion und Potsdamer Platz

SIMONE HAIN: Urbanistik und Architektur beim neoliberalen Ausbau der Zitadelle Berlin. Ein Fall revanchistischer Stadtentwicklungspolitik

UWE RADA: Der barbarische Osten

KLAUS BRAKE: Metropolenpolitik Berlin: Anregungen aus der BerlinStudie

HARALD WOLF: Zur Kritik der Metropolenpolitik des Berliner Senats

Verzeichnis der AutorInnen

aus der Einleitung

Kaum eine Stadt war in den 90er Jahren derart grundlegenden Veränderungen unterworfen wie Berlin, und an keinem Ort sind die widersprüchlichen Ergebnisse der Stadtentwicklung sichtbarer als vom Dach der Info-Box am Potsdamer Platz.

Im Zuge der Teilung der Stadt war der ehemals verkehrsreichste Platz Europas durch seine Randlage schlagartig zum Niemandsland geworden und jahrzehntelang zur städtebaulichen Leerstelle verwaist. Mit dem Fall der Mauer änderte sich die Geografie des Ortes praktisch über Nacht: Der Potsdamer Platz lag auf einmal wieder mitten im Zentrum der sich vereinigenden Großstadt. In hektischen Transaktionen wurde das Bauland binnen kürzester Frist noch von der Westberliner rot-grünen Koalition der Wendezeit zu hoch subventionierten Preisen an Großinvestoren veräußert. Umgehend begannen daraufhin die Bauarbeiten an den Milliarden schweren „Zitadellen“ der Macht.

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Am Potsdamer Platz hat sich der oft als „nachholend“ und alternativlos verklärte Umbau Berlins wie im Zeitraffer vollzogen. Die Errichtung von Shopping-Malls wie den „Arkaden“, das Wachstum der die Ankunft in der Dienstleistungsgesellschaft verheißenden Bürotürme (z.B. von Debis), der Aufbau kulturindustrieller Unterhaltungszentren (Sony) verkünden die vermeintlichen Sonnenseiten der wirtschaftlichen Transformation der Stadt.

Der Blick auf diese Tempel des Warenfetisches verstellt dabei die Einsicht, dass auch strukturelle Massenarbeitslosigkeit, wachsende Armut und soziale wie sozialräumliche Polarisierung die Morgenröte einer neuen Produktionsära bezeichnen. Diese idyllischen Verhältnisse sind Hauptmomente des postfordistischen Akkumulationsregimes.

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