Publikation Staat / Demokratie - Partizipation / Bürgerrechte - Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Rassismus / Neonazismus - Geschlechterverhältnisse - Soziale Bewegungen / Organisierung - Nordamerika Mehr als nur ein Spiel

US-Athleten im Kampf für Soziale Gerechtigkeit. Von Dave Zirin.

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Autor

Dave Zirin,

Erschienen

Oktober 2013

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Wenn man an die amerikanische Sportkultur denkt, ist soziale Gerechtigkeit nicht gerade das erste, was in den Sinn kommt. Für manche Menschen steht diese Sportkultur für das Mitfiebern bei einem großen Playoff-Spiel, das man zusammen mit Freunden sieht. Andere meinen, die US-Sportkultur sei längst von der überall um sich greifenden Kommerzialisierung zerstört worden. Wiederum andere denken an den Profi-Sport als eine von Männern dominierte, letzte Bastion des Rassismus und Sexismus.

Das ist alles nicht falsch, aber es ist nur ein Teil der Geschichte des Sports. Durch die Leidenschaft, die wir dem Sport entgegenbringen, wird dieser zu einem Mikrokosmos für alles, was schlecht, aber auch für das, was gut ist in der amerikanischen Gesellschaft. Im Grunde hat der Sport in vielen Fällen wie eine Art Wetterfahne erahnen lassen, in welche Richtung der Wind der Gerechtigkeit weht. Aktive Profisportlerinnen und -sportler werden von den Medien wie Gladiatoren auf einen hohen Sockel gestellt, aber sie haben ihre Popularität oft auch dafür genutzt, zu wahren Helden und Wegbereitern für soziale Gerechtigkeit zu werden.

Die Bürgerrechtsbewegung etwa fand einen großen Kämpfer in Jackie Robinson, der die Rassenschranken des Baseballs durchbrach und bereits Jahrzehnte vor der Bewegung der 1960er Jahre für soziale Gerechtigkeit. Die Bewegung gegen den Vietnamkrieg fand einen Vorkämpfer in Muhammad Ali, der sich mehr als jeder andere für die Zusammenarbeit von Bürgerrechts- und Antikriegsgruppen einsetzte. Ebenso unvergessen bleibt die mutige Tennisspielerin Billie Jean King, die sich erfolgreich dafür verwandte, dass der Sport ein von Spaß erfüllter und sicherer Ort für Millionen Frauen in ganz Amerika wurde.

Diese Kämpfe für Gerechtigkeit sind keineswegs ein Phänomen der Vergangenheit. Denn es ist kein Zufall, dass die Medien beharrlich – und immer noch – verschweigen, dass Pat Tillman, der zum Soldat gewordene Profisportler der National Football League, sich vor seinem Tod gegen den Krieg der USA im Irak wandte. Außerdem trat mit Jason Collins im Sommer 2013 der erste schwule Sport-Profi an die Öffentlichkeit und löste damit eine heiße Diskussion über die Homophobie der Sportwelt aus. Seine Entscheidung wurde von den meisten seiner Kollegen und von der Öffentlichkeit mit Respekt und Applaus aufgenommen und wirkte als wichtiger Impuls für die LGBT-Bewegung in den Vereinigten Staaten.

Dave Zirin, professioneller Sportreporter und Autor von „A People’s History of Sports in the United States“, berichtet in seinem Essay über diese Ereignisse und untersucht die verschiedenen Schnittstellen von Politik und Sport in der US-Geschichte. Er übt zwar viel Kritik an der Welt des Sports, aber die geneigte Leserin merkt sofort, dass er den Sport, den er beschreibt, zugleich leidenschaftlich liebt. Zirins Ausführungen sind klar, verständlich und voller Gefühl. Ganz gleich, ob man Sport hasst oder liebt, auf den folgenden Seiten findet man etwas, das zum Innehalten, Nachdenken und sogar zum Überdenken eigener (Vor-) Urteile anregt – Erzählungen, die einen wichtigen Teil unserer Kulturgeschichte an ihren Tief- wie auf ihren Höhepunkten zeigen.

Veröffentlicht von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Büro New York, Oktober 2013.