Publikation International / Transnational - Globalisierung - Afrika - Südliches Afrika - Brasilien / Cono Sur - Ostasien - Freihandel Übernehmt die Häfen!

Export-Knotenpunkte im globalen Süden

Information

Erschienen

März 2016

Bestellhinweis

Nur online verfügbar

Zugeordnete Dateien

Die Globalisierung neoliberaler Ausprägung hat die Mega-Städte des globalen Südens tiefgreifend verändert. In den sogenannten aufstrebenden Wirtschaften des Südens – so etwa in China, Brasilien und Südafrika – war der Imperativ der Globalisierung der eines exportorientierten Wachstums. Für diese Entwicklungsstrategie dienten die Häfen jener Staaten als Dreh- und Angelpunkt. Entsprechend des herrschenden Imperativs strebten die Staaten, die Stadtverwaltungen und das private Kapital nach Großprojekten um das Stadtgefüge – stark zu Kosten der Allgemeinheit und mit enormen Auswirkungen auf die lokalen Bevölkerungen – zu verändern.

Zugleich jedoch haben die in den Umbauprojekten angelegten Widersprüche den Boden für neue Formen des Widerstandes bereitet – nicht nur gegen Beeinträchtigungen vor Ort, sondern gegen globale und nationale Strukturen, die spekulative Investitionen (bei privatisierten Profiten und vergemeinschaftetem Risiko) auf Kosten öffentlicher Güter fordern: bezahlbaren Wohnraum, anständiger Arbeit oder gesunder Umwelt, fordern.

Der Neoliberalismus mag ein globales (und abstraktes) Phänomen/global sein, aber Städte sind lokal (und konkret). Die spezifischen Ausprägungen dieser Logik variieren dabei von Ort zu Ort – ebenso wie die Widerstandsmöglichkeiten ortsabhängig sind. Die Autorinnen und Autoren dieser Studie nehmen drei Hafenstädte – Durban, Rio de Janeiro und Hongkong – genauer unter die Lupe, um aufzuzeigen, wie Megaprojekte städtische Strukturen verändern und wie sich neue Koalitionen dagegen formen konnten.

Es handelt sich dabei nicht um bloße Fallstudien. In jeder Stadt unterscheiden sich die Konfigurationen des Kapitals – sowohl lokal wie global – und die staatlichen Machtverhältnisse. Genauso verhält es sich mit den stark variierenden Möglichkeiten der Gegenmacht. Um für unsere „Cities Series“ mit jenen skizzenhaften Portraits der gegenwärtigen Kämpfe dreier Städte auf drei Kontinenten aufwarten zu können, haben wir Autorinnen und Autoren zusammengebracht, die eng mit den Orten verbunden, über die sie schreiben: Patrick Bond leitet das Zentrum für Zivilgesellschaft (Centre for Civil Society) an der Universität von KwaZulu-Natal in Durban. Ana S. Garcia lehrt an der Bundesuniversität Rio de Janeiro und Mariana C. R. Moreira erwarb ihren Master an der Päpstlichen Katholischen Universität von Rio de Janeiro. Ruixue Bai ist ein in Hong Kong ansässiger und unabhängiger Wissenschaftler. Alle vier zusammen ermöglichen ein Mosaikbild der gemeinsamen wie eigentümlichen Kräfte, die jene Global Cities formen.

Kapital und Staat haben Gemeinschaften zerschlagen und Anwohnerinnen und Anwohnern ihr „Recht auf Stadt“ vorenthalten. Unweigerlich, wenngleich unbeabsichtigt haben sie dabei auch neue Bündnismöglichkeiten geschaffen – zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern und den Urban Poor, zwischen Gewerkschaften und Umweltschutzinitiativen, zwischen Bürgerrechtsorganisationen und protestierenden Studierenden. Können diese unterschiedlichen Gruppen eine Einheit und ideologische Perspektive entwickeln, die für den Kampf um eine humanere, gerechtere und nachhaltigere Stadt benötigt wird? Die Zukunft unsere Städte, im Norden wie Süden, und gewiss die des Planeten ist wahrscheinlich auf eine bejahende Antwort angewiesen.

Gesamten Text auf Englisch im PDF.

Rosa-Luxemburg-Stiftung, New York, 2016