2. Oktober 2023 Bildungsreise Deutsche Besatzung und antifaschistischer Widerstand in Griechenland

Eine Bildungsreise auf den Spuren deutscher Täter - Athen, Distomo und Thessaloniki

Information

Veranstaltungsort

Athen, Distomo, Thessaloniki

Zeit

02.10.2023, 09:00 - 07.10.2023, 16:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Neonazismus / Rassismus, Südosteuropa, Europa der Vielen

Kosten

Einzelzimmerzuschlag: 150,00 €
Normalpreis: 450,00 €
Ermäßigter Preis: 350,00 €

Zugeordnete Dateien

Deutsche Besatzung und antifaschistischer Widerstand in Griechenland
Denkmal zur Erinnerung an das Massaker von Distomo, etwa 10 Kilometer östlich von Distomo. Künstler: Bildhauerin Aggelika Korovess. Am 10. Juni 1944 ermordeten Angehörige eines Regimentes der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division im Zuge einer „Vergeltungsaktion“ 218 der – an Partisanenkämpfen unbeteiligten – ca. 1800 Dorfbewohner:innen der Ortschaft Distomo und brannten das Dorf nieder. CC BY-SA 4.0, Dawetie

***Wichtiger Hinweis: Leider ist die Bildungsreise schon ausgebucht, es können keine Anmeldungen mehr angenommen werden.***

Am 6. April 1941 überschritten Truppen Nazideutschlands die Grenzen Griechenlands im Rahmen des Balkanfeldzuges von Bulgarien aus. Die Besetzung Griechenlands durch deutsche und Truppen des faschistischen Verbündeten Italien war Ende April mit der Einnahme des Festlands und der wichtigsten Inseln außer Kreta abgeschlossen. Mit der verlustreichen Eroberung Kretas begann die deutsche Terrorherrschaft zunächst mit einer massiven Ausplünderung des Landes, die zu einer großen Hungersnot führte, der bis zu 250.000 Griech:innen zum Opfer fielen. Bei Vergeltungsmaßnahmen für Widerstandshandlungen – beginnend mit Massenhinrichtungen von Zivilist*innen auf Kreta – wurden Tausende von Menschen ermordet. Die haltlose Grausamkeit der deutschen Besatzung stachelte den bewaffneten Widerstand einer überwiegend, aber nicht ausschließlich kommunistisch bestimmten Guerilla an, die den deutschen (und italienischen und bulgarischen) Besatzer*innen in den Jahren 1941 – 1944 immer mehr zusetzte. Mit groß angelegten Einkreisungsaktionen durchkämmten Wehrmachts-, SS- und andere Einheiten der Deutschen (z.B. Gebirgsjäger) ganze Stadtviertel in Athen und töteten bei diesen „Bloccos“ meist an Ort und Stelle als „Kommunisten“ oder „Widerständler“ denunzierte Gefangene und trieben andere zu Hunderten in Zwangsarbeit und Gefangenschaft. Nach ähnlichem Muster radierten deutsche Mordverbände zahlreiche des Widerstands verdächtigte Dörfer in ganz Griechenland aus: für diese Massenmorde an Zivilist*innen stehen die Namen Distomo, Komeno, Kalavryta, Lingiades und viele mehr.

Die Shoah an den Jüd:innen Europas endete in Griechenland mit der Ermordung fast der gesamten jüdischen Gemeinde in Thessaloniki, das seit Jahrhunderten von einer jüdisch-ladinischen Kultur stark mitgeprägt war. Mit der Deportation des größten Teils der Gemeinde nach Auschwitz, der Zerstörung des großen jüdischen Friedhofes und der Plünderung jüdischer Hinterlassenschaften ist diese Kultur fast vollkommen verschwunden und es gibt wenig Bestrebungen, die einzigartige Geschichte der jüdischen Kultur in Griechenland zu erzählen und ihr Verschwinden aufzuarbeiten.

Für die Menschheitsverbrechen in Griechenland sind kaum je Täter zur Verantwortung gezogen worden. Die Diskussion um Reparationen für die ungeheuren Zerstörungen, die die Deutschen in Griechenland angerichtet haben, ist bis heute nicht verstummt und akzeptable Lösungsvorschläge scheitern an der Weigerung der deutschen Seite, die deutsche Verantwortung jenseits von Lippenbekenntnissen anzuerkennen und Griechenland konsequent zu entschädigen.

Auf unserer sechstägigen Bildungsreise begeben wir uns auf Spuren dieses deutschen Wütens in Griechenland. Ausgehend von Athen über Distomo, reisen wir nach Thessaloniki, dem ladino-jüdischen Salonica. Wir besuchen Gedenkstätten und Orte des Verbrechens, wie des linken Widerstands, sprechen mit Historiker:innen, Nachkommen von Opfern und antifaschistischen Aktivist:innen. Auf Stadtrundgängen und Ausstellungsbesuchen, lernen wir die jüdischen Geschichte Salonicas kennen, befassen uns mit der Vernichtung der Jüd:innen von Thessaloniki und Fragen nach der ausgebliebenen juristischen, politischen wie finanziellen Aufarbeitung und Reparation deutscher Verbrechen in Griechenland.


Der Teilnahmebeitrag von 450 Euro beinhaltet die Hotelunterkunft für sieben Übernachtungen im Doppelzimmer incl. Frühstück (Einzelzimmerzuschlag 150 €) in Athen, Distomo und Thessaloniki, Reiseprogramm und die vor Ort anfallenden Bus-Transfers (Athen-Distomo-Thessaloniki), Eintrittsgelder und Dolmetschung. Für Menschen mit geringeren finanziellen Spielräumen wird ein reduzierter Teilnahmepreis von 350 Euro im Doppelzimmer angeboten. Wir können max. fünf reduzierte Teilnahmeplätze realisieren. Ein Nachweis ist nicht erforderlich.

Die An- und Abreise zum/vom Veranstaltungsort (Athen Anreise bzw. Thessaloniki Abreise) ist eigenständig zu organisieren.

Termine: Anreise Athen, am 01.10.2023 (Sonntag), Abreise Thessaloniki, am 08.10.2023 (Sonntag). Seminarprogramm von Montag bis Samstag (02.10. bis 07.10.2023).

Hotelunterkunft: Athen, vom 01.- 04.10.2023 (3 Nächte, Hotel Exarchion); Distomo vom 04. – 05. 10.2023 (1 Nacht, Hotel NN) und Thessaloniki, vom 05.10 – 08.10.2023 (3 Nächte, Hotel ABC).

In den ersten drei Monaten ist die Anmeldung Teilnehmer:innen mit Wohnsitz in Sachsen vorbehalten. Ab dem 01. März 2023 öffnen wir die Anmeldung für Interessierte aus anderen Bundesländern.

Bildungsurlaub/Bildungsfreistellung: Die Reise wird als gesetzlicher Bildungsurlaub/Bildungsfreistellung angeboten.

Vorbereitungstreffen: Rechtzeitig vor Reiseantritt erhalten alle Teilnehmer:innen eine Einladung zu einem gemeinsamen Vorbereitungstreffen.

Seminar- und Reiseleitung: Marita Richter (AKuBiZ Pirna e.V.) & Fritz Burschel (RLS Athen)

Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, in Kooperation mit dem AKuBiZ Pirna e.V. sowie dem Athener Regionalbüro der RLS in Griechenland.

 

ANMELDEFORMULR

Das unterschriebene Anmeldeformular bitte einsenden an:
Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
Demmeringstraße 32
04177 Leipzig

Kontakt

RLS Sachsen

Telefon: +49 341 96085 31