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Nachricht , : Zur Freiheit der Arbeit im Kapitalismus

Tagung der German Labour History Association (Bochum, 6.-8. Februar 2020)

Wichtige Fakten

Details

Stefan Berger (li.) und Knud Andresen (re.) gratulieren für den Vorstand der GLHA Melina Teubner. Bernd Hüttner

Mit der Tagung „Zur Freiheit der Arbeit im Kapitalismus“ hat die vor zwei Jahren gegründete German Labour History Association der deutschsprachigen „neuen Arbeitsgeschichte“ mit großem Erfolg ein Forum geboten. Insgesamt fast 70 Vortragende und Zuhörende aus einer interessierten (Fach-)Öffentlichkeit trafen sich in der gastgebenden Stiftung „Haus der Geschichte des Ruhrgebiets“ in Bochum und diskutierten während zweieinhalb Tagen intensiv und in kollegialer Atmosphäre über die für die Analyse des Kapitalismus zentrale Frage, welchen Stellenwert die freie Lohnarbeit für diese Form der Vergesellschaftung hat.

Bernd Hüttner ist Referent für Zeitgeschichte und seit 2006 Koordinator des Gesprächskreises Geschichteder Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Der Schwerpunkt der Tagung lag auf der historischen Rolle des Freiheitsbegriffs: Untersucht und diskutiert wurden die sich verändernden Semantiken und Diskurse sowie die Funktion, die sie für das Handeln historischer Akteurinnen und Akteure hatten. Ebenfalls eingehend thematisiert wurde die heuristische Funktion des Freiheitsbegriffs für die aktuelle geschichtswissenschaftliche Forschung. Hierbei wurde deutlich, dass es durchaus fruchtbar sein kann, gegenüber der aktuellen, besonders im Umfeld der Global Labour History sichtbaren Tendenz, vor allem auf die vielfach verschränkten Formen von Zwang und Unfreiheit hinzuweisen, den Freiheitsbegriff nicht ganz aufzugeben. Er kann den Forschenden helfen, das ganze Spektrum möglicher Arbeitsbeziehungen in den Blick zu nehmen. Jede historische Form kapitalistischer Produktion setzte auf ein komplexes Nebeneinander von Produktionsverhältnissen; eine Tendenz zu mehr Freiheit lässt sich im globalen Maßstab allerdings kaum erkennen. Aufgrund der eingegangenen Vortragsvorschläge war bereits absehbar gewesen, dass das dritte Tagungsthema, die Funktion des Freiheitsbegriffs in der Historiografiegeschichte, nur eine Nebenrolle spielen würde. Auf den entsprechenden Forschungsbedarf und die Bedeutung des Themas für die Selbstreflexion der Arbeitsgeschichte wurde im Laufe der zweieinhalb Tage mehrfach hingewiesen.

Labour History is back!

Die Diskussionen der Tagung zeigten zum einen die vielfältigen Formen freier (Lohn-) Arbeit im Dreieck von Haushalt, Markt und Gewalt. Zum anderen dass freie (Lohn-) Arbeitdisziplinierende ebenso wie subjektivierende, sprich auch befreiende Aspekte haben kann und somit Lohnarbeit im Kapitalismus grundsätzlich ambivalent bleibt. Ein jenseits der Inhalte weiteres und bleibendes Resultat war zweifellos das Zusammenbringen von Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Stränge der Arbeitsgeschichte: von der Geschichte der Arbeiterbewegung über die Global Labour History bis zur neuen Sozial- und Kulturgeschichte der Arbeit. Auch die epochale Breite der Konferenz ist hervorzuheben. Unter der Fragestellung nach der Freiheit der Arbeit im Kapitalismus fanden Beiträgerinnen und Beiträger von der Geschichte der Frühen Neuzeit bis zur Zeitgeschichte hervorragende Anknüpfungspunkte, um einen interepochalen Dialog zu führen. Angesichts der zunehmenden Spezialisierung und Ausdifferenzierung der Arbeitsgeschichte (wie der Geschichtswissenschaft insgesamt) kann die Bedeutung solcher übergreifenden Foren nicht genug betont werden. Auch in dieser Hinsicht hat sich die Wahl des Tagungsthemas damit als fruchtbar erwiesen. Die große Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Karrierephasen hat das zukünftige wissenschaftliche Potenzial des wiedererstarkenden Interesses an der Arbeitsgeschichte unter Beweis gestellt.

Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des ersten Dissertationspreises der GLHA. Ausgezeichnet wurde Melina Teubner (Bern) für ihre Studie „A arte de cozinhar (deutsch: Die Kunst des Kochens). Sklavenschiffsköche, Ernährung und Diaspora im südlichen Atlantik 1800-1870“ (mehr im PDF).

Für die Inhalte der einzelnen Vorträge und der anschließenden Debatten siehe das vollständige Konferenzprogramm (PDF) sowie den Tagungsbericht von Patrick Böhm, der demnächst auf H-Soz-Kult veröffentlicht wird. Die Tagung wurde vom GLHA e.V., der Friedrich Ebert Stiftung und der Rosa Luxemburg Stiftung veranstaltet, mit Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung. Die nächste Tagung findet Anfang 2022 statt.

Mit Dank an Anna Strommenger (Duisburg-Essen), Jan Kellershohn (Bochum) und Peter-Paul Bänziger (Basel).

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Annotation einer Festschrift für Marcel van der Linden

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