Publikation Geschlechterverhältnisse - Gesundheit und Pflege Das bisschen Pflege

Was falsch läuft und wie es anders gehen könnte.

Information

Reihe

Buch/ Broschur

Autorin

Hannah Schurian,

Erschienen

September 2017

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Fast alle von uns sind irgendwann in ihrem Leben darauf angewiesen, gepflegt zu werden: sei es durch Krankheiten, körperliche Einschränkungen oder einfach nur aufgrund des Alters. Dann brauchen wir Menschen, die uns beim Aufstehen und Anziehen helfen, die uns waschen und Medikamente geben, die uns zuhören, Aufmerksamkeit und Zeit schenken. In dieser Situation möchten wir würdevoll behandelt werden und selbst entscheiden, wer uns wie und wo pflegt – unabhängig von Herkunft, Wohnort oder Geldbeutel. Die Realität sieht leider anders aus. In einem reichen Land wie Deutschland hetzen Krankenpfleger* innen über unterbesetzte Stationen, tragen Menschen im Pflegeheim Windeln, weil die Zeit fehlt für den Toilettengang, sind Krankheit und Alter ein Armutsrisiko. Tausende Überlastungsanzeigen von Pfleger*innen belegen die miserable Situation in den Krankenhäusern. In den Pflegeheimen sieht es nicht besser aus. Der «Pflegenotstand» ist zum medialen Schlagwort geworden. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass sie oder ihre Angehörigen in Armut leben müssen, wenn sie Pflege benötigen. Und viele haben Angst, allein zu bleiben, wenn sie auf Unterstützung angewiesen sind. Diese Ängste sind auch Ausdruck eines löchrigen und sozial ungerechten Pflegesystems. [...]

Inzwischen regt sich zunehmend Kritik an den Zuständen in der Pflege und Proteste und Arbeitskämpfe nehmen zu. In den Krankenhäusern gab es in den letzten Jahren selbstbewusste Streiks, in denen nicht nur mehr Geld, sondern mehr Personal und gute Versorgung gefordert wurde. Viele Protestaktionen, Petitionen und Klagen wenden sich gegen den Pflegenotstand. Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen schließen sich in Initiativen und Selbsthilfeorganisationen zusammen. Sie alle wollen sich nicht länger aufreiben und fordern Lösungen: eine bedarfsdeckende Finanzierung, einen Ausbau der Versorgungsstrukturen, ausreichend Bezahlung und Personal, kurz: die Möglichkeit, so zu pflegen und gepflegt zu werden, wie es ihren Bedürfnissen entspricht.

Dazu sind grundlegende Veränderungen nötig: Es muss Geld in die öffentliche Daseinsvorsorge fließen, wo es allen zugutekommt. Nur so wird es möglich, die Arbeit gesellschaftlich gerecht zu verteilen und angemessen zu entlohnen. Um die Pflege aufzuwerten, muss sie raus aus der Sphäre des Unsichtbaren und Privaten. Bis heute gelten Pflegearmut und Überlastung oft als individuelle Probleme oder gar als persönliches Versagen. Langfristig braucht es Pflegeinfrastrukturen, die von den Beteiligten selbst mitgestaltet werden und die gute Arbeits- und Versorgungsbedingungen für alle bieten. Das ist unvereinbar mit dem Kostendruck und der Konkurrenz auf dem «Pflegemarkt ». Pflege muss eine öffentliche Angelegenheit sein und keine, die auf Kosten der Beschäftigten und zu Pflegenden Profite abwirft. Die Forderungen stehen im Raum. Aber wie und von wem werden sie durchgesetzt? Pflegekräfte, Betroffene und Angehörige müssen sich noch stärker für ihre Belange organisieren und darin von anderen unterstützt werden. Arbeitskämpfe und kommunale politische Bündnisse spielen eine wichtige Rolle im Kampf für bessere Bedingungen in der Pflege. Dabei geht es nicht nur um den Pflegebereich, sondern um das Gemeingut einer funktionierenden und bedürfnisgerechten sozialen Infrastruktur.

Diese Broschüre zeigt die Probleme und deren Ursachen im heutigen Pflegesystem in Deutschland auf, nennt Forderungen und Alternativen und sucht schließlich nach Ansätzen, wie sich diese durchsetzen lassen könnten.

Inhalt:

Einleitung

Was läuft falsch und warum?

1 Häusliche Pflege: prekäre Privatsache
2 Pflege als Markt: Beschäftigte unter Druck
3 Ausbeutung statt Aufwertung: Wie die Lücken gestopft werden

Forderungen und Alternativen: Wie es anders gehen könnte

1 Gute Pflege für alle absichern
2 Pflegende Angehörige entlasten
3 Arbeitsrechte statt Ausbeutung
4 Für Aufwertung kämpfen
5 Qualität statt Kostendruck
6 Rundum gut versorgt: Pflegeinfrastrukturen
7 Mehr Zeit für Sorge

Ausblick: Gemeinsam für gute Pflege

Literatur zum Nach- und Weiterlesen