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Gegen die Logik der Gewalt

Seit Oktober 2023 wütet im Gazastreifen ein verheerender Krieg. Die hohe Anzahl ziviler Opfer, die Vertreibung nahezu der gesamten palästinensischen Bevölkerung innerhalb des Küstenstreifens, das Ausmaß an Zerstörung, die Hungersnot sowie der Ausbruch von Polio übersteigen unser Vorstellungsvermögen. Ausgelöst wurde dieser Krieg durch das brutale Massaker der islamistischen Hamas an israelischen Zivilist*innen am 7. Oktober 2023. Die israelische Regierung führt den Krieg mit dem Ziel, die Hamas zu zerstören und die israelischen Geiseln zurückzuholen und hält trotz zunehmender und teils vehementer Kritik aus eigenen Kreisen und der internationalen Gemeinschaft an ihrer Kriegsführung fest.

Der Internationale Gerichtshof prüft mittlerweile eine Klage Südafrikas wegen eines möglichen Völkermords gegen Israel. Ein Jahr nach Beginn des Krieges ist ein Flächenbrand entstanden, der sich auf den Libanon ausgeweitet hat, wo die Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel eskalieren. Mit dem Iran steht Israel an der Schwelle eines großen Krieges, nachdem Israel den Hamas-Chef Ismail Haniyya in Teheran und den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah in Beirut getötet und der Iran bereits zweimal Israel mit Drohnen und Raketen angegriffen hat. Die Angst der Menschen vor einem regionalen Krieg ist groß.

Als Rosa-Luxemburg-Stiftung arbeiten wir seit vielen Jahren mit palästinensischen und israelischen und seit einigen Jahren auch mit libanesischen und irakischen Kolleg*innen und Projektpartner*innen zusammen. Wir haben gewachsene Netzwerke, die weit über die Arbeit hinausgehen und von einer solidarischen Haltung getragen werden. Wir versuchen nach Kräften, in einem Kontext von Gewalt und Gegengewalt mit kritischer und solidarischer Arbeit einen kleinen Unterschied zu machen. In Israel und Palästina arbeiten wir für die Stärkung von demokratischen, progressiven Akteuren und Projekten , für ein Ende der völkerrechtswidrigen Besatzung und ein Ende der Abriegelung des Gazastreifens und für ein gleichberechtigtes Setting vor Ort, in dem alle Menschen, Israelis und Palästinenser*innen, in Frieden, Sicherheit und Würde leben können.

Wir sind der Meinung, dass gerade in dieser eskalierten Situation kenntnisreiche, differenzierte und auch empathische Beiträge wichtig sind und dass auch gerade die Perspektiven von vor Ort Gehör finden müssen. Es geht uns darum, zu verstehen, was passiert. Dazu braucht es Hintergründe und Kontext. Der Begriff der Kontextualisierung hat in den letzten Monaten gelitten, zu oft wurde er mit Verharmlosung gleichgesetzt. Nein, Kontext ist für uns nicht der Versuch, Dinge zu rechtfertigen, Kontext bedeutet für uns vielmehr, die Ereignisse einzuordnen in Entwicklungen und Umstände, die weit über den Tag hinausreichen.

Wir präsentieren in diesem Dossier vor allem Texte und Interviews, die vor dem Hintergrund des Krieges entstehen. Dabei geben wir unterschiedlichen, manchmal auch widersprüchlichen Perspektiven und Analysen Raum. Als Einrichtung der politischen Bildungsarbeit ist es eine unserer zentralen Aufgaben, ein Ort für das Ringen um die Wahrheit zu sein. Das gilt insbesondere für die komplexe und schmerzhafte Situation in Palästina, Israel und Libanon und in der gesamten Region. Dass wir mit damit nicht immer den Erwartungen aller entsprechen, haben wir in den letzten Monaten verstanden und liegt in der Natur der demokratischen, solidarischen und suchenden Auseinandersetzung. Darum bemühen wir uns weiter. 

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